Real Madrid folgt Atletico in den Final

Gareth Bale und Cristiano Ronaldo freuen sich über das entscheidende Tor
Gareth Bale und Cristiano Ronaldo freuen sich über das entscheidende Tor © KEYSTONE/EPA EFE/JUAN CARLOS HIDALGO
Real Madrid steht zum 14. Mal im Final der Champions League. Die Spanier setzen sich acht Tage nach dem 0:0 im Hinspiel gegen Manchester City daheim mit 1:0 durch.

Weitgehend ohne Glanz und sicher ohne Gloria besiegte Real Madrid den abermals viel zu passiven Premier-League-Giganten Manchester City 1:0 – ein Eigentor Fernandos (20.) genügte zur Differenz. Gemessen am Potenzial und wirtschaftlichen Volumen der beiden Halbfinalisten verlief die nur auf dem Papier vielversprechende Angelegenheit grösstenteils ohne Höhepunkte.

Haften bleibt im Prinzip einzig Reals Qualifikation für den Final, an die nur matte, ängstliche und destruktive City wird sich in Kürze niemand mehr erinnern. Bei der Madrider Endspiel-Reprise von 2014 gegen Atletico ist vermutlich schon im wochenlangen medialen Vorspiel mit einer Verzehnfachung der Emotionen zu rechnen.

Im torlosen Hinspiel hatte sich selbst Real, das an sich auf jedem Platz Europas in der Lage wäre, ein grandioses Spektakel zu inszenieren, nur mit dem puren Minimum begnügt. Und Englands womöglich teuerste, teilweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten entworfene Equipe war willens, aber nicht zur gehobenen Unterhaltung in der Lage.

Dass die Madrilenen vor eigenem Publikum wieder vermehrt auf ihre Qualitäten in der gegnerischen Platzhälfte setzen würden, war absehbar – zumal mit Cristiano Ronaldo der Kopf der Offensive nach einer verletzungsbedingten Auszeit im besten Moment zurückkehrte. Die Gäste hingegen verhielten sich gleich und trostlos.

Für den ersten und wichtigsten Akzent war aber nicht der portugiesische Superstar verantwortlich, der in der Primera Division bereits zum siebten Mal die 30-Tore-Marke überschritten hat, sondern Gareth Bale. Bei einem Abschlussversuch aus ungünstig spitzem Winkel kam ihm zupass, dass Fernando den Schuss unhaltbar in die hohe Torecke abfälschte.

Den Waliser haben die Anhänger der Blancos auch im zweiten (noch) nicht vollumfänglich ins Herz geschlossen. Zu oft bleibt er in grossen Spielen blass, zu wenig reisst er die verwöhnten Aficionados von den Sitzen, zu überschaubar ist sein Output während den Gala-Abenden in der Champions League; zwei Treffer in 16 Spielen – zu wenig für einen 100-Millionen-Mann.

Im zähen Duell mit dem abermals enttäuschend ideenlosen Kontrahenten genügten ein paar gute Szenen Real letztlich zum 14. Final-Vorstoss im wichtigsten Klubwettbewerb. So rational der Stil war, so imposant sind die Kennzahlen, welche der zehnfache Titelträger zu bieten hat. Seit 2011 steht der Klub der unbegrenzten Transfermöglichkeiten ausnahmslos unter den Top 4 – gegen die Citizens bestritt er den 32. Halbfinal seiner mit Trophäen geschmückten Geschichte.

Zu einem der Monumente des Fussballs gehört aber immer auch ein Trainer mit klingendem Namen. Manuel Pellegrini, der chilenische Taktgeber der Gäste, erfüllte die hohen Ansprüche Reals 2010 nicht. Ihm fehlte das Format und das Charisma, das der aktuelle Stratege der Galacticos besitzt: Zinédine Zidane.

Der Franzose mit kahlem Haupt und der Aura des Ex-Weltmeisters hat einen der schwierigsten Jobs Anfang Jahr von Rafa Benitez übernommen. Fachleuten ist sofort aufgefallen, dass er frühere Regisseur von Les Bleus das Spiel Reals und die zahllosen Diven im Team disziplinierte. Sein Wort gilt, ihm ist der maximale Respekt gewiss. Seine Statistiken lassen keine Fragen offen; dreimal stand er als Spieler mit Juve und Real im CL-Final, 2014 assistierte er Carlo Ancelotti auf dem Weg zur “La Décima”, nun zieht er als Chef ins Endspiel ein.

Unter der Leitung Zidanes hat sich der Topklub stabilisiert. Die Schwankungen und Tiefschläge vor dem Jahreswechsel sind nahezu behoben, nur in der Liga dürfte der FC Barcelonas trotz eines grossen Comebacks nicht mehr zu verdrängen sein. Aber die Bilanz Zidanes ist ausgesprochen gut; 19 Siege zelebrierte der bald 44-Jährige in 24 Partien seit seinem Amtsantritt.

Von einem Plan à la Zidane träumen sie bei Man City seit bald einer Dekade. Die City ist noch immer primär ein ferngesteuertes Projekt. Bis vor acht Jahren lenkte der Ex-Premier von Thailand den Klub, ehe der Scheich Mansour Bin Zayed al-Nahyan zum Mehrheitsaktionär aufstieg und Unsummen – Experten gehen von gegen 1,7 Milliarden EURO aus – in den Klub pumpte.

Zwei englische Titelgewinne resultierten zwar, europäisch hingegen steht der Verein weiterhin im Schatten der renommierten spanischen Klubs. Im internationalen Vergleich genügt der Geldsegen aus Abu Dhabi allein nicht. Noch immer fehlt ein reputierter Steuermann, einer mit unzweifelhaftem Knowhow. Im Sommer wird er kommen: Pep Guardiola. Was er mit Bayern verpasste, soll ihm in Manchester gelingen – der europäische Triumph ausserhalb Barcelonas.

Telegramm:

Real Madrid – Manchester City 1:0 (1:0). – 78’000 Zuschauer. – SR Skomina (SLO). – Tor: 20. Fernando (Eigentor) 1:0.

Real Madrid: Keylor Navas; Carvajal, Pepe, Ramos, Marcelo; Modric (88. Kovacic), Kroos, Isco (67. James Rodriguez); Jesé (56. Lucas Vazquez), Cristiano Ronaldo, Bale.

Manchester City: Hart; Sagna, Kompany (10. Mangala), Otamendi, Clichy; Fernando; Jesus Navas (69. Iheanacho), Fernandinho, Touré (61. Sterling), De Bruyne; Agüero.

Bemerkungen: Real Madrid ohne Benzema, Casemiro (beide verletzt), Manchester City ohne David Silva, Zabaleta (beide verletzt), Nasri (nicht spielberechtigt). 8. Kompany mit Oberschenkelverletzung ausgeschieden. 44. Pfostenschuss von Fernandinho. 64. Kopfball von Bale an die Latte. Verwarnungen: 30. De Bruyne. 71. Fernando. 83. Lucas Vazquez. 94. Otamendi (alle Foul).

(SDA)


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