Polizei sucht nach Holocaust-Leugner

Polizei sucht nach Holocaust-Leugner
© Dieser Flyer wurde in mehrere Briefkästen in Kreuzlingen verteilt.
In Kreuzlingen ist ein antisemitisches Hassschreiben aufgetaucht, das als Flyer in verschiedene Briefkästen verteilt wurde. Darin wird unter anderem die systematische Vergasung der Juden während des Zweiten Weltkrieges in Abrede gestellt und versucht, eine pseudo-religiöse Weltverschwörung zu konstruieren. Die Kantonspolizei ermittelt.

In den letzten Tagen landete in mehreren Kreuzlinger Briefkästen ein wirres Schreiben. Kernpunkt: Der angebliche Holocaust an den Juden während des Zweiten Weltkrieges sei nichts anderes als eine gigantische Weltverschwörung. Die wahren Opfer seien unter der deutschen Zivilbevölkerung zu suchen. “Sogenannte Zeitzeugen jener Jahre behaupten die grausamsten Horrorgeschichten.  Die allermeisten Behauptungen halten aber genauesten Untersuchungen in keiner Weise stand”, heisst es im anonymen Schreiben. Die systematische Vernichtung der Juden sei nichts anderes als ein Märchen – eine gezielte Vergasung dieser Menschen habe schon aus rein “technischen Gründen” gar nicht stattfinden können. Als “Beleg” werden etliche, teils einschlägig bekannte Holocaust-Leugner herbeizitiert und mit pseudo-religiösen Thesen (Bibelzitat, Papstverschwörung, Luzifer) angereichert.

Fakt ist: Der Holocaust ist in der etablierten Geschichtsschreibung eine erwiesene Tatsache und wissenschaftlich als Völkermord definiert. In der Zeit des Nationalsozialismus verloren in Europa zwischen 5,6 und 6,3 Millionen Juden ihr Leben und wurden spätestens seit 1942 in sogenannten Vernichtungslagern mit industriellen Methoden getötet.

Ermittlungen von Amtes wegen

Die Thurgauer Jungsozialisten haben das kursierende Schreiben publik gemacht, nachdem es eines ihrer Mitglieder im eigenen Briefkasten gefunden hat. “Anonym den Holocaust zu leugnen ist feiger Rassismus. Dagegen wehren wir uns”, sagt Co-Präsident Flavio Brühwiler. Man prüfe daher weitere Schritte wie beispielsweise eine Anzeige, heisst es auf Anfrage von FM1Today.

Dies wird jedoch nicht nötig sein. Auch die Kantonspolizei Thurgau hat Kenntnis von dem Kreuzlinger Flyer erhalten, nachdem ihnen ein besorgter Bürger das Schreiben hat zukommen lassen. Dabei handelt es sich laut Mediensprecher Matthias Graf um ein Offizialdelikt und daher wird auch ohne Anzeige von Amtes wegen ermittelt. Über allfällige weitere Schritte haben dann die Staatsanwaltschaft zu entscheiden. In wie viele Kreuzlinger Briefkästen der Flyer verteilt wurde, ist der Kantonspolizei nicht bekannt. (mla)


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