Röntgenaufnahmen von Münzen geben wichtige Informationen preis

Röntgenaufnahmen von Münzen geben wichtige Informationen preis
© empa
Röntgenaufnahmen von Münzen haben geholfen, einen rätselhaften archäologischen Fund im Berner Seeland ein wenig zu erhellen. 2013 stiessen Archäologen in Schüpfen auf das Grab eines Mannes, der bäuchlings bestattet worden war.

Bei dem unüblich bestatteten Skelett fanden sich zusammenkorrodierte Münzen. Der Münzklumpen war ursprünglich der Inhalt eines Geldbeutels, den der Mann auf seiner Brust trug. Das Leder der Börse hatte sich mit den Jahren zersetzt.

Von den Münzen erhofften sich die Berner Archäologen Hinweise zu der merkwürdigen Bestattung. Da der zusammenkorrodierte Münzblock sehr zerbrechlich war, konnten die einzelnen Stücke nicht herausgelöst werden. Mit herkömmlichen Röntgenaufnahmen erstellte Bilder lieferten keine verwertbaren Informationen.

Die Berner Archäologen wandten sich deshalb an einen Röntgenspezialisten der Empa, wie diese am Montag mitteilte. Die Empa ist das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologie.

«Der Block ist zwar nicht gross, aber er absorbiert sehr viel Strahlung, daher ist eine besonders starke Röntgenquelle nötig», wird Röntgenspezialist Mathieu Plamondon zitiert.

Die Aufnahmen zeigten, dass es sich bei dem korrodierten Klumpen um 24 Münzen handelte. Die jüngste mit Jahreszahl versehene Münze stammte aus dem Jahr 1629. Der Tote muss also danach bestattet worden sein.

«Es ist möglich, dass dieser Mann ein reisender Geschäftsmann war» wie Christian Weiss, Numismatiker beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern in der Mitteilung ausführte.

In dem zusammengebackenen Klumpen fanden sich Münzen aus den Regionen Fribourg-Bern-Solothurn, Basel-Freiburg im Breisgau und Luzern-Schwyz. Jede dieser Regionen hatte damals ihr eigenes, regional zirkulierendes Geld. Laut Weiss handelt es sich bei den Münzen lediglich um Kleingeld.

Zu der merkwürdigen Bestattung des Mannes haben Archäologen verschiedene Theorien. Es ist gut möglich, dass die Beerdigung schnell vonstattengehen musste und keine Zeit mehr war, die Leiche abzusuchen.

Wäre der Tote noch gewaschen worden, wie dies schon damals üblich war, hätte man den Geldbeutel gefunden und abgenommen. Grabbeigaben waren zu dieser Zeit auf jeden Fall längst nicht mehr gebräuchlich.

Allenfalls hatte der Mann eine ansteckende Krankheit und musste schnell begraben werden. Denkbar wäre auch ein Raub- oder Vergeltungsmord.

Auf das merkwürdige Grab stiessen die Archäologen, als in Schüpfen eine Tiefgarage erstellt werden sollte. In dem Gebiet waren Funde zu vermuten, hatte das Stück Land doch seit dem Frühmittelalter als Friedhof gedient.

Insgesamt fanden die Archäologen 342 bestattete Personen, die zwischen dem 8. und dem 17. Jahrhundert beerdigt worden waren. Unter den letzten Beigesetzten war auch der bäuchlings beerdigte Mann.

(SDA)


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