Rock-Opas erobern die Musikschulen

Sat 1 widmete rockenden Opas sogar eine Doku-Soap ("Rock statt Rente").
Sat 1 widmete rockenden Opas sogar eine Doku-Soap ("Rock statt Rente"). © Sat 1/Pro Sieben
Ein Musikinstrument zu spielen, macht nicht nur Spass, es ist auch Training fürs Gehirn. Kein Wunder nutzen immer mehr Menschen über 50 das Angebot der Musikschulen. Was sie motiviert und wie sich Lehrpersonen an die Bedürfnisse dieser Lernenden anpassen müssen, zeigt eine Studie.

“Nach meiner Pension habe ich mich entschieden, Klavier zu lernen”, sagt der 73-jährige Martin Hüsler aus Speicher. “Ich wollte immer schon Klavier spielen und wagte den Schritt erst im hohen Alter.” Der ehemalige Medienschaffende spielt heute mit grosser Passion. “Für eine richtige Konzertreife reicht es halt nicht mehr”, sagt er. Sein Umfeld habe Freude an seinem neu gefundenen Hobby und unterstütze ihn.

Mit diesem wiederbelebten Hobby ist Hüsler nicht allein. Derzeit finden immer mehr ältere Leute neuen Gefallen am Erlernen eines Musikinstruments, geht aus einer Studie hervor. Forschende der Fachhochschule und der Hochschule der Künste Bern haben in detaillierten Interviews untersucht, was die Generation 50plus motiviert, ein Instrument zu lernen.

Die eigenen Wünsche rücken wieder mehr in den Vordergrund, wenn die Kinder erwachsen und ausgezogen sind, oder das Arbeitsleben vom Ruhestand abgelöst wird. Viele nutzen das Mehr an Zeit, um ein Instrument zu lernen. “Mit der Musik erfülle ich mir einen lang gehegten Traum” war denn auch einer der Gründe, welche die Befragten einer Studie als Motivation für den Musikunterricht angaben.

Mit über 60 ein neues Instrument gelernt

“Was soll denn daran schon seltsam sein?”Der 64-jährige Werner Hasler aus Mauren im Fürstentum Liechtenstein hat sich nach einem Jodel-Seminar mit Tönen und sich selbst auseinandersetzen müssen. Weil es ihn so fasziniert hat, kaufte er sich drei Tage danach einen Kontrabass und begann zum Unterrricht zu gehen. “Ich bin mit den Stones, The Who, Led Zeppelin und anderen Heroes aufgewachsen und habe diese Musik selber erlebt”, so Hasler. Er habe neuen Inhalt gefunden mit dem Bass.

“Sie wollen alle Deep Purple und AC/DC lernen”

Der Gitarrenlehrer Harald Schöch aus Koblach im Vorarlberg unterrichtet einige Originale jener Zeit und kennt die Wünsche der lernenden älteren Generation: “Deep Purple will jeder können, dann sind Hits von AC/DC auch immer hoch im Kurs. Die Leute sind halt immer noch auf den Sound der alten Zeiten scharf.” Er unterrichte einige Schüler, die wegen ihren Kindern nochmal ein Instrument erlernen würden, damit sie gemeinsam lernen können.

Teilweise zu hoch gesteckte Ziele

Wie die Fachhochschule Bern am Mittwoch mitteilte, standen für einige der Musikschüler Spass, Zusammenspielen und soziale Kontakte im Vordergrund, für andere die geistige und kreative Herausforderung. Letztere wagen sich an komplexe Musikstücke und setzen sich mitunter zu hohe Ziele.

Um Frustrationen zu vermeiden, müssten Lehrpersonen als Coaches fungieren und die Lernenden beim erreichen ihrer Ziele unterstützen, aber allenfalls auch eingreifen, wenn die Erwartungen der Lernenden zu hoch sind. Dabei spielen auch physische Grenzen wie Schmerzen oder auch Versagensängste eine Rolle.

Erwachsene Instrumentenschüler seien zudem kritischer gegenüber sich selbst und dem Unterricht und stellten hohe Erwartungen an die Lehrpersonen. Für diese haben die Forschenden daher einen Online-Leitfaden erarbeitet, um sie bei der Wahl der richtigen Unterrichtsmethoden für ältere Lernende zu unterstützen.

(rar/sda)


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