Richemont kämpft mit schwächelndem Absatz

Schwierige Zeiten für die Uhrenindustrie: Eine Cartier-Uhr wird an der Uhrenmesse SIHH in Genf präsentiert. (Archivbild)
Schwierige Zeiten für die Uhrenindustrie: Eine Cartier-Uhr wird an der Uhrenmesse SIHH in Genf präsentiert. (Archivbild) © KEYSTONE/SANDRO CAMPARDO
Der Genfer Luxusgüterhersteller Richemont hat im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind zwar 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Wachstum verdankt der Konzern allerdings Währungseffekten.

Bei konstanten Wechselkursen hätte ein Umsatzrückgang von 1 Prozent resultiert, wie der Genfer Konzern mit Marken wie Cartier und Montblanc am Freitag mitteilte. Unter dem Strich blieb dem Konzern ein Gewinn von 2,2 Milliarden Euro, zwei Drittel mehr als im Vorjahr.

Den Gewinnzuwachs verdankt Richemont in erster Linie Sondereffekten: Der Konzern profitiert vom Buchgewinn aus dem Zusammenschluss seiner Online-Tochter Net-A-Porter mit dem italienischen Konkurrenten Yoox. Im Vorjahr hatte zudem eine Neubewertung auf Währungspositionen mit 686 Millionen Euro negativ zu Buche geschlagen. Mit den Kennzahlen hat Richemont die Erwartungen der Analysten verfehlt.

Der Konzern, dem Luxusmarken wie Piaget, IWC und Chloé gehören, kämpft derzeit in seinen wichtigsten Absatzmärkten mit einer schwächelnden Nachfrage. In Asien ging der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr von 4,1 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro zurück. Bereinigt um Wechselkurseffekte hätte ein Rückgang von 13 Prozent resultiert. Einzig China habe gutes Wachstum gezeigt, schreibt Richemont.

In Europa, dem zweitwichtigsten Markt für den Konzern, konnte Richemont den Umsatz dank eines starken ersten Halbjahrs um 10 Prozent steigern. Im zweiten Halbjahr fiel der Umsatz jedoch um 5 Prozent tiefer aus als der Vorjahresperiode, dies wegen des Rückgangs im europäischen Tourismus nach den Terroranschlägen in Paris und Brüssel.

Zulegen konnte Richemont in Japan sowie in der Region Naher Osten und Afrika. In Amerika war der Umsatz – bei konstanten Wechselkursen gerechnet – hingegen leicht rückläufig. Weltweit gingen die Umsätze mit Uhren bei konstanten Wechselkursen um 8 Prozent zurück, während bei Schmuck ein Umsatzplus von 8 Prozent resultierte.

Derzeit seien die Zeiten vor allem für die Uhrenindustrie “sehr schwierig”, sagte Richemont-Chef Richard Lepeu an einer Telefonkonferenz. In der Schweiz habe der Konzern die Belegschaft daher um rund 500 Mitarbeitende reduzieren müssen. Der Stellenabbau sei bis Ende April abgeschlossen worden.

Dies sei vor allem in der Produktion von Uhren und Uhrenbestandteilen geschehen, wobei viele Angestellte andernorts beschäftigt werden konnten und der Abbau auch durch Pensionierungen aufgefangen wurde, sagte Lepeu. Gemäss früheren Angaben der Gewerkschaft Unia wurden knapp 90 Mitarbeitende entlassen.

Auch zu Beginn des neuen Geschäftsjahres harzte das Geschäft: Im April ging der Umsatz in Euro gegenüber dem Vorjahresquartal um 18 Prozent zurück. Einzig die Region Naher Osten und Afrika konnte zulegen. Diese Entwicklung sei im Wesentlichen erwartet worden, schreibt Richemont. Asien bleibe schwach, da sich die Nachfrage in Hongkong und Macau nicht erhole.

Richemont bezweifelt, dass sich das Umfeld in nächster Zeit deutlich verbessern wird. Langfristig sei man aber überzeugt, dass eine Nachfrage für qualitativ hochstehende Güter bestehe.

(SDA)


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