Real Madrid geht mit einer Hypothek ins Rückspiel gegen Wolfsburg

Cristiano Ronaldo (links) und seine Teamkollegen von Real Madrid haben im Viertelfinal-Rückspiel gegen Wolfsburg einen Sturmlauf angekündigt
Cristiano Ronaldo (links) und seine Teamkollegen von Real Madrid haben im Viertelfinal-Rückspiel gegen Wolfsburg einen Sturmlauf angekündigt © KEYSTONE/AP/MARKUS SCHREIBER
Real Madrid will erstmals seit 1985 im Europacup ein 0:2 aus dem Hinspiel korrigieren. Für das Heimspiel im Viertelfinal der Champions League gegen Wolfsburg kündigen die Spanier einen Sturmlauf an.

7:1, 4:0 und 4:0. Das sind die Resultate der letzten drei Heimspiele von Real Madrid in der Primera Division. Es sind die Ergebnisse, aus denen die Madrilenen vor dem Rückspiel und der angekündigten Aufholjagd gegen den VfL Wolfsburg ihre Hoffnung schöpfen, zumal mit dem Europa-League-Sieger FC Sevilla durchaus auch ein respektabler Gegner unter den Opfern figurierte. “Sì, se puede!” (“Ja, man kann!”), titelte die Sport-Zeitung “Marca” am Montag entsprechend erwartungsvoll.

In Madrid reden sie im Real-Umfeld seit dem 0:2 im Hinspiel von der “remontada”. Die letzten legendären Aufholjagden liegen allerdings mehr als 30 Jahre zurück. 1985 gelang die königliche Wende gegen Inter Mailand (0:2, 3:0) und Borussia Mönchengladbach (1:5, 4:0) innerhalb von wenigen Monaten gleich zweimal. Erst drei Jahre dagegen ist es her, als ein ähnliches Vorhaben scheiterte. Allerdings fehlte im Champions-League-Halbfinal 2013 gegen Borussia Dortmund nur wenig (1:4, 2:0).

Trainer Zinédine Zidane kennt die Geschichte. Er hat mit Real einmal die Champions League gewonnen (2002), ist mit dem Klub zum Abschluss seiner Karriere aber auch drei Mal in Folge vor den Halbfinals gescheitert. Dennoch sagte er vor dem Rückspiel gegen Wolfsburg. “Madrid ist nicht darauf vorbereitet, auszuscheiden. Wir machen uns keine Sorgen und wissen genau, was wir machen müssen.”

Dabei macht sich “Zizou” durchaus Sorgen um seinen Job. Wie aus dem innersten Zirkel der Mannschaft nach aussen drang, soll Zidane dem Team gesagt haben, gegen Wolfsburg stehe sein Vertrag auf dem Spiel. Schon länger berichten die Medien in der Hauptstadt davon, Präsident Florentino Perez wolle José Mourinho zu einer Rückkehr bewegen.

Ob Zidanes Dernière oder nicht: Im Estadio Santiago Bernabeu kündigt sich ein denkwürdiger Abend an. Denn aufgrund des Resultats aus dem Hinspiel hat nun auch Wolfsburg eine Menge zu verlieren. Der Bundesligist mag vor dem Hinspiel als krasser Aussenseiter ins Duell gestiegen sein, doch wenn er nun doch noch ausscheidet, kann er sich nicht mehr hinter den gängigen Stereotypen verschanzen, wie es Sportchef Klaus Allofs am Tag vor dem Spiel getan hat. “Der Druck lastet auf Real. Sie sind der grosse Favorit. Der Halbfinal ist für sie von elementarer Bedeutung.”

Mit Torhüter Diego Benaglio wird bei Wolfsburg ein Schweizer wohl ungemütlich häufig im Brennpunkt stehen. Ein ähnliches Spiel hatte Benaglio gegen ein spanisches Team schon einmal erlebt. An der WM 2010 in Südafrika stand er mit der Schweiz gegen Spanien unter Dauerbeschuss – und gewann am Ende 1:0. 24 Schüsse flogen damals auf das Tor von Benaglio. Der Zürcher liess keinen rein, weshalb ihn die spanischen Medien hinterher “Spiderman” nannten.

Gelingt es Benaglio tatsächlich, die hochkarätige Offensive von Real zu stoppen, stünden mit ihm und Teamkollege Ricardo Rodriguez zum vierten Mal in Folge Schweizer in den Halbfinals der Champions League. 2013 und 2014 gelang dies Xherdan Shaqiri mit Bayern München, im letzten Jahr Stephan Lichtsteiner mit Juventus Turin. Weitere Schweizer in den Halbfinals waren Alain Sutter (1995), Ciriaco Sforza (2001), Stéphane Chapuisat (1997, 1998), Johann Vogel (2005, 2006), Philippe Senderos (2006), Johan Djourou (2006) und Mario Gavranovic (2011).

Eine Halbfinal-Premiere gibt es womöglich im anderen Halbfinal vom Dienstag. Nützt Manchester City vor eigenem Publikum die gute Ausgangslage aus dem Hinspiel gegen Paris St-Germain (2:2), steht der mit Geld aus Abu Dhabi grosszügig alimentierte Klub erstmals unter den letzten vier. Dorthin hat es auch der PSG schon lange nicht mehr geschafft. Zuletzt scheiterten die Franzosen dreimal in den Viertelfinals. 1995 allerdings standen sie in den Halbfinals. Die Stars hiessen damals nicht Zlatan Ibrahimovic, Edinson Cavani oder Thiago Silva, sondern David Ginola, Rai und George Weah.

Nach den beiden zugelassen Toren im Heimspiel muss der PSG in England wohl gewinnen. Dazu braucht er Tore von Ibrahimovic, der nach dem Hinspiel und einem verschossenen Penalty und einem Kopfball an die Latte hart kritisiert wurde. Und die Franzosen hoffen auf die Ideen von Mittelfeldspieler Marco Verratti. Der 23-jährige Italiener leidet seit Wochen an Leistenproblemen und hat seit dem 20. Februar kein Spiel mehr bestritten. Nun wird wohl sein Einsatz forciert und Verratti geht damit das Risiko ein, bei einem Rückfall sogar die EM-Teilnahme mit Italien aufs Spiel zu setzen.

(SDA)


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