Romanshorner Urgesteine machen dicht

Immer mehr Ladenlokale in Romanshorn stehen zum Verkauf. (Archivbild)
Immer mehr Ladenlokale in Romanshorn stehen zum Verkauf. (Archivbild) © Tagblatt/Michel Canonica
Das Lädelisterben hat die Stadt Romanshorn fest im Griff. Nachdem Ende März schon das Chääslädeli von Gourmet Helg seine Türen schloss, folgen nun auch das Radio-TV-Geschäft Expert Bohl und die Drogerie Staub.

«Wir haben in Romanshorn alles, da gehen die Leute nicht mehr in ein Chääslädeli Käse kaufen», sagt Michael Helg, Sohn von Guido und Ursula Helg, welche Ende März in Pension gingen. Nach 37-jährigem Bestehen hat er den Partyservice Gourmet Helg von seinen Eltern übernommen. Den Käseladen mussten sie aufgeben da sie immer weniger Kundschaft hatten. Ursula Helg war für den Laden zuständig und kannte die Arbeit und die Produktion in- und auswendig. Eine neue Person für diese Ausgabe einzustellen, kann sich Michael Helg nicht leisten. Der Aufwand sei zu gross und auf lange Sicht lohnt dieser sich einfach nicht. Als Alternative gibt es nun am Produktionsort ihrer berühmten Chäässpätzli ein kleines Lädeli, wo die treuen Kunden doch noch einige Käsespezialitäten und Milchprodukte einkaufen können.

Guido Helg mit Sohn Martin (Bild: Thurgauer Zeitung/Reto Martin)

Auch das Radio-TV-Geschäft Expert Bohl spürt die mangelnde Nachfrage. An ihrem 30. Jubiläum Ende Juli ist Schluss. «Die Marktsituation hat sich einfach verändert», meint Walter Bohl, Inhaber und Geschäftsführer des Fachgeschäfts. Es sei immer schwieriger als kleines Fachgeschäft zu überleben, da der Druck des Onlinehandels immer grösser wird. Es sei ein Kampf um’s Überleben. Deshalb wollte er den Schlussstrich ziehen, bevor er dazu gezwungen sei. Es sei ein schwieriger Entscheid gewesen den er und seine Frau Monika wohlüberlegt gefällt hätten. «Es ist schade um all die treuen Kunden die mit der Zeit sogar zu Freunden wurden», sagt Walter Bohl wehmütig.

Walter Bohl (Bild: zVg)

Eine emotionale Sache

Auch vor der Drogerie Staub macht die Marktsituation nicht halt. Über 400 Briefe wurden an die treuen Kunden versandt. Grund: Die Drogerie Staub wird mit der Dropa Drogerie im Einkauszentrum Hubzelg in Romanshorn zusammengelegt. Es soll dann ein grösseres und breiteres Sortiment für die Kunden geben.

Die Geschäftsinhaber Vreni und Moritz Staub geben nach 34 Jahren ihr Geschäft auf. Die beiden Angestellten, das Warensortiment und wenn möglich auch die Kunden, werden von der Dropa Drogerie übernommen. «Der Onlinehandel, aber auch der Einkaufstourismus im Ausland machen uns das Leben schwer», sagt Moritz Staub. Hinzu kommt, dass mit jedem Laden, der schliesst, immer mehr potenzielle Kunden fortbleiben. Diese gehen an anderen Orten einkaufen.

Sogar die Credit Suisse weiter unten an der Bahnhofstrasse schliesst per Ende April ihre Türen in Romanshorn. Die rückläufige Nachfrage nach Dienstleistungen am Bankschalter habe im Zuge der Automatisierung und Digitalisierung stark abgenommen, berichtet die Thurgauer Zeitung.

Kunden kommen, wenn es eine Attraktion gibt

Nadine Tschumi ist Mitglied im Vorstand des Gewerbevereins der Romanshorner Ladengeschäfte und Inhaberin des Modegeschäfts Dalmi Mode GmbH in Romanshorn. Allen voran fehle ihnen die jüngere Kundschaft. «Die jungen Leute kaufen heute praktisch alles online ein.» Wenn man nicht aktiv Werbung oder Veranstaltungen mache, gerate man schnell in Vergessenheit. Nadine Tschumi ist überzeugt, dass es in naher Zukunft noch mehr Geschäfte gibt welche die Türen schliessen müssen.

Wie die Thurgauer Zeitung schreibt, darf man jetzt aber nicht den Teufel an die Wand malen. «Es geht aufwärts mit Romanshorn», sagte der Gewerbevereins-Präsident Roland Schneeberger an der Generalversammlung. 50 neue Arbeitsstellen seien im letzten Jahr geschaffen worden. Die Bevölkerung wächst und auch dem Gewerbeverein geht es gut, welcher 153 Mitglieder zählt.

(pam)


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