Schneider-Ammann hält die Erwartungen beim Besuch in Teheran tief

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann wird bei der Ankunft in Teheran von Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh empfangen.
Bundespräsident Johann Schneider-Ammann wird bei der Ankunft in Teheran von Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh empfangen. © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Bundespräsident Johann Schneider-Ammann ist zu einem zweitägigen Staatsbesuch im Iran eingetroffen. Nach der Aufhebung der Sanktionen sieht der Wirtschaftsminister viele Chancen für die Schweizer Exporteure. Gleichzeitig hält er die Erwartungen tief.

Am innerstädtischen Flughafen der iranischen Hauptstadt Teheran wurde Schneider-Ammann vom Industrieminister der Islamischen Republik, Mohammad Reza Nematzadeh, empfangen. Begleitet wird der Bundespräsident von einer grossen Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Während der Anreise sagte Schneider-Ammann gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass man in den kommenden Tagen zahlreiche Gespräche führen und Kontakte knüpfen wolle.

Die Erwartung, einen grossen Vertragsabschluss in irgendeiner Form präsentieren zu können, habe er indes nicht. Die Wirtschaft des Irans öffne sich erst sehr langsam, was wie ein Marathonlauf sei und nicht mit einem 100-Meter-Sprint zu vergleichen.

Für die Schweizer Wirtschaft sieht er beispielsweise gute Chancen auf dem iranischen Markt im Bereich Pharma, der Medizintechnik, im Energiesektor und bei der Infrastruktur. Häufig sei aber gerade für Schweizer Unternehmen die Finanzierung bei Geschäften mit dem Iran ein Thema, weshalb auch die Fragen zur möglichen Durchführung von Finanzdienstleistungen bei den Gesprächen vertieft werden sollen.

Auf die Frage, ob er auch die Missstände bei den Menschenrechten im Iran in seinen Zusammenkünften thematisieren werde, antwortete der Bundespräsident: Ja, sicher, denn bei den guten Beziehungen zwischen Iran und der Schweiz könne man auch Punkte diskutieren, wo man nicht einer Meinung sei.

In der Iranischen Republik müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Da machen auch Staatsbesuche keine Ausnahme, wie die Visite des österreichischen Präsidenten mit seiner Ehefrau in Teheran vor einigen Monaten gezeigt hatte.

Diese Situation blieb bei der Familie Schneider-Ammann erspart, denn die Ehefrau ist bei der Stippvisite gar nicht erst mitgekommen. Zu diesem Umstand sagte Schneider-Ammann gegenüber der sda, dass er mit seiner Frau vor dem Einstieg in die Politik vereinbart habe, sie aus diesen Bereichen herauszuhalten.

Nach dem Empfang auf dem Flughafen in Teheran schlängelte sich der Konvoi der Schweizer Delegation durch den dichten Abendverkehr in der Hauptstadt. Hunderte Polizisten sperrten den Weg in die Schweizer Botschaft, wo am Abend ein Empfang stattfindet.

Am Samstag steht für Schneider-Ammann eine Zusammenkunft mit Präsident Hassan Ruhani auf dem Programm. Zudem geht es zu Gesprächen in die iranische Handelskammer. Am Sonntag steht dann ein Besuch der Universität Teheran an, wo der Schweizer Bundespräsident einen Vortrag vor iranischen Wirtschaftsstudenten halten soll.

(SDA)


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