Schwäne flüchten nach Rorschach

Zwei Schwäne stehen auf dem leicht überfluteten Fussweg am Bodensee, aufgenommen am 17. Juni 2016 in Rorschach.
Zwei Schwäne stehen auf dem leicht überfluteten Fussweg am Bodensee, aufgenommen am 17. Juni 2016 in Rorschach. © KEYSTONE/Ennio Leanza
Rorschach ist zurzeit das Schwanen-Mekka des Bodensees. Grund dafür ist das Hochwasser in anderen Buchten. Viele Schwäne mussten diese verlassen, weil sie keine Nahrung fanden.

Genau 51 Schwäne wurden am Wochenende alleine am Hafen in Rorschach gesichtet. Das sind überdurchschnittlich viele, normalerweise zählt die gesamte Hafenbucht in Rorschach 30 Tiere. Die Schwäne haben sich aber nicht so schnell vermehrt, wie sich vielleicht vermuten lässt.

Probleme mit Hochwasser

“Die Höckerschwäne auf dem Bodensee haben mit dem Hochwasser erhebliche Probleme. Bei normalen Sommerwasserständen konzentrieren sich von Juni bis August die meisten Schwäne im Ermatinger Becken am Untersee, um dort ihr Federkleid zu wechseln”, erklärt Harald Jacoby von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) in Konstanz auf Anfrage.

Bei dieser Mauser fallen den Schwänen laut Jacoby alle Schwungfedern gleichzeitig aus – sie sind dann also flugunfähig. Es dauere vier bis sechs Wochen, bis die Flügel wieder nachgewachsen seien.

Wegen Nahrungssuche nach Rorschach

“Der ausgedehnte Flachwasserbereich des Ermatinger Beckens ist von Unterwasserpflanzen bedeckt. Dieses reiche Nahrungsangebot nutzen normalerweise 1000 bis 1500 Schwäne aus der Nordschweiz und Süddeutschland”, erklärt Jacoby. Doch gegenwärtig ist der Wasserstand im Ermatinger Becken so hoch, dass selbst die langen Hälse der Schwäne zu kurz sind, um die Pflanzen am Seegrund zu erreichen.

Viele Schwäne seien deshalb gegenwärtig auf der Suche nach anderen Plätzen, wo sie für die Wochen der Flugunfähigkeit ausreichend Nahrung finden. “Die Schwäne am Rorschacher Ufer gehören sicher zu diesen ‘Flüchtlingen’.”

Auch wenn das Parlament die Regelung zum Abschuss von Schwänen anfangs Juni gelockert hat: Diese Schwäne werden sicher nicht abgeschossen, wie der amtliche Wildhüter Mirko Calderara versichert.

(lak)


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