Schweizer Jungforscher gründete Naturpark in Afrika

Im Chinko-Becken lebten einst 20'000 Elefanten, heute sind es noch 140. Im Bild: Elefanten im kenianischen Tsavo-East-Nationalpark.
Im Chinko-Becken lebten einst 20'000 Elefanten, heute sind es noch 140. Im Bild: Elefanten im kenianischen Tsavo-East-Nationalpark. © KEYSTONE/EPA/STEPHEN MORRISON
Ein weisser Fleck auf der Landkarte im Herzen Afrikas faszinierte zwei junge Wissenschaftler aus der Schweiz und Österreich. Sie zeigten, dass das Chinko-Becken in der Zentralafrikanischen Republik ein Hotspot der Artenvielfalt ist und schufen einen Naturpark.

Das Chinko-Becken ist so gross wie Österreich, war aber weder von Strassen durchschnitten noch besiedelt, als der Schweizer Biologe Thierry Aebischer und der österreichische Human- und Sozialökologe Raffael Hickisch auf das Gebiet stiessen. Wissenschaftliche Daten über dieses einzigartige Patchwork aus Regenwald, Waldsavanne und Savanne waren rar.

“Wir hatten unabhängig voneinander Afrika bereist, dort gearbeitet und erlebt, wie Naturschutz oft in Konflikt mit lokaler Bevölkerung steht, statt den Leuten Zukunftsmöglichkeit zu bieten”, sagte Hickisch der Nachrichtenagentur APA. Die hohe Siedlungsdichte in den Feuchtsavannen enge die Lebensräume der Wildtiere ein und fragmentiere sie.

Die beiden sammelten 40’000 Euro für eine erste Expedition, mit Hilfe von Spenden, der Basler Wildtierstiftung und dem in der Region tätigen Safariunternehmer Erik Mararv. Sie erstellten eine Inventur vor allem der Grosssäugetiere und ihres Lebensraums im Chinko-Becken – und fanden ein Paradies vor.

Mit Fotofallen und zu Fuss abgegangene Transekt-Linien wiesen sie mehr als 80 grosse und mittelgrosse Säugetierarten nach, darunter Elefanten, 23 Huftier- und 24 Raubtierarten, sowie elf Primatenarten. Bei der jüngsten Expedition wurden erstmals Schimpansen gesichtet. In die Kamerafallen tappten Arten, die afrikaweit bedroht sind und regional als ausgerottet galten, etwa der Afrikanische Wildhund.

Durch die Vielfalt an Lebensräumen, die in dem Mosaik von Regenwald und Savanne aneinanderstossen, kommen im Chinko-Becken Arten gemeinsam vor, die üblicherweise in sehr unterschiedlichen Gegenden leben, betonte Hickisch: “Wir haben ein Bild, in dem eine Roanantilope ein Riesenwaldschwein konfrontiert, das eine ein typisches Savannen-, das andere ein typisches Regenwaldtier.”

Gegenden wie diese an der Grenze von Wald und Savanne gefallen aber nicht nur Wildtieren, sondern sie sind auch die fruchtbarsten Ackergebiete und werden von Menschen stark besiedelt und genutzt. Das Chinko-Becken ist ungewöhnlich dünn besiedelt, laut Hickisch eine Folge von Sklavenhändlern, die bis ins 20. Jahrhundert das Gebiet entvölkert haben.

2013 gründeten Aebischer und Hickisch gemeinsam mit lokalen Partnern das “Chinko Project”, aus dem allen politischen Wirren zum Trotz der über 17’000 Quadratkilometer grosse Chinko-Naturpark resultierte. Hickisch hat sich gemeinsam mit dem Safariunternehmen um Aufbau, Leitung und Finanzierung der Organisation gekümmert.

Der Naturpark hat mittlerweile rund 120 Angestellte, darunter mehr als 60 Parkranger. Das Konzept sieht vor, die Aussenbereiche des Gebietes für Jagdsafaritourismus zu nutzen. Dieser soll auch von der lokalen Bevölkerung organisiert werden. Der Kernbereich soll dagegen dem Fototourismus vorbehalten bleiben. Anders sei das Projekt nicht finanzierbar, sagte Hickisch.

Die Parkranger beginnen derzeit erst, das Gebiet zu patrouillieren und es gibt noch keine touristischen Aktivitäten. Nachdem der Naturpark auf gutem Weg ist, übergeben Hickisch und Aebischer ihre Aufgaben zunehmend an ihre Kollegen aus Zentralafrika.

Elfenbein-Wilderer und Vieh-Nomaden bereiten den Verantwortlichen indes Kopfzerbrechen: Bewaffnete Wilderer-Banden durchstreifen den Sudan, Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. 1980 wurde die Zahl der Elefanten im gesamten Chinko-Becken auf 20’000 geschätzt, heute sind es noch rund 140.

Viehhüter hingegen, die mit ihren Herden aus dem Sudan kommend durch das Chinko-Becken ziehen, vergiften Löwen und andere Raubtiere, die ihre Herden gefährden könnten. Auch sie wildern, um sich mit Fleisch zu versorgen und damit ein Zubrot zu verdienen.

(SDA)


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