Rheintal droht Verkehrskollaps

Von Claudia Amann
Die Sanierung der Zollbrücke wird eine Umverteilung der Verkehrsbelastung mit sich ziehen.
Die Sanierung der Zollbrücke wird eine Umverteilung der Verkehrsbelastung mit sich ziehen. © Tagblatt Archiv
Finstere Aussicht im Sommerverkehr: Ein drohender Verkehrskollaps besorgt die Bürger im Rheintal. Nach und nach werden die Brücken bei Grenzübergängen saniert. Im kommenden Juli startet die Brückensanierung zwischen Au und Lustenau. Acht Wochen wird dieses Unterfangen in Anspruch nehmen – und genau so lange muss der Verkehr deshalb umgeleitet werden.

Die Gemeinden Au und Diepoldsau sind Staus bereits gewohnt. Jeden Werktag bilden sich während des Feierabendverkehrs lange Autoschlangen, welche mitunter bis auf die Pannenstreifen der Autobahn zurückreichen. Alleine in Au überqueren pro Tag rund 13’000 Autos die Grenze, die Anzahl der Lastwagen liegt bei 1200 Stück. Während der diesjährigen Sommerferien werden die Rheintaler auf eine besondere Belastungsprobe gestellt: Die Sanierung der Zollbrücke Au-Lustenau wird eine achtwöchige Sperre dieser in Anspruch nehmen und den Verkehr noch stärker durch die Achse Diepoldsau bis Oberriet rollen lassen.

Umlagerung auf andere Grenzübergänge

Während die Instandsetzungsarbeiten am Übergang zwischen Brückenkonstruktion und Erddamm noch unter Aufrechterhaltung des Verkehrs stattfinden können, geht das bei den Arbeiten am oberen Teil der Brücke nicht mehr. Eine Totalsperre beim Grenzübergang Au ist nötig.

Auf die anderen Grenzübergänge im Rheintal kommen entsprechend grosse Belastungen zu. Durch die tägliche Verlagerung des Verkehrs werden einige Ortschaften mehr betroffen sein als andere. Die Verkehrsexperten haben ausgerechnet, dass am Grenzübergang Diepoldsau-Hohenems täglich rund 1900 Pkw und 270 Lkw mehr abgefertigt werden müssen. In Oberriet-Meiningen werden es etwa 170 Lkw sein. Beim Grenzübergang Kriessern-Mäder plus 300 Pkw und 490 Lkw, in Widnau-Lustenau 1800 zusätzliche Pkw und in St.Margrethen-Höchst 6800 Pkw und 240 Lkw mehr. Der Leiter des Strassenbauamts beim Land Vorarlberg, Johann Siemayr, sagt dazu: “Wir haben den Sommer für die Bauarbeiten deswegen ausgesucht, weil es in dieser Zeit zehn bis 15 Prozent weniger Güterverkehr an den Grenzen gibt.” Verkehrslotsen, die extra für die Umverteilung eingesetzt werden, sollen den anfallenden Verkehr  gut auf die verschiedenen Grenzübergänge verteilen.

Brücke ins Alter gekommen

Die Spannbetonbrücke zwischen Au und Lustenau ist in die Jahre gekommen. Seit dem Jahr 1957 verbindet sie die Schweiz und Österreich über den Rhein. Die Kantonsregierung schreibt, dass die Restlebensdauer der Brücke bis 2025 beschränkt sei. Dass bis dahin eine neue Brücke gebaut wird, ist aber unwahrscheinlich. Aber auch wenn das der Fall sein sollte – die Sanierungsarbeiten an der jetztigen Brücke seien unumgänglich, heisst es vonseiten des Tiefbauamts. Durch die tausenden Lastwagen auf der Brücke entstehen immer wieder Löcher im Schwarzbelag, die aufgefüllt werden müssen. Und diese Auffüllungen verschlingen jedes Jahr Tausende von Franken. Mit dem neuen Betonbelag fallen diese Reparaturen bzw. Kosten weg.

Die Sanierungsarbeiten an der Grenzbrücke dagegen sind ein einmaliger Mehraufwand von 650’000 Franken. Das Land Vorarlberg übernimmt 56 Prozent des Betrags, der Kanton St.Gallen den Rest. Der neue Brückenbelag dürfte jedenfalls 15 Jahre lang halten. Sollte dennoch ein Neubau bis 2025 erfolgen, “wäre die Zeit für die Amortisierung der Sanierungsarbeiten natürlich schon zu knapp bemessen”, räumt Roger Häberli vom kantonalen Tiefbauamt ein. Und genau daran setzt die CVP an, die mit einer Petition gegen die Sanierung halten wollte.

Widerstand zwecklos

Die Rheintaler CVP unter Präsident Ralph Lehner hat der Kantonsregierung eine Petition überreicht, durch welche das erhöhte und verkomplizierte Verkehrsaufkommen hätte verhindert werden sollen. Bis zur Einreichung sind rund 400 Unterschriften zusammengekommen. “Das liegt wohl daran, dass wir erst spät und auch nur aus den Medien von der Entscheidung zur Brückensperre erfahren haben”, sagt Lehner. “Um sie zu lancieren, blieb nicht viel Zeit.”

Gefordert wurde von der Rheintaler CVP, dass “attraktive Alternativlösungen” geprüft werden sollen. Eine dieser Lösungen liegt im ganzheitlichen Verzicht der Sanierung. Eine andere im sofortigen Neubau unter Aufrechterhaltung des Grenzverkehrs über die bisherige Brücke. Allenfalls sollte auch eine Unterstützung durch die Armee mittels einer militärischen Behelfsbrücke während der Bauzeit in Erwägung gezogen werden. Die CVP forderte die Kantonsregierung damit auf, sich beim Bund für einen grenzüberschreitenden Verkehr in Au ohne Unterbruch einzusetzen.

Rheintals CVP-Präsident Ralph Lehner wollte durch eine Petition Alternativlösungen erwirken.

Ralph Lehner hat den Eindruck, die Regierung behandle die Region Rheintal stiefmütterlich.

 

“Die Petition wird wohl ohne Wirkung bleiben”, zeigt sich Lehner nun resignierend. Er habe das Gefühl, dass der Regierung in St.Gallen die Anliegen des Rheintals nicht wirklich wichtig seien. “Sie hat nicht alle Optionen geprüft und ist auch nicht willens, das zu ändern.” Allerdings gestehe auch niemand gerne im Nachhinein ein, nicht alles bedacht zu haben.


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