Tamil-Tigers-Prozess ist beendet

Zum Auftakt des Prozesses im Januar demonstrierten Sympathisanten der Tamil Tigers auf der Piazza della Foca in Bellinzona. (Archiv)
Zum Auftakt des Prozesses im Januar demonstrierten Sympathisanten der Tamil Tigers auf der Piazza della Foca in Bellinzona. (Archiv) © KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI
Der Prozess vor dem Bundesstrafgericht gegen 13 mutmassliche Unterstützer der Tamil Tigers ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Die Bundesstaatsanwaltschaft fordert Freiheitsstrafen zwischen 18 Monaten bedingt und sechseinhalb Jahren. Das Urteil folgt Mitte Juni.

Zwölf Tamilen und ein Deutscher werden beschuldigt, die Tamil Tigers bis im Jahr 2009 von der Schweiz aus finanziell unterstützt zu haben. Ihnen werden Unterstützung einer kriminellen Organisation, Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Erpressung vorgeworfen. Die Verteidiger forderten Freisprüche.

Am letzten Verhandlungstag nahmen die Verteidiger Stellung zu den Zivilforderungen und zu den Verfahrenskosten, die rund 3,8 Millionen Franken betragen. Diese sollen im Fall einer Verurteilung von den Angeklagten bezahlt werden.

Einer der Anwälte bezeichnete die hohen Kosten als eine Folge des «Grössenwahns» der Bundesanwaltschaft, der Gefälligkeit gegenüber der Europäischen Union und der wirtschaftlichen Beziehungen der Schweiz mit Sri Lanka.

Der Leiter des World Tamil Coordinating Comitee (WTCC) erinnerte in seinem Schlusswort nochmals an die Verfolgungen, welche die Tamilen in Sri Lanka erleiden mussten und an den Kampf der Tamil Tigers bis im Jahr 2009. Auch weitere Angeklagte ergriffen zum Schluss nochmals das Wort.

Im rund acht Wochen dauernden Prozess bezogen Bundesanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers zwei sich diametral gegenüber stehende Positionen bezüglich den Angeklagten und deren Aktivitäten beim World Tamil Coordinating Comitee (WTCC).

Über diese Organisation soll der Kampf der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) von der Schweiz aus unterstützt worden sein.

Mit ihren Anträgen zum Prozessauftakt und mit ihren Plädoyers zielten die Anwälte darauf ab, dass die Anklage an die Bundesanwaltschaft zurückgewiesen wird. Sie bezeichneten das Verfahren als politischen Prozess, der auf Betreiben der Europäischen Union hin geführt werde.

Die Verteidiger rügten die unverhältnismässige Anklage und die zahlreichen Unregelmässigkeiten, zu denen es während der Strafuntersuchung gekommen sein soll.

Die Staatsanwältin des Bundes präsentierte die LTTE als eine Bewegung, deren Effizienz die Al-Kaida inspiriert habe. Die Bundesanwältin unterstrich zudem mit Fotos das verbrecherische Handeln der Tamil Tigers. So zeigte sie Fotos, auf denen der Chef des WTCC mit einem Maschinengewehr und Kindersoldaten zu sehen ist. In ihren Ausführungen versuchte sie aufzuzeigen, dass die Angeklagten im Wissen darum die LTTE unterstützt hätten.

Die Verteidiger unterstrichen hingegen die Legitimität des Kampfes der Tamil Tigers gegen das Regime. Gemäss ihren Plädoyers dienten die in der tamilischen Gemeinschaft der Schweiz durch das WTCC gesammelten Gelder humanitären Zwecken.

Die Gelder wurden nach Ansicht der Anwälte freiwillig gespendet. Die Verteidiger widersprachen der Fassung der Staatsanwältin, wonach auf die Diaspora in der Schweiz Druck ausgeübt worden sei, indem damit gedroht wurde, gegen Familienangehörigen in Sri Lanka vorzugehen.

Die LTTE kämpfte von 1983 bis 2009 für die Unabhängigkeit der Tamilen im Norden Sri Lankas. Während des Konflikts kamen bis zu 100’000 Menschen ums Leben.

(SDA)


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