Schütze wegen versuchter Tötung bekannt

Staatsanwalt Bruno Werlen, Kripo-Chefin Graziosa Gairing, Polizeikommandant Reto Cavelti und Chef Regional- und Verkehrspolizei Kurt Lutz an einer Medienkonferenz zur Schiesserei in Rehetobel.
Staatsanwalt Bruno Werlen, Kripo-Chefin Graziosa Gairing, Polizeikommandant Reto Cavelti und Chef Regional- und Verkehrspolizei Kurt Lutz an einer Medienkonferenz zur Schiesserei in Rehetobel. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Die Ausserrhoder Kantonspolizei gab am Dienstagabend bei einer Medienkonferenz Details zur Schiesserei mit anschliessender Verschanzung in Rehetobel, bei der sich zwei Polizisten schwer verletzten und sich der Täter am Ende selber richtete, bekannt. So war der 33-jährige mutmassliche Täter Roger S. vorbestraft wegen versuchter Tötung. Eine Hausdurchsuchung fand statt wegen Verdacht auf eine Hanfanlage.

«Das ist das Schlimmste, das man sich als Polizeikommandant vorstellen kann», sagt Reto Cavelti, Kommandant der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, am Dienstagabend vor den Medien. Zwei «liebe Mitarbeiter» seien schwer verletzt worden. So erlitt ein 37-jähriger Polizist Schussverletzungen an den Beinen, ein 29-jähriger Kollege gar einen Herzsteckschuss. «Er befindet sich in einem äusserst kritischen Zustand und kämpft derzeit um sein Leben», so Cavelti weiter.

Reto Cavelti © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Reto Cavelti © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Verdacht auf Indoor-Hanfanlage

Der Schuppen des mutmasslichen Schützen Roger S. im Gebiet Unterrechstein wurde am Dienstag um 9 Uhr von der Ausserrhoder Kantonspolizei wegen Verdacht auf eine Indoor-Hanfanlage durchsucht. Dort gelang es dem 33-Jährigen, eine Handfeuerwaffe zu betätigen und damit die Beamten schwer zu verletzen. Danach flüchtete er zu Fuss zu seinem Wohnort in Rehetobel, wo ihn die Polizei rund eine Stunde später auffand und Sichtkontakt mit ihm aufnahm.

Angeblicher Sprengstoff in Rucksack

«Der Täter trug einen Rucksack, und sagte den Einsatzkräften, dass er darin Sprengstoff mit sich führte», erklärt Kurt Lutz, Chef der Ausserrhoder Regional- und Verkehrspolizei. Einem Diensthund gelang es, den 33-Jährigen zu überwältigen, worauf dieser sich selber verschoss. Später stellte sich heraus, dass sich kein Sprengstoff im Rucksack des Verstorbenen befand.

Kurt Lutz © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Emotionale Kripo-Chefin

Gemäss Graziosa Gairing, Chefin der Ausserrhoder Kriminalpolizei, war Roger S. am Dienstagmorgen vereinbarungsgemäss zu einer Befragung zwecks Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz erschienen. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch keine Waffe auf sich getragen, so Gairing, er sei beim Polizeiposten in Heiden noch auf gefährliche Gegenstände kontrolliert worden. Man gehe davon aus, dass der mutmassliche Täter eine Waffe in seinem Schuppen versteckt hielt. Graziosa Gairing spricht mit gebrochener Stimme: «Meine Gedanken sind bei meinen verletzten Kollegen und ihren Angehörigen.»

Graziosa Gairing © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Roger S. als junger Mann verurteilt

Dem zuständige Staatsanwalt Bruno Werlen zufolge war der 33-jährige Roger S. vorbestraft. So wurde er 2004 verurteilt wegen versuchter Tötung, mehrfacher schwerer Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Als junger Erwachsener, so Werlen, sei er zwar verurteilt worden, aber einzig zu einer sogenannten Massnahme, also nicht zu einer Freiheitsstrafe. Bis zum Jahr 2012 befand er sich im Basler Massnahmenzentrum Arxhof.

Bruno Wehrlen © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Bruno Werlen © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Nun müsse das Institut für Rechtsmedizin Klarheit über die Todesursache geben. Ausserdem müsse man klären, wie Roger S. an seine Waffe gekommen war. Gemäss Bruno Werlen sei auch herauszufinden, inwiefern der 33-Jährige eine Hanfanlage betrieb – mit oder ohne Helfer. Eines sei klar, so Reto Cavelti: Auch eine Schutzweste, welche die Beamten nicht trugen, hätte wenig genützt.

«Emotionale Achterbahn»

Der Ausserrhoder Polizeikommandant bedankte sich am Ende der Medienkonferenz bei allen Einsatzkräften. Diese «emotionale Achterbahn» werde er im ganzen Leben nie vergessen. Nun gehe es darum, den Einsatz professionell zu Ende zu führen und sämtliche Gebete dem 29-jährigen, schwerst verletzten Polizisten, zu widmen.

Der ganze Livestream zum Nachschauen:

(lag)


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