Schweizer Firmen bevorzugen externe Kandidaten

Die Credit Suisse folgt dem Trend: Sie setzt nach dem intern berufenen Chef Brady Dougan nun auf den von extern geholten Tidjane Thiam.
Die Credit Suisse folgt dem Trend: Sie setzt nach dem intern berufenen Chef Brady Dougan nun auf den von extern geholten Tidjane Thiam. © KEYSTONE/GAETAN BALLY
Bei neuen Chefs setzen Firmen immer häufiger auf externe Kandidaten. Das gilt insbesondere für die Schweiz: Hier kam im vergangenen Jahr die Hälfte aller neu eingesetzten Chefs von ausserhalb des Unternehmens. Dies zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens PwC.

Früher sei das Holen eines Externen als Chef der letzte Ausweg gewesen, schreibt PwC. Firmen hätten dies etwa dann getan, wenn der bisherige Chef überraschend gegangen sei und ein geeigneter Nachfolger fehlte. Dies habe sich gewandelt.

Heute sei der externe Chef oft eine bewusste Entscheidung. Insbesondere Firmen, deren Geschäftsmodell bedroht sei, setzten gerne auf externe Kandidaten. Sie erhofften sich, dass diese den Herausforderungen besser und vor allem kompromissloser begegneten.

Die Zahlen bestätigen den Wandel: Bei den geplanten Chefwechseln wurde in den vergangenen vier Jahren weltweit in 22 Prozent der Fälle ein Externer geholt. In der Zeitspanne von 2004 bis 2007 war dies erst bei 14 Prozent der Wechsel der Fall gewesen. Die Zahlen basieren auf der Untersuchung der 2500 weltweit grössten börsenkotierten Unternehmen.

In vielen Branchen habe es in letzter Zeit grundlegende Veränderungen gegeben, sagt PwC-Partner Per-Ola Karlsson in einem Video auf der Webseite des Unternehmens. Daher seien die Fähigkeiten und Erfahrungen der bisherigen Manager unter Umständen nicht geeignet, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Zudem seien die Aktionäre heute viel aktiver, so Karlsson. Sie würden die Strategie hinterfragen, die Unternehmensführung und folglich auch, ob ein interner Chef wirklich die beste Wahl sei. Dazu komme, dass heute ganz grundsätzlich häufiger der Arbeitgeber gewechselt werde. Das gelte auch für CEOs.

Besonders hoch ist der Anteil externer Chefs in der Schweiz: Er lag im vergangenen Jahr bei 50 Prozent. Zum Vergleich: Weltweit betrug der Anteil im letzten Jahr 23 Prozent. PwC spricht von einem langfristigen Trend: Schweizer Unternehmen würden deutlich häufiger CEOs von aussen ins Unternehmen holen.

Dies habe mehrere Gründe: Erstens gebe es in der Schweiz sehr dynamische Aktionäre und viele Übernahmen. Beides führe eher zu externen Chefs. Zweitens seien im vergangenen Jahr in der Schweiz prominente Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten und hätten daraufhin auf externe CEOs gesetzt. Und drittens gebe es in der Schweiz eine “natürliche Präferenz” für externe Chefs, so PwC.

Die neuen Chefs von Schweizer Unternehmen sind nicht nur häufig Externe, sondern auch international: 53 Prozent der in der Schweiz im letzten Jahr eingesetzten Chefs seien Ausländer gewesen, schreibt PwC. Der Grund: Die vielen international tätigen Konzerne mit Hauptsitz in der Schweiz. Weltweit lag der Anteil bei 17 Prozent.

Ernüchternd fallen PwCs Befunde bezüglich der Frauen aus: Die 2500 grössten Unternehmen hätten im vergangenen Jahr 359 neue Chefs berufen. Davon seien gerade mal 10 Frauen gewesen. Das sind gerade mal 2,8 Prozent – und damit so wenig wie seit 2011 nicht mehr. Noch geringer ist der Anteil im deutschsprachigen Raum: Hier lag der Anteil bei 2,2 Prozent.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen