Rassismusprävention kommt in den Schulen zu kurz

Nicht nur Rechnen sollten Schüler lernen, auch über Rassismus sollte in der Schule gesprochen werden, fordert die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus. (Symbolbild)
Nicht nur Rechnen sollten Schüler lernen, auch über Rassismus sollte in der Schule gesprochen werden, fordert die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus. (Symbolbild) © KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
In den Schweizer Schulen kommt die Rassismusprävention zu kurz. In den Lehrplänen ist sie nicht vorgeschrieben, und die Lehrer und Lehrerinnen lassen das Thema oft aussen vor. Das stellt die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus fest.

Die Schweiz tue sich schwer, die antirassistische Erziehung nachhaltig und offiziell in den Lehrplänen der obligatorischen Schule zu verankern, teilte die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) am Dienstag mit. Im Vergleich zu den EU-Ländern weise die Schweiz in dieser Hinsicht einen Rückstand auf.

Die Judenverfolgung und -vernichtung während des Dritten Reichs ist laut Erziehungswissenschaftlerin Miryam Eser Davolio das am häufigsten behandelte antirassistische Bildungsthema. “Bedauerlicherweise bleibt es auch oft das einzige, dem Schüler und Schülerinnen während ihrer Schulzeit begegnen”, schreibt sie in einem Beitrag im EKR-Bulletin “TANGRAM”.

Im gesamten Lehrplan 21 kommt der Begriff “Rassismus” – oder Variationen des Begriffs – an keiner Stelle vor, wie Madeleine Scherrer und Béatrice Ziegler von der Pädagogischen Hochschule FHNW festhalten. Auch im Westschweizer Lehrplan PER tauche das Wort “racisme” nicht auf.

Die Lehrpläne und die Ausbildung liessen zwar Raum, Rassismus zu thematisieren. Sie erzwingen die Auseinandersetzung mit dem Thema aber auch nicht, wie Scherrer und Ziegler schreiben. “Insofern bleibt die Anlage in der Hälfte stecken.”

Laut Eser Davolio gibt es zudem etwa zur Radikalisierungsproblematik keine oder nur vereinzelte pädagogische Materialien und Anleitungen – was es für die Lehrer schwer macht, das Thema anzugehen. Rassismus und Diskriminierung seien in der pädagogischen Landschaft der Schweiz Randthemen geblieben, schreibt sie.

Die Kommission gegen Rassismus sieht jedoch auch Fortschritte: Die Rassismusprävention gewinne in den Schulen an Bedeutung. Das sei insbesondere dem Einbezug von Organisationen wie der Fachstelle für Rassismusbekämpfung verschiedenen Stiftungen zu verdanken.

Es gebe aber noch viel zu tun, hält EKR-Präsidentin Martine Brunschwig Graf fest. Ziel sei, dass kein Schüler am Ende der Schulzeit sagt, dass das Thema Rassismus in all den Jahren nie zur Sprache gekommen sei. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Reflexion über die Rassismusbekämpfung Teil der Grundausbildung der künftigen Lehrer sein, fordert Graf.

Denn Rassismusbekämpfung sei in den Schulen heute nötiger denn je. Würden Kinder und Jugendliche aufgefordert, sich mit ihren eigenen Klischees und den möglicherweise rassistischen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen, könnten Rassismus und Antisemitismus an der Wurzel bekämpft werden, schreibt die Kommission.

(SDA)


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