Saudis bestellen 200 Pizzen aus München

Pizzas von München nach St.Gallen liefern lassen? Für die Saudis kein Problem. (Symbolbild)
Pizzas von München nach St.Gallen liefern lassen? Für die Saudis kein Problem. (Symbolbild) © KEYSTONE/Fabrice Coffrini
Nach den Spielen im Kybunpark der Fussballnationalmannschaft von Saudi Arabien bestellte die Mannschaft jeweils hundert Pizzen nach St.Gallen. Weil sie nur Pizza Hut wollten, mussten die Pizzalieferungen aus München gebracht werden.

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Dieses alte Sprichwort trifft wohl nicht nur auf Schweizer Landwirte zu, sondern auch auf Fussballspieler und Betreuer aus Saudi Arabien. Statt bei Dieci, in der Pizzeria im Kybunpark oder in irgendeiner der Dutzenden anderen Pizzerien in St.Gallen bestellten die Saudis bei Pizza Hut. Die nächste Filiale ist allerdings in München – die Wartezeit war es ihnen offenbar wert.

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Auf Anfrage bestätigt Daniel Last, Mediensprecher der FC St.Gallen Event AG, dass die saudische Mannschaft und ihre Entourage ihre Pizzen aus München liefern liessen. «Enstprechend war die Wartezeit etwas länger», sagt Last lachend. Nach dem Freundschaftsspiel von Saudi Arabien gegen Italien Ende Mai bestellten die Saudis hundert Pizzas – aus München. Denn: Pizza Hut scheint in Saudi Arabien der letzte Schrei zu sein. Die nächste Filiale befindet sich in Deutschland, in der Schweiz gibt es seit 2004 keinen Pizza Hut mehr. «Die Pizzas kamen nicht mit dem Heli, sondern ganz normal mit dem Auto», sagt Daniel Last. Eine Fahrt von München nach St.Gallen dauert zweieinhalb bis drei Stunden. «Hätten wir das gewusst, hätten wir sicherlich gesagt, dass man auch hier in St.Gallen gute Pizza erhält.»

«Für die Mannschaft und den VIP-Bereich wurden die Pizzen geordert», sagt Last. Er fand die Szene speziell, «so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt er. Im Playoff-Hinspiel habe Spartak Moskau vor ein paar Jahren ebenfalls Pizza und Bier bestellt, «damals kam die Pizza allerdings direkt von hier.» Dass es auch in St.Gallen sehr gute Pizzen gebe, sei offenbar nicht bis zu den Verantwortlichen der saudi-arabischen Nationalmannschaft gelangt.

Auch beim zweiten Freundschaftsspiel gegen Peru wurden weitere hundert Pizzen von den Saudis bestellt – wiederum in München von Pizza Hut. «So viele Pizzakartons haben wir selten im Stadion», sagt Daniel Last und lacht.

Verzollt und eingeführt

Die Pizzen aus München mussten am Zoll einen Zwischenstopp einlegen. Mit hundert Pizzen hat man den Freibetrag am Zoll weitaus überschritten. Wie viel die einzelne Pizza letztendlich kostete, weiss Last nicht. Wahrscheinlich hätte sich die hausgemachte Pizza aus St.Gallen mehr gelohnt. «Ich weiss auch nicht, in welchem Temperaturzustand die Pizzen hier angekommen sind», sagt Last.

«Wir sind schon enttäuscht»

Warum haben die Saudis Pizzen aus München bestellt, wenn doch im Kybunpark selbst eine Pizzeria beheimatet ist? «Die wussten wahrscheinlich nicht, dass wir Pizzen backen und liefern», sagt Familie Lazraj von der Piazza d’Arena im Kybunpark. «Natürlich sind wir enttäuscht, aber was will man sagen? Jeder darf machen, was er will», sagt die Chefin. Die Chefin geht davon aus, dass die «Pizza Hut»-Pizza nach knapp drei Stunden Autofahrt nicht mehr gut geschmeckt hat. «Das war sicherlich nicht mehr die beste Pizza», sagt Lazraj. Ganz im Gegensatz zur Pizza im Kybunpark. «Unsere Pizza wurde auch von den Italienern sehr gelobt, sie sei sogar besser als die in Italien», sagt sie lachend. Trotz des Mehr-Umsatzes, der den Lazrajs dank Pizza Hut durch die Lappen ging, sind sie zufrieden. «Wir hatten auch so viel zu tun, klar hätte uns die Bestellung gefreut, aber da kann man jetzt auch nichts mehr machen.»

Woher die Saudis ihre Pizzen an der WM in Russland bestellen, wissen wir nicht. Aber: In St. Petersburg und in Moskau gibt es einen Pizza Hut. In letzterer findet heute das Eröffnungsspiel gegen Russland statt (hier geht’s zum Livestream).

(enf)


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