Rund ums Schwingfest fliegen die Späne

So einfach dürfte die Einigung beim Schwingfest-Streit nicht werden.
So einfach dürfte die Einigung beim Schwingfest-Streit nicht werden. © KEYSTONE/Dominic Steinmann
Schaffhausen, Glarus Nord und St.Gallen wollen das Eidgenössische Schwingfest 2025 durchführen. Während die einen auf Zahlen und Fakten setzen, versuchen es die anderen auf dem emotionalen Weg. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, im Kantonsgebiet der Konkurrenz zu wildern.

Seit gestern ist klar: St.Gallen setzt alles daran, 2025 das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest durchzuführen. Damit sind die St.Galler aber nicht alleine. Bereits 2011 hat Glarus Interesse bekundet und vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Zwar gibt es dabei noch einige offene Punkte bezüglich Verkehr und Nutzung des Flugplatzes Mollis, aber die Glarner sind auf gutem Weg, sagt der Kandidaturen-Vereinspräsident Jakob Kamm: “Wir konnten bereits Schwinger aus der Umgebung zu uns ins Boot holen.” Dabei handelt es sich nicht nur um den Kantonalen Schwingerverband Glarus, sondern auch aus den Nachbarregionen. So habe der Schwingerveband Rapperswil ihnen bereits seine Unterstützung zugesichert.

Zudem wird das Glarnerland durch die Region Sarganserland-Walensee unterstützt. Die gleichnamige Talgemeinschaft hat der Gemeinde Glarus Nord ihren Support zugesagt. Im Rahmen einer Starthilfe beteiligt sich die Talgemeinschaft am Aufbau eines Freundeskreises zugunsten der Glarner Kandidatur.

Landsgemeinde soll entscheiden

Dass St.Galler Gemeinden statt des eigenen Kantonshauptortes lieber die direkte Konkurrenz unterstützen, mag befremden. Für Michael Götte, Präsident der Interessensgemeinschaft für ein Schwingfest in St.Gallen, ist dies aber völlig legitim: “Wir haben nicht das Gefühl, dass uns das Sarganserland in den Rücken fällt”, so Götte. Der Kantonale St.Galler Schwingverband habe seine Unterstützung bereits zugesichert und darauf komme es an: “Am Schluss ist es der Eidgenössische Schwingerverband, der über die Austragung entscheidet.”

Und genau da unterscheiden sich die beiden Regionen. Während St.Gallen darauf setzt, mit der Infrastruktur bei den Delegierten zu punkten, will sich Glarus durch die Zustimmung der Bevölkerung die Legitimation zur Durchführung verschaffen. “Wenn die Delegiertenversammlung des Schwingerverbandes sieht, dass die ganz Bevölkerung hinter dem Projekt steht, glauben sie eher an eine Durchführung”, so Kamm. Deshalb wird an der Landsgemeinde im Mai 2017 über eine Bewerbung abgestimmt. “Die Landsgemeinde ist die direkteste Form der Demokratie, wir lassen unsere Bevölkerung entscheiden”, schliesslich seien es unter anderem die Glarner, die finanziell einen Teil mittragen müssten. Sollte sich die Landsgemeinde gegen eine Durchführung des Schwingfestes in Glarus aussprechen, werde dies akzeptiert und keine Bewerbung eingereicht.

Bis jetzt hat das Gefühl entschieden

Für Michael Götte ist diese Emotionalisierung  aber zweitrangig. Der Schwingerverband habe in der Vergangenheit oft aus dem Gefühl heraus entschieden, dabei sei es seiner Meinung nach wichtiger, der Machbarkeitsstudie einen höheren Stellenwert zuzuschreiben. Dies sei in der Zukunft vorgesehen.

“Bis im Jahr 2025 sollen emotionale Präsentationen verboten werden”, sagt auch Jakob Kamm. Darin sieht er eine Benachteiligung der kleinen Kantone: “Viele nerven sich darüber, dass St.Gallen bereits zum zweiten Mal ein Schwingfest durchführen will und dabei nicht anderen wie Glarus oder Schaffhausen den Vortritt gewährt.”

Bei diesem Hosenlupf wird sich wohl keiner frühzeitig geschlagen geben. Schaffhausen setzt sich trotz Aussenseiterrolle für ihr Schwingfest ein: “Es wäre das erste Mal, dass wir ein Eidgenössisches Schwingfest durchführen könnten”, sagt Regierungsrat Reto Dubach. Umso mehr juckt es ihn in den Fingern, das Schwingfest zu sich in die Region zu holen. Einfach sei dies jedoch nicht. Niemand sei bereit, jetzt schon aufzugeben.

(abl)

 


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