Schatten über den ersten Olympischen Spielen in Südamerika

Vor den Olympischen Spielen in Rio gibt es für die Verantwortlichen noch viele Probleme zu beheben
Vor den Olympischen Spielen in Rio gibt es für die Verantwortlichen noch viele Probleme zu beheben © KEYSTONE/EPA EFE/ANTONIO LACERDA
2016 finden in Rio de Janeiro erstmals Olympische Spiele in Südamerika statt – mittlerweile herrscht aber Ernüchterung. Ein Korruptionsskandal und Geldprobleme machen zu schaffen.

220 Tage dauert es noch bis zu den Olympischen Spielen. Anders als in Athen, als das Olympiastadion 2004 erst kurz vor der Eröffnung fertig wurde, sind es gar nicht so die Sportstätten, die Sorgen bereiten. Im Olympiapark in Barra, knapp 40 Kilometer von der Copacabana entfernt, sind die Sportstätten zu 95 Prozent fertiggestellt. Lediglich beim Velodrom könnte es etwas knapp werden.

Es sind vor allem externe Faktoren, die Rios Bürgermeister Eduardo Paes zu einem Krisenmanager machen. Die Landeswährung Real hat an Wert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro verloren. Da viele Rechnungen in Dollar beglichen werden müssen, muss heftig gespart werden. Das Budget der Organisatoren ist auf 7,4 Milliarden Real begrenzt, vor ein paar Monaten waren das noch über zwei Milliarden Euro, jetzt sind es nur noch 1,7.

Das Budget beinhaltet nicht den Bau von Stadien, sondern Kosten für Eröffnungs- und Schlussfeier, Unterkunft, Transport und Verwaltung. Kommunikationschef Mario Andrade brachte ins Spiel, dass die Athleten die Kosten für Klimaanlagen selbst tragen sollen. Auch bei der Zahl der Fernseher im Olympischen Dorf könnte gespart werden, und die Eröffnungsfeier dürfte weniger opulent als die in London 2012 ausfallen, bei der James Bond ein spektakuläres Gastspiel hatte.

Die Klimaanlagen-Idee bracht viel Kritik. Auf Anfrage betont Sprecher Lucas Dantas nun: “Wir werden in allen Apartments Klimaanlagen einbauen. Kein Sportler muss dafür zahlen.” Auch die Zahl von 70’000 Freiwilligen bleibe bestehen. Paes betont, er wolle nachhaltige Spiele. Sein Vorbild lautet Barcelona 1992: Spiele der Herzen mit vertretbaren Kosten und einem anschliessenden Touristenboom.

Die meisten Wettbewerbe – darunter Schwimmen, Radfahren, Handball, Basketball, Turnen und Tennis – finden draussen in Barra statt. Jetzt schon eine eigene Stadt, wird die Ausdehnung von Rio so vorangetrieben. Viel neuer Wohnraum soll entstehen – und eine der drei Carioca-Hallen nach den Spielen zu einer Schule umgebaut werden. Aber: Die Bewohner der angrenzenden Favela Vila Autódromo beklagen Repression und Verdrängung durch die Militärpolizei.

Die Gesamtkosten mit Stadienbauten und Infrastrukturmassnahmen liegen derzeit laut Paes bei 38,7 Milliarden Real (8,9 Mrd. Euro), davon sollen 57 Prozent aus privaten Mitteln kommen. Es soll keine “weissen Elefanten”, geben, Bauten, die danach vergammeln. Eine Lehre aus der Fussball-WM. So gibt es auch kein “echtes Olympiastadion”. Im Stadion des Fussballvereins Botafogo finden die Leichtathletikwettbewerbe mit Superstar Usain Bolt statt, es bietet aber nur 60’000 Zuschauern Platz. Eröffnungs- und Schlussfeier finden im Fussballtempel Maracanã statt. Die Spiele werden in der ganzen Stadt verteilt stattfinden.

Es gibt vor allem fünf Risiken, die die Organisatoren umtreiben: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, der seit 2014 die Justiz beschäftigt. Dazu kommen eher bescheidene sportliche Aussichten der Gastgeber und das Umweltproblem in der berühmten Guanabara-Bucht, wo die Segler ihre Entscheidungen ausgetragen werden. Zudem droht die Metro-Linie zum Olympiapark als grösstes Infrastrukturprojekt nicht rechtzeitig fertig zu werden. Dennoch ist Bürgermeister Paes Mr. Optimismus. Und jenseits aller Risiken, eines ist sicher: Rio de Janeiro 2016 wird der Welt grossartige, einmalige Bilder bescheren.

(SI)


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