Schweizer Bäche und Flüsse sind in teils schlechtem Zustand

Das Bundesamt für Umwelt stellt eine Zunahme von Mikroverunreinigungen in Schweizer Gewässern fest. (Symbolbild)
Das Bundesamt für Umwelt stellt eine Zunahme von Mikroverunreinigungen in Schweizer Gewässern fest. (Symbolbild) © KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA
Die Schweizer Bäche und Flüsse sind mehrheitlich in einem mangelhaften biologischen Zustand, wie eine gross angelegte Untersuchung des Bundesamtes für Umwelt zeigt. Der Bund will mit einem ganzen Bündel an Massnahmen dagegen vorgehen.

“Wenn man Leute nach einem typischen Schweizer Gewässer fragt, antworten sie wohl selten mit dem Limpach”, sagte Stephan Müller, Leiter der Abteilung Wasser vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), am Donnerstag vor den Medien. Trotzdem hat das BAFU den Bach bei Bätterkinden BE ausgesucht, um die Befunde aus der Nationalen Beobachtung der Oberflächengewässerqualität (NAWA) den Medien zu präsentieren.

“Die meisten Regentropfen landen nicht in Rhein, Aare, Rhone oder Inn sondern in kleinen und mittelgrossen Gewässer wie dem Limpach”, fuhr Müller fort. In diesem Sinn sei der Bach dennoch repräsentativ für viele Schweizer Fliessgewässer.

In erster Linie steht der Limpach aber für den teils bedenklichen Zustand der Schweizer Fliessgewässer: Er verfügt über einen zu hohen Nitratgehalt, die Qualität seines Ökosystems ist beeinträchtigt und er bietet Fischen nur einen ungenügenden Lebensraum.

Damit ist er nicht alleine: Wie aus dem Gewässermonitoring hervorgeht, erfüllen rund zwei Drittel der Fliessgewässer die Ansprüche der Fische an ihren Lebensraum nicht. Selbst für die weniger anspruchsvollen Wasserpflanzen und Wirbellosen sind ein Drittel der Messstellen “erheblich beeinträchtigt”, wie aus der Mitteilung des BAFU hervorgeht.

Die Untersuchung zeigt weiter, dass Mikroverunreinigungen eine zunehmende Gefährdung der Artenvielfalt in den Schweizer Fliessgewässern darstellen. Zu den Mikroverunreinigungen gehören etwa Pestizide und Medikamentenrückstände, wie Müller vor Ort ausführte.

Positiver ist das Verdikt beim Nitrat- und Phosphorgehalt. Dank des Baus von Abwasserreinigungsanlagen und des Phosphatverbots in Waschmitteln habe sich die Wasserqualität seit den 1980er Jahren erheblich verbessert, sagte Müller. “Die Zeiten von schäumenden Gewässern sind vorbei.”

Allerdings sei die Belastung gerade in kleinen und mittelgrossen Fliessgewässern, in die etwa zahlreiche Nährstoffe aus der Landwirtschaft gelangen, noch immer zu hoch.

Nur wenige Kilometer vom Limpach entfernt, fliesst die deutlich grössere Emme durch das Emmental. “Sie ist das Gegenstück zum Limpach”, sagte BAFU-Direktor Marc Chardonnens am zweiten Austragungsort der Medienkonferenz.

Renaturierungsmassnahmen hätten dazu geführt, dass der biologische Zustand der Emme heute gut sei. Ein Faktor sei aber auch das Einzugsgebiet. “Es gibt hier weniger intensiv genutzte Landwirtschaftsfläche als beim Limpach.”

Wie Chardonnens weiter ausführte, hat der Bund bereits zahlreiche Massnahmen eingeleitet, um die Gewässerqualität zu verbessern. So werden 100 der rund 700 Kläranlagen in der Schweiz aufgerüstet, damit sie die Mikroverunreinigungen besser eliminieren können.

Finanziert wird dies durch eine zusätzliche Abwasserabgabe von 9 Franken pro Person und Jahr. Die entsprechende Verordnung ist bereits seit Anfang Jahr in Kraft.

Noch hängig ist die Umsetzung eines Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. “Das Ziel ist, dass in der Landwirtschaft weniger chemische Ergänzungsmittel angewendet werden”, sagte Chardonnens dazu.

Gemäss Gewässerschutzgesetz müssen die Kantone mit Unterstützung des Bundes bis Ende dieses Jahrhunderts 4000 der insgesamt 15’000 Kilometer Fliessgewässer, die einen schlechten Zustand aufweisen, revitalisieren.

Umweltschutzorganisationen gehen die geplanten Massnahmen zu wenig weit. Pro Natura kritisiert insbesondere den Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pestiziden. Viele der dort präsentierten Massnahmen gehörten heute schon zur “guten landwirtschaftlichen Praxis”, schreibt Pro Natura in einer Mitteilung von Donnerstag.

Die Organisation fordert explizite Verbote von besonders gefährlichen Pestiziden, die Entwicklung und Förderung von Alternativen sowie “maximale Transparenz”.

Auch die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva wandte sich am Donnerstag an die Medien. Sie fordert vor allem weiterführende Massnahmen, um die Wanderung von Wassertieren zu erleichtern. “Auch der Rückbau von besonders schädlichen Kraftwerken darf in der Schweiz kein Tabu mehr sein.”

(SDA)


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