Scherbenhaufen nach Hanfrazzia

Die ehemals dicht gewachsenen Hanfpflanzen der Firma Medropharm.
Die ehemals dicht gewachsenen Hanfpflanzen der Firma Medropharm. © (pd)
Der Thurgauer Nutzhanfproduzent Medropharm verlangt Antworten von der Staatsanwaltschaft. Diese hatte im September eine Razzia bei der Firma durchführen lassen und die gesamte Ernte beschlagnahmt. Obwohl das Verfahren eingestellt worden ist, ist der Schaden für das Unternehmen immens.

Die Thurgauer Firma Medropharm in Kradolf-Schönenberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Heilpflanze Cannabis sativa und ihre wertvollen Bestandteile für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie nutzbar zu machen. Doch seitdem die Polizei im September alle Pflanzen der Firma bei einer Razzia auf einem Bauernhof im Kanton St.Gallen beschlagnahmte, sieht es wenig rosig aus.

Selbstmord nach Durchsuchung

Die Firma hat ihre Ernte zwar wieder zurück bekommen, doch der Imageschaden nach dem durchgeführten Grosseinsatz ist gross. Denn erst danach wurde offiziell festgestellt, dass sich die Firma nichts zu Schulden kommen hat lassen. Nach Ansicht des Firmenbesitzers Mike Toniolo hat die Staatsanwaltschaft bei seiner Firma einen Scherbenhaufen hinterlassen.

«Das Unternehmen hat insofern einen Schaden genommen, dass E-Kartenfirmen sich von uns zurück gezogen haben und keine Zahlungen mit Kreditkarten mehr getätigt werden können», erzählt Mike Toniolo. Doch das Schlimmste kommt noch: Ein Geschäftspartner hat sich nach der Razzia seiner Existenz bedroht gefühlt und Suizid begangen. Nur einen Tag nach dieser Tragödie wurde das Verfahren gegen Medropharm eingestellt. Alle erhobenen Vorwürfe wurden fallen gelassen.

Wiederholung jederzeit möglich

Der Fall beschäftigt nun auch den Thurgauer Kantonsrat Ueli Fisch von den Grünliberalen. Er fordert die Thurgauer Regierung auf, am runden Tisch Platz zu nehmen, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen können. Die Regierung hat diesen Vorschlag aber ausgeschlagen. «Der Imageschaden ist nicht mehr wieder gut zu machen», sagt Ueli Fisch. «Mich stört an der Antwort der Regierung auch, dass eine solche Razzia jederzeit wieder möglich sein soll – und das darf einfach nicht der Fall sein.»

Keine Rückendeckung bekommt er von der Regierungsrätin Cornelia Komposch Dass die Polizei mit einem Grossaufgebot bei der Firma Medropharm eingefahren ist, erachtet die SPlerin als «verhältnismässig». «Es hat nicht an der Sensibilität unserer Behörden gefehlt», sagt sie. Es sei keine Pflanze beschädigt worden, genauso wie auch die Infrastruktur nicht. Aber der Ruf … Nun ja, das sei «der Firma selbst zuzuschreiben», sagt Komposch. «Sie haben sich an die Medien gewendet. Weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft würde das in so einer Angelegenheit aktiv tun.»

Transparenz immer gegeben

Mike Toniolo empfindet diese Aussagen als blanken Hohn. Doch das Geschäft mit dem Nutzhanf müsse weitergehen, sagt er. «Wir stehen hinter dem, was wir machen und lassen uns sicher nicht einschüchtern», meint der Gründer und Besitzer von Medropharm. «Wir treten seit jeher transparent auf.» Das Unternehmen, das sich rechtlich immer noch in einer Grauzone bewegt, muss weiterhin um seine Akzeptanz kämpfen.

(red.)


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