«Rotzlöffel-Generation lässt grüssen»

Von Laurien Gschwend
Kleine Gäste, viel Abfall: So sieht die Situation in Heerbrugg aus. (Symbolbild)
Kleine Gäste, viel Abfall: So sieht die Situation in Heerbrugg aus. (Symbolbild) © iStock
«Generation Ich», «kindisch und peinlich» – eine Kinogängerin, die sich kürzlich über das verdreckte Cinewil ärgerte, erhält auf FM1Today und Facebook Zuspruch. Auch die Betreiber anderer Kinos im FM1-Land sagen: Junge Gäste hinterlassen mehr Abfall als früher.

«Diese Leute sind ohne Probleme, überbehütet, verwöhnt und […] ohne irgendwelche Grenzen aufgewachsen», schreibt Alberta unter dem Artikel über eine Kinogängerin, die sich über die «Sauhunde» im Wiler Kino Cinewil aufregt. Wer nach dem Kinobesuch ausgeleertes Popcorn und Glacé-Verpackungen liegen lässt, ist gemäss der Kommentatorin Teil der «Generation Ich-Ich-Ich». Auch Leserin Linda sieht das Problem in der Erziehung mancher Leute: «Tja, die antiautoritär verzogene Rotzlöffel-Generation lässt grüssen.»

«Anstand ist nicht mehr modern»

Manche geben auf Facebook an, wegen der hohen Preise in Kino-Kiosken nicht für das Aufräumen zuständig zu sein. Das sei keine Ausrede, kommentiert FM1Today-User Eller: «Das Verhalten ‹so lange ich viel bezahle, kann ich machen, was ich will› ist einfach nur kindisch und peinlich.» Yvonne schreibt: «In einer guten Kinderstube lernt man Respekt und Anstand. Heutzutage ist das aber nicht mehr modern.» «Nach mir die Sinnflut, sollen doch die anderen machen. Eine traurige Entwicklung», stimmt Christina zu.

Felicitas Zehnder, die Geschäftsführerin des «Cinewil», bleibt trotz des Mehraufwands – sie muss mehr Zeit für die Reinigung einberechnen und kann weniger Filme zeigen – gelassen. «Das war schon immer so», sagt sie auf Anfrage.

«Kinder sind weniger sorgsam»

Dass einige Kinogänger beim Popcorn-Essen im Dunkeln ihren Mund nicht finden, sei normal, sagt auch Pascal Zäch, Geschäftsführer des Kinotheaters Madlen in Heerbrugg. Die «Abfallberge», die Kinder und Jugendliche hinterlassen, hätten sich in den letzten Jahren vergrössert. «Sie sind im Umgang mit Essen nicht mehr so sorgsam wie früher und lassen hin und wieder eine Popcorn-Tüte umfliegen.» Zäch kann den Grund dafür nur vermuten: «Vielleicht liegt es an der Erziehung und dem heutigen Umgang mit Ressourcen.»

Bei Filmen mit vielen jungen Zuschauerinnen und Zuschauern bietet das Rheintaler Theater eine zusätzliche Person auf, die den Saal putzt. «Und am Mittwoch ist jeweils eine Operateurin da, die auf die Kinder zugeht und sie auffordert, sich zusammenzunehmen, um am Schluss nicht beim Putzen helfen zu müssen», erklärt Zäch und lacht. «Dann sind sie meist sehr vorsichtig und werfen das Popcorn nicht gleich vom Balkon.»

Wichtige Zusatzeinnahmen

Die meisten älteren Kinogänger sind laut dem Madlen-Geschäftsführer Cineasten. «Sie sind so vertieft in ihren Film, dass sie das Knacken von Popcorn stört.» Manche Erwachsene seien der Meinung, das Kino solle gar kein Popcorn mehr anbieten. «Das haben wir nicht im Sinn. Gewissermassen gehört es zum Kinoerlebnis. Und für uns als Landkino ist es wichtig, zusätzliche Einnahmen durch Getränke und Essen zu machen, um das Personal bezahlen zu können.»

«Wir sind kein Popcorn-Kino»

Das «Kinok – Cinema in der Lokremise» in St.Gallen bietet bewusst kein Popcorn an, das den Kinosaal verschmutzen könnte. «Wir sind kein Popcorn-Kino, zeigen keine Blockbuster. Die Leute sind so diszipliniert, dass sie auch Getränkegläser reinnehmen dürfen», sagt Programm-Mitarbeiterin Marina Schütz. «Wir wollen uns bewusst von grossen Kinos wie Kitag abheben.» Abfall bleibe selten liegen.

80 Prozent nehmen Abfall mit

Eine Umfrage zeigt, dass sechs Prozent der FM1Today-Leserinnen und -Leser es bei den hohen Preisen in Ordnung finden, Abfall liegen zu lassen. 13 Prozent entscheiden sich für die Antwort «Abfall liegen lassen ist okay, Sauerei machen nicht». Insgesamt 80 Prozent nehmen Popcorn-Verpackungen und andere Abfälle mit – 70 Prozent wegen der guten Erziehung und zehn Prozent, weil sich dies, obwohl es nervt, gehört.


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