Promis als Lügen-Schleudern auf Facebook

Von René Rödiger
Auch auf Facebook sollte man die Quellen prüfen.
Auch auf Facebook sollte man die Quellen prüfen. © Thurgauer Zeitung/Reto Martin/Symbolbild
Nicht dein komischer ehemaliger Schulfreund ist schuld, dass Facebook immer mehr zum Fakebook wird. Viel mehr verbreiten Promis Fake News – mit voller Absicht.

Fake News, also frei erfundene oder in einen falschen Zusammenhang gesetzte Nachrichten oder Lügen, verbreiten sich rasend schnell auf Social Media. Der Begriff erlebte insbesondere nach der US-Präsidentschaftswahl einen Boom, wie ein Blick auf die Google Trends der letzten 90 Tage zeigt:

Nicht weniger Kommentatoren behaupteten nach der US-Wahl, dass diese Fake News Donald Trump den Weg zum Sieg geebnet haben sollen. Immerhin wurden diese Lügen auf Facebook öfters geteilt, als «normale» Nachrichten. Schlagzeilen wie «Papst Franziskus schockiert die Welt – er unterstützt Donald Trump» (erfunden) laufen nun mal besser als «Ich führte den CIA. Jetzt unterstütze ich Hillary Clinton» (echt).

Quellen werden nicht geprüft

Selbstverständlich wurde Trump nicht (nur) wegen solchen Fake News gewählt. Immerhin informiert sich die Mehrheit der US-Amerikaner im TV über die aktuelle Nachrichtenlage. Und trotzdem sind diese Fake News gefährlich. Laut einer aktuellen Studie der Stanford University können 82 Prozent der Jugendlichen auf Facebook nicht zwischen einer News-Story und einer bezahlten Anzeige unterscheiden. Für sie ist ein Artikel dann glaubwürdig, wenn «Details stimmig scheinen und es ein grosses Bild hat». Die Quelle wird nicht geprüft.

Die grössten Fake-Schleudern

Wer teilt denn nun diese – teilweise doch sehr offensichtlichen – Lügen? Nicht der Typ, mit dem du auf Facebook befreundet bist, obwohl du dich gar nicht mehr wirklich an ihn erinnern kannst. Nein, die grössten Fake-Schleudern sind die Musik- und Hollywood-Sternchen. Oder zumindest jene Leute, die diese Seiten verwalten.

Wir sprechen da weniger von den ganz Grossen wie Nicole Kidman, Brad Pitt, Taylor Swift oder Justin Bieber. Diese posten höchstens mal einen Link zu ihrem Shop, dem neusten Film oder Album. Oder zu einem Kosmetikprodukt, das ihr «Leben verändert hat». Dafür bekommen sie natürlich auch ein bisschen Geld.

Aufmerksamkeit bringt Geld

Die schlimmen Fake-Schleudern sind die Darsteller, die vor einigen Jahren mal eine Nebenrolle in einer miesen Serie hatten oder noch nicht ganz berühmt sind – und ein grosser Teil der Rapper.

Wenn zum Beispiel Gucci Mane einen solchen Post macht, dann verdient er daran:

Posted by Gucci Mane on Sunday, September 18, 2016

Bei den meisten dieser Promis geht es jedoch nicht ums Geld. Es geht um Aufmerksamkeit. Nur gerade rund zehn Prozent der Fans wird ein Facebook-Post überhaupt angezeigt. Will man vermehrt wahrgenommen werden, müssen Klicks und Interaktionen her. Diese bekommen Leute wie Snoop Dogg, Bethenny Frankel oder auch Cheech Marin mit Clickbait und Fake News.

Bis zu 20’000 Dollar pro Monat

Über diese höhere Interaktions-Rate können diese Promis dann bessere Deals mit Werbern machen. Das System ist ein Selbstläufer. Wie viel Geld damit ein Raekwon oder auch ein George Takei machen, lässt sich nicht sagen. Ein Vermittler zwischen Marken und Stars sagte vor drei Jahren in einem Interview, dass über bezahlte Posts bis zu 20’000 Dollar pro Monat verdient werden können – auch für einen Hollywood-Nebendarsteller eine schöne Stange Geld. Allerdings spielen in dieser Liga doch eher Leute wie Kim Kardashian.

Spur führt zu Ashton Kutcher

Hinter einem grossen Teil dieser Fake-News- und Clickbait-Geschichten, die Promis auf Facebook teilen, steckt übrigens selbst ein Filmstar. Ashton Kutcher hat mit «A+» ein riesiges Imperium aufgebaut. Die Site gehört zu den 50 meistbesuchten Websites in den USA. Und trotzdem kennt fast niemand «A+». Das gehört zum Konzept, die Leute sollen schliesslich auf die Links klicken und nicht direkt auf die Site oder eine Unterseite kommen. In der Zwischenzeit ist «A+» grösser als Fox News oder die Klatschseite TMZ.

Screenshot A+

Screenshot A+

Bei «A+» bekommen Promis Geld dafür, die Geschichten möglichst häufig zu teilen. Zu den bestätigten Partnern gehören T.I., Lil Wayne und Nicki Minaj. Laut Gerüchten sollen auch Britney Spears, Rihanna oder Lena Dunham Teil von «A+» sein.

Fake News lösen Listicles ab

Natürlich ist es nicht verboten, wenn ein paar Promis ein bisschen Geld mit einem lustigen Listicle («Die 9 besten Hundenamen aus Disney-Filmen») verdienen. Doch der Markt mit den Klicks ist brutal. Seit dem US-Wahlkampf und den immer besser geklickten politisch motivierten Fake-News hat sich der Fokus von den Listicles wegbewegt.

Filterblase droht

Und hier wird es gefährlich. Je häufiger Fake News im Feed angezeigt werden (und vielleicht sogar noch geklickt werden), desto häufiger blendet Facebook auch wieder ähnliche «Nachrichten» ein. Es kommt zum sogenannten «Echo Chamber Effect», einer Filterblase. Der User bekommt immer seltener Informationen zu sehen, die nicht seiner Meinung entsprechen. Dabei wäre eben dies in einer funktionierenden Gesellschaft besonders wichtig. Nur wer sich mit dem Standpunkt eines anders denkenden Menschen auch auseinandersetzt, kann diesen verstehen.


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