Programm verwandelt Fotos in Gemälde berühmter Künstler

Fast nicht zu unterscheiden von einem echten Kunstwerk: "DeepArt" errechnet Gemälde anhand von Fotos.
Fast nicht zu unterscheiden von einem echten Kunstwerk: "DeepArt" errechnet Gemälde anhand von Fotos. © EPFL / Alain Herzog
Die eigenen Urlaubsfotos als Gemälde im Stil von Van Gogh oder Matisse: Ein Algorithmus der Universität Tübingen macht das möglich. Eine von EPFL-Forschern entwickelte Online-Plattform stellt diese Funktion nun der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Lernfähige Maschinen besiegen nicht nur Schach- und Go-Weltmeister, sie entwickeln auch eine künstlerische Ader: Der Algorithmus “DeepArt” errechnet aus einem beliebigen Foto ein Gemälde nach Vorbild berühmter Kunstwerke. Eine von der ETH Lausanne (EPFL) entwickelte Website stellt “DeepArt” nun der Öffentlichkeit zur Verfügung, wie die Hochschule am Montag mitteilte.

Der Algorithmus macht sich die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet des sogenannten “Deep Learning” zunutze, einer Teildisziplin der künstlichen Intelligenz, die sich unter anderem mit Bilderkennung befasst. “DeepArt” analysiert ein von Nutzern eingespeistes Foto und erkennt seine Hauptelemente. Anschliessend “malt” er daraus ein neues Bild in dem vom Nutzer gewählten Malstil.

Während des etwa 10-minütigen Rechenprozesses vergleicht der Algorithmus immer wieder die Elemente des Originalfotos mit dem Gemälde, das es nachahmen soll, zum Beispiel Van Goghs “Sternennacht”. Auf der von EPFL-Forscher Lukasz Kidzinski entworfenen Website kann nun jeder selbst ausprobieren, wie sich das ein oder andere Urlaubsfoto als Van Gogh-Gemälde macht.

Allerdings limitiert die kostenlose Version die Grösse des errechneten Gemäldes und es gibt eine Warteschlange. Etwas Geduld werden Interessierte also mitbringen müssen.

Mithilfe der Online-Plattform überprüften Kidzinski und Wissenschaftler der Universität Tübingen zudem, ob Menschen erkennen können, dass die von “DeepArt” produzierten Bilder maschinell erzeugt sind. Bei diesem Turing-Test lagen die Teilnehmenden nur in 60 Prozent der Fälle richtig, welche Werke von Künstlern gemalt und welche errechnet waren – also fast wie bei zufälligem Raten.

Die Wissenschaftler sehen ihren Algorithmus nicht als Konkurrenz für Kunstschaffende, eher im Gegenteil. “Er wird sicher zu neuen Formen des künstlerischen Ausdrucks führen”, liess sich Kidzinski in der Mitteilung zitieren. Ausserdem könnte das Projekt allenfalls Kunsthistorikern helfen, beschädigte Gemälde zu restaurieren.

(SDA)


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