«Der Schneefall war nicht vorhersehbar»

Von Stephanie Martina
An der Landhausstrasse in St.Gallen rutschten vier Autos ineinander.
An der Landhausstrasse in St.Gallen rutschten vier Autos ineinander. © Stapo SG
Der im Feierabendverkehr einsetzende Schneefall sorgte am Montagabend in der Stadt St.Gallen und Teilen der Ostschweiz für Ausnahmezustand. In St.Gallen halfen sogar die Polizisten, im Schnee steckengebliebene Autos anzuschieben.

Die Stadt St.Gallen steckte wegen des vielen Schnees in einem Teufelskreis: Weil es im Feierabendverkehr stark schneite, kam der Verkehr ins Stocken – und mit ihm auch der Winterdienst. Deshalb blieben viele St.Galler Strassen vorerst schneebedeckt, was wiederum das Verkehrschaos verschlimmerte. Wegen des Schnees kam es in der Stadt auch zu vereinzelten Unfällen, wie Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen auf Anfrage sagt. «An der Landhausstrasse sind vier Fahrzeuge ineinander gerutscht. Glücklicherweise entstand nur Blechschaden. Drei kleinere Unfälle haben die Beteiligten ohne die Polizei geregelt.»

Polizisten beweisen Muskelkraft

Aber die Stadtpolizei war am Montagabend dennoch stark gefordert, vor allem in der Unfallprävention. Kurzzeitig musste die Polizei einzelne Strassen sperren, weil sie derart rutschig waren, dass es kein Durchkommen gab. So musste unter anderem die Appenzellerstrasse oder der Untere Graben gesperrt werden, nur Autos mit 4×4-Antrieb wurden durchgelassen. «An einigen Stellen, an denen es sehr rutschig war, stationierten wir Polizisten, die die Autofahrer auf die prekären Strassenverhältnisse aufmerksam machten und sie baten, vorsichtig zu fahren. Wenn möglich haben wir ihnen auch alternative Wege erklärt, wie sie besser an ihr Ziel kommen», sagt Widmer. In manchen Fällen bewiesen die Polizisten sogar Muskelkraft: So halfen sie beim Schieben, wenn jemand mit seinem Auto im Schnee steckengeblieben war.

40 Unfälle seit Montagmorgen

Auch die Kantonspolizei St.Gallen war gestern Abend hauptsächlich damit beschäftigt, grössere Verkehrsbehinderungen zu vermeiden. «Als der Feierabendverkehr eingesetzt hatte, sahen wir, dass es aufgrund des Schnees zu Problemen kommen könnte und sind ausgerückt, um dem Verkehrschaos entgegenzuwirken», sagt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. Unter anderem sei die Polizei am Bürenstich bei Oberbüren vor Ort gewesen, wo Autos und Lastwagen auf der schneebedeckten Fahrbahn nicht mehr vorwärts gekommen oder gar quer auf der Autobahn gestanden seien. Eine weitere kritische Stelle sei bei solchen Schneefällen jeweils auch die steile Strasse von St.Gallen Winkeln in Richtung Herisau. Auch dort sei die Polizei im Einsatz gewesen.

Seit gestern Abend kam es auf Kantonsgebiet zu rund einem Dutzend Unfällen, seit dem Wochenstart wurde die Kantonspolizei zu rund 40 Unfällen gerufen, wie Rezzoli sagt. Die meisten Unfälle hätten sich um die Stadt St.Gallen, in Richtung Fürstenland und im Rheintal auf der A13 ereignet. Meistens sei es bei Sachschaden geblieben, bei sieben Unfällen wurden mehrere Personen leicht oder unbestimmt verletzt.

Thurgauer Postauto steckt fest

Auch in einigen Regionen des Kantons Thurgau hatten die Autofahrer am Montagabend mit den grossen Schneemengen zu kämpfen. Wie Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, sagt, sei vor allem die Gegend am Untersee sowie der Mittelthurgau stark betroffen gewesen. «Wir mussten unter anderem den Mettlerstich bei Wuppenau kurzzeitig sperren bis die steile, kurvige Strasse gesalzen war», sagt Graf. Auch bei Herdern sei die Strasse zwischenzeitlich gesperrt gewesen, weil ein Postauto feststeckte. Wie im Kanton St.Gallen ereigneten sich auch im Kanton Thurgau rund ein Dutzend Unfälle – bei einem wurde eine Person leicht verletzt.

Labile Luft macht genaue Prognosen unmöglich

Mit solch grossen Schneemengen hatte gestern Abend wohl vor allem in der Stadt St.Gallen niemand gerechnet. Wie auch, wenn nicht einmal Wetterexperten eine genaue Prognose abgeben konnten. Stefan Scherrer von MeteoNews erklärt, warum die gestrigen Schneemengen nicht vorhersehbar waren: «Gestern floss labile Höhenkaltluft ein. Diese sorgte dafür, dass gegen Abend ganz lokal kräftige Schneeschauer niedergingen. Für uns ist es allerdings kaum vorhersagbar, wo wann wie viel Schnee fällt. Es hätte aber genauso gut Regionen weiter westlich treffen können.»

Gestern habe es per Zufall die Ostschweiz stark getroffen. Innert kurzer Zeit seien in Teilen der Ostschweiz grosse Mengen Schnee gefallen. Weil die Temperaturen am Abend um den Gefrierpunkt lagen, sei der Schnee liegen geblieben, was zu prekären Strassenverhältnissen geführt habe, sagt Scherrer. Doch nicht nur der Schnee habe die Räumungsdienste gefordert. Auch die Temperaturen von minus acht Grad haben die Arbeit des Unterhaltsdienstes vergangene Nacht zusätzlich erschwert, wie Scherrer sagt. «Denn das gestreute Strassensalz erfüllt nur bis zu einer gewissen Temperatur seinen Zweck auf verschneiten Strassen. Wenn es so kalt wird wie in St.Gallen geht die Wirkung des Salzes verloren und auf den Strassen wird es sehr gefährlich.»


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