Santos kann im Final auf Pepe zählen

Portugals Abwehrchef Pepe ist rechtzeitig für den EM-Final wieder einsatzbereit
Portugals Abwehrchef Pepe ist rechtzeitig für den EM-Final wieder einsatzbereit © KEYSTONE/EPA UEFA
Portugal kann den EM-Final gegen Gastgeber Frankreich am Sonntag in Saint-Denis in Bestbesetzung angehen. Abwehrchef Pepe ist einsatzbereit. “Ich fühle mich grossartig”, sagte der 33-Jährige. Den Halbfinal gegen Wales hatte Pepe wegen Problemen im Oberschenkel verpasst.

Vor dem “wichtigsten Spiel der Karriere” fühle er sich “vollkommen fit”, so der Verteidiger von Real Madrid. Am Samstag hat Pepe im Camp der Portugiesen in Marcoussis, rund 25 km südlich von Paris gelegen, erstmals seit sechs Tagen wieder das ganze Training mit dem Team absolviert. Die zweite grosse Führungsfigur der “Selecção” neben Superstar Cristiano Ronaldo kann im Stade de France auflaufen.

Die Frage nach der Schwere der Verletzung von Pepe hat die Portugiesen tagelang beschäftigt. Gegen die hochkarätige Offensive der Franzosen, mit 13 Toren die stärkste an dieser EM, wäre ein Ausfall des 33-jährigen Routiniers schwer zu verkraften gewesen. Im Halbfinal hatte der 34-jährige Bruno Alves von Fenerbahce Istanbul, ein weiterer Routinier im Team, Pepe zwar solide vertreten, doch auf Pepes Erfahrung von 76 Länderspielen und 86 Champions-League-Einsätzen hätten die Portugiesen gegen Griezmann & Co. nur ungern verzichtet.

An der Aussenseiterrolle seines Teams ändere die Rückkehr von Pepe indes nichts, sagte Trainer Fernando Santos. “Frankreich gehörte für mich von Anfang an neben Spanien und Deutschland zu den drei grossen Favoriten. Sie spielen zu Hause und sie sind wirklich sehr stark”, urteilte Santos. Aber, und dabei hob er fast warnend den Zeigefinger, er habe auch immer gesagt, dass Portugal ebenfalls ein Kandidat auf den Titel sei, so Santos. “Im Final gewinnt nicht immer der Favorit.”

Vor zwölf Jahren hatten die Portugiesen gerade dies schmerzhaft erfahren müssen. Damals waren sie die Gastgeber und im Final gegen Griechenland die ganz grossen Favoriten. Das Spiel in Lissabon ging aber tränenreich zu Ende, Portugal hatte gegen Otto Rehhagels Griechen seinen Fussball-Fado erlebt.

In der Heimat holten sie diese Erinnerungen in diesen Tagen natürlich wieder hervor und sie versuchten, die Ereignisse, die zum Trauma des 4. Juli 2004 führten, auch positiv zu sehen. “Wir wollen das Griechenland der EM 2016 werden”, schrieb am Samstag die Zeitung “Diario de Noticias”.

2004 konnten es die Portugiesen kaum akzeptieren, dass ihre Künstler-Truppe um Rui Costa, Luis Figo und Cristiano Ronaldo von den Defensiv-Arbeitern aus Griechenland geschlagen wurde. Nun wären sie selbst bei den Mitteln auch nicht wählerisch, um endlich den ersten Titel für diese kleine-grosse Fussball-Nation zu holen. So sagte Santos über seine Kritiker: “Ich möchte, dass sie genau das nach dem Final sagen: Dass wir gewonnen haben und dass es nicht verdient war, das wäre wunderbar. Dann würde ich sehr glücklich nach Hause gehen.”

Santos verfolgt den Traum vom EM-Titel seit knapp zwei Jahren. Seit er bei seinem Debüt am 11. Oktober 2014 in einem Testspiel gegen Frankreich 1:2 verloren hat. Das Spiel hatte wie der Final vom Sonntag im Stade de France von Saint-Denis stattgefunden. Es war die zweitletzte Niederlage einer langen und schwarzen Serie für die Portugiesen. Von den letzten zehn Spielen gegen Frankreich haben sie sage und schreibe alle zehn verloren. Doch Santos hebt zum zweiten Mal den Zeigefinger: “Frankreich gegen Portugal war noch nie ein Final gewesen, deshalb zählt diese Geschichte nichts.”

(SDA)


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