Polizei stürmt Zentrale von Medienkonzern

Bereits am Dienstag gab es Proteste vor dem Gebäude des Fernsehsenders Kanaltürk gegen die Einsetzung eines Zwangsverwalters. Am Mittwoch übernahm dieser die Regie, nachdem sich die Polizei gewaltsam Zutritt zum  Sitz des Koza-Ipek-Konzerns verschafft hatte. (Archiv)
Bereits am Dienstag gab es Proteste vor dem Gebäude des Fernsehsenders Kanaltürk gegen die Einsetzung eines Zwangsverwalters. Am Mittwoch übernahm dieser die Regie, nachdem sich die Polizei gewaltsam Zutritt zum Sitz des Koza-Ipek-Konzerns verschafft hatte. (Archiv) © Keystone/EPA/CEM TURKEL
Wenige Tage vor der Parlamentswahl in der Türkei hat die Polizei vor laufenden Kameras die Zentrale eines regierungskritischen Medienkonzerns in Istanbul gestürmt. Anschliessend übernahm ein Zwangsverwalter die Kontrolle über die zwei Fernsehsender.

Die Polizisten verschafften sich am Mittwoch mit Kettensägen Zugang zum Sitz der Unternehmensgruppe Koza-Ipek, wie auf im Internet verbreiteten Live-Bildern zu sehen war. Sie gingen zudem mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Angestellte vor, die sich ihnen entgegenstellten.

Schliesslich besetzten die Einsatzkräfte die Regieräume der beiden Sender Kanaltürk und Bugün. Diese stehen nun unter Kontrolle eines von der Justiz eingesetzten Zwangsverwalters.

Der Koza-Ipek-Konzern, der auch im Bergbau und im Energiesektor aktiv ist, steht der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen nahe. Die Justiz hatte die Unternehmensgruppe am Montag unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Staatsanwaltschaft begründete die Massnahme mit Ermittlungen wegen des Verdachts der “Terrorfinanzierung” und “Propaganda”.

Gülen, ein ehemaliger Unterstützer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, hatte sich vor zwei Jahren mit der Regierung überworfen. Seitdem wirft Erdogan dem in den USA lebenden Gülen einen Umsturzversuch vor. Gülen weist die Anschuldigungen zurück.

Die türkische Regierung steht seit langem wegen ihres Vorgehens gegen Journalisten in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, kurz vor der Wahl am Sonntag den Druck auf die Medien zu erhöhen.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen