Rio: Strände und Sehenswürdigkeiten, aber auch Probleme aller Art

In Rio de Janeiro finden vom 5. bis 21. August die Olympischen Sommerspiele statt - vor einer eindrücklichen Kulisse
In Rio de Janeiro finden vom 5. bis 21. August die Olympischen Sommerspiele statt - vor einer eindrücklichen Kulisse © KEYSTONE/AP/FELIPE DANA
Rio de Janeiro bietet eine atemberaubende Kulisse für die ersten Olympischen Sommerspiele in Südamerika. Die Facetten von Brasiliens bekanntester Stadt sind in jeglicher Hinsicht vielfältig.

Was vor 514 Jahren der portugiesische Seefahrer Gaspar de Lemos eher zufällig gemacht hat, tun heute über 40 Prozent der jährlich rund sechs Millionen ausländischen Touristen in Brasilien freiwillig: Sie legen mindestens einen Zwischenhalt in der berühmtesten Stadt des Landes ein. De Lemos nannte die Guanabara-Bucht getreu dem Tag der Entdeckung am 1. Januar 1502 “Rio de Janeiro” (Fluss des Januars), weil er sich an einer Flussmündung wähnte.

In den letzten rund 330 Jahren stieg die Bevölkerungszahl von 4000 (1680) auf über 800’000 (1906), aktuell umfasst das administrative Stadtgebiet rund 6,5 Millionen Einwohner, die Metropolregion sogar zwölf Millionen. Damit ist Rio de Janeiro die zweitgrösste Stadt des Landes und die drittgrösste Südamerikas hinter São Paulo und Buenos Aires. Unterteilt ist die Stadt mit 1182 Quadratkilometern Fläche in 33 Verwaltungsregionen, die ihrerseits fünf Planungsgebieten zugeordnet sind. Rio de Janeiro war 1763 bis 1960 Hauptstadt Brasiliens, ehe der Regierungssitz 930 Kilometer weiter nordwestlich in den Retortenort Brasilia verlegt wurde.

Geographisch wie kulturell ist Rio de Janeiro höchst interessant. Die weltbekannten Strände von Copacabana und Ipanema gehören zu den rund 80 Kilometern Meereszugang. Von den Granithügeln, die die Stadt in mehrere Teile trennt, ist der Blick auf die Stadt imposant. Zu ihnen gehören der Zuckerhut, das eine Wahrzeichen, und der Corcovado, auf dessen Gipfel die Christusstatue steht. Mit einer Höhe von 30 Metern und der ausgestreckten Armbreite ist das 1931 errichtete Monument Teil des UNESCO-Welterbes und der sieben modernen Weltwunder. Die vielen Grünzonen bilden einen ebenso abwechslungsreichen wie sehenswerten Rahmen. Die starke Immigrationskultur in Brasilien und die Diversität des Volkes sorgen dafür, dass auch in kulinarischer Hinsicht einiges geboten wird.

Dadurch, dass zum dritten Mal nach Melbourne (1956) und Sydney (2000) Sommerspiele in der Winterzeit der südlichen Hemisphäre stattfinden, werden die Temperaturen in Rio de Janeiro nicht so hoch sein wie etwa im Januar und Februar. Im langjährigen Schnitt wurden im Monat August rund 22 Grad Celsius und durch die Trockenzeit zirka sechs Regentage registriert. Die kühlere Jahreszeit macht eines von Rios Problemen etwas weniger gross: den Zika-Virus.

Das Wissen, wie man in Rio de Janeiro grosse Feste feiert, ist reichlich vorhanden. An der Copacabana fanden schon Rockkonzerte vor einem Millionen-Publikum statt, Papst Franziskus feierte 2013 an gleicher Stelle mit rund 3,2 Millionen Besuchern den Weltjugendtag, die Silvesterparty zieht jährlich ebenfalls eine siebenstellige Anzahl Menschen an. Zu Rios Highlights gehört Ende Februar jeweils auch der Karneval mit dem Defilee der Samba-Schulen.

Begeisterungsfähig und sportaffin sind Brasilianer allemal. Derzeit plagen sie aber andere Sorgen. Das Land mit seiner Vorzeigestadt, das bei der Vergabe der Olympischen Spiele noch als “Boomland der Zukunft” bezeichnet worden ist, befindet sich in einer der grössten Rezessionen seiner Geschichte. Der Bundesstaat von Rio de Janeiro hat in den letzten Wochen und Monaten viele Streiks erlebt. Unter anderem drohten Polizisten, ohne neue finanzielle Hilfe sei die Sicherheit nicht mehr garantiert. Die Regierung versuchte, die allgemeine Lage mit einer Geldspritze von über 750 Millionen Euro zu entschärfen.

Auch innenpolitisch gab es in den letzten Monaten mehrere Erdrutsche, unter anderen wurde Staatsoberhaupt Dilma Rousseff suspendiert, die Nachfolgeregierung unter Interimspräsident Michel Temer verlor wegen Korruptionsvorwürfen schon mehrere Minister. All diese Faktoren erscheinen irgendwie typisch: Mit Brot und Spielen lassen sich die täglichen Probleme der Einwohner nicht wegradieren. Sie werden höchstens vertagt. Für die Olympia-Besucher und -Teilnehmer dürften sie, wie bei anderen Austragungen schon, eher unsichtbar bleiben.

(SDA)


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