Erdbeeren, Kirschen und Co. sind erfroren

Von Fabienne Engbers
Die Thurgauer Erdbeeren hatten mit dem Frost zu kämpfen. (Symbolbild)
Die Thurgauer Erdbeeren hatten mit dem Frost zu kämpfen. (Symbolbild) © istock
Der Frost letzte Woche hat die Bauern das Bibbern gelehrt. Nicht nur zitterten sie vor Kälte, sondern auch vor Angst um ihre Ernte. Die Beeren- und Obstbauern traf es dabei mit am schlimmsten, die Erdbeer- und Kirschenernte wird dieses Jahr knapp ausfallen.

«Wir rechnen je nach Betrieb und Obstsorte mit Totalausfällen», sagt Obstbauer Ralph Gilg aus Fruthwilen. Viele Bauern konnten nicht alle ihre Obst- und Beerenkulturen vor dem Frost schützen. Die ungeschützten Blüten sind wohl praktisch alle verfroren.

«Schlimmster Frost seit Jahrzehnten»

Ralph Gilg hat noch nie einen so schlimmen Frost um diese Zeit erlebt. Auch sein Vater konnte sich nicht an derart schlechte Bedingungen erinnern. «Es kamen viele gravierende Faktoren zusammen, zum einen war da der Schnee, dann die Minusgrade und zusätzlich wehte auch noch eine kalte Bise», sagt Ralph Gilg. Das alles hat den Obstbäumen und Beerensträucher so stark zugesetzt, dass ihre Blüten teilweise verfroren sind.

Der Schweizer Obstverband kann die Frostschäden noch nicht beziffern, weil er vor allem aus dem wichtigen Obstbaugebieten noch keine Rückmeldungen erhalten hat. Doch: «Es ist schlimm», sagt Verbandsdirektor Georg Bregy in einer ersten Bilanz. Die Schäden beliefen sich voraussichtlich auf etliche Dutzend Millionen Franken.

Kirschen, Aprikosen und Zwetschgen sind futsch

«Die Kirschen, die unter einer Folie waren, haben keine Schäden davon getragen, ansonsten sieht es sehr schlimm aus beim Kernobst», sagt Ralph Gilg. Aprikosen und Zwetschgen sind in gewissen Höhenlagen komplett verfroren. «Was die Apfel- und Birnenernte angeht, kann man den Schaden noch nicht abschätzen.» Hier wird sich das Schadenausmass erst in rund zwei Wochen zeigen.

«Bei den Heidelbeeren haben wir dieses Jahr wahrscheinlich einen Totalausfall», sagt Beerenproduzent Matthias Müller von Sonnenhof in Steinebrunn. Auch die Himbeerblüten waren gefroren, wie die Ernte ausfallen wird, kann man aber erst in ein paar Wochen sagen. Möglicherweise sind hier die Chancen besser.

Thurgauer Erdbeeren könnten zur Seltenheit werden

Die Erdbeerernte musste stark unter dem Frost leiden. «Je nach Lage, Erdbeersorte und Schutzmassnahmen könnten bis zu 50 Prozent der Ernte ausfallen», sagt Beerenhändler Peter Knup aus Kesswil. Viele Bauern haben ihre Erdbeeren zwar zugedeckt, die Temperaturen waren teilweise aber einfach zu kalt. Bauern, die ihre Erdbeeren im Gewächshaus oder in geheizten Tunnels züchten, hatten Glück, sie haben überhaupt keine Ernteausfälle.

Erste Erdbeeren schon im Hoflädeli

Matthias Müller hat seine Erdbeeren überdacht, die ersten Erdbeeren aus dem Gewächshaus sind sogar schon im Laden. Sind die ersten Erdbeeren nicht noch ein wenig sauer? «Unsere Kundinnen und Kunden sind sehr zufrieden. Weil es im März, als die Beeren blühten, so warm war, sind die Früchte süss und saftig», sagt Matthias Müller.

Konsumentenpreis bleibt wahrscheinlich gleich

Trotz der hohen Ernteeinbussen muss der Konsument wahrscheinlich nicht mit grossen Preisaufschlägen für einheimisches Obst rechnen. «Die Konsumentenpreise werden sehr wahrscheinlich gleich bleiben wie im Vorjahr. Was steigen wird, sind die Produzentenpreise», sagt Michael Mannale von der thurgauer kantonalen Informationsstelle im Beerenbau. Bauern bekommen also mehr für ihre Früchte, dieser Aufschlag wird dem Konsumenten allerdings nicht weiterverrechnet.

(sda/enf)


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