Schweizer «K.o.-Künstler» will sich zum Champion krönen

Volkan Oezdemir erkämpfte sich einen MMA-Titelkampf in der Topliga UFC
Volkan Oezdemir erkämpfte sich einen MMA-Titelkampf in der Topliga UFC © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Mit dem Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Volkan Oezdemir tritt endlich wieder ein Schweizer in ein ganz grosses Scheinwerferlicht der Kampfsport-Welt. Denn mittlerweile sind schon 18 Jahre seit dem Hinschied der Schweizer Kampfsport- und «K1»-Legende Andy Hug in Japan vergangen.

Der seit Jahren im US-Bundesstaat Florida lebende Oezdemir greift in Boston nach einem WM-Titel auf höchster Ebene im Vollkontakt-Sport. Der 28-jährige Freiburger kämpft ein Jahr nach seinem Debüt als eingesprungener Ersatzkämpfer und mittlerweile 6:1 Siegen in der Ultimate Fighting Championship (UFC) um den Leichtschwergewichts-WM-Titel – als aktuelle Weltnummer 2.

Gegner ist der amerikanische Titelhalter Daniel Cormier. Der 38-Jährige war früher im Freistilringen Olympiateilnehmer 2004 und 2008 und WM-Dritter 2007 im Halbschwergewicht. Der Titelkampf in der Topliga des Vollkontakt-Sports ist auf 5 Runden à 5 Minuten angesetzt.

Der Spitzname von Herausforderer Oezdemir ist «No Time». Das ist eine Anspielung auf die K.o.-Qualitäten. Für die letzten beiden Kämpfe benötigte der Hundefreund insgesamt lediglich 70 Sekunden zum Sieg. Kein Wunder, wird Oezdemir in einschlägigen US-Kampfsportkreisen als «Swiss Knockout Artist» (K.o.-Künstler) bezeichnet.

Dabei schenkt Oezdemir, ein Sohn einer Schweizerin und eines kurdischen Türken, seinen Gegnern vor dem Fight ab und zu noch Schokolade. Doch unterlegene Kontrahenten im berüchtigten Achteck-Käfig Oktagon halten auch von den Kämpfer-Qualitäten viel von Oezdemir. «Er kann die Welt mit einem Sieg gegen Cormier schocken. Und er hat das Zeug dazu, diesen Fight auch als Underdog zu gewinnen», sagte Jimi Manuwa gegenüber mmafighting.com. Manuwa war vom Schweizer Ende Juli in der ersten Runde k.o. geschlagen worden.

Oezdemirs Gesamtbilanz als Kampfsportler umfasst 15:1 Siege (12 vorzeitig). Zu Beginn seiner Kampfsport-Laufbahn war Oezdemir unter anderem als Kickboxer bei den Amateuren und im Profilager aktiv (5:0 Siege als Profi).

In Kampfsport-Mekkas in Holland und Thailand baute Oezdemir seine Fähigkeiten aus. 2010 startete er dann in der Schweiz seine Karriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. In seiner Heimat hatte er allerdings hartes Los zu essen, schob Nachtschichten bei der Post oder arbeitete in einer Bar. Von einem Leben als Profikämpfer konnte er nur träumen. «Eine Schweizer MMA-Szene gab es nicht», stellt Oezdemir rückblickend fest.

«Es war schwierig, die richtigen Trainer oder Kämpfe zu finden. Und wenn ein Fight fixiert war, kam es oft vor, dass der Gegner absagte.» Erst in den Staaten konnte sich Oezdemir seinen Traum als Profi realisieren. Und als MMA-Fighter auf Topliga-Stufe UFC auch seine Leidenschaft zum Beruf machen. Für seinen letzten Kampf, den 42-Sekunden-Erfolg gegen Manuwa, kassierte er 110’000 Dollar Kampfbörse plus eine Bonuszahlung von 50’000 Dollar für die «herausragende Vorstellung des Abends».

Oezdemirs Verbundenheit mit seiner Heimat zeigt er mit einem Zahnschutz in entsprechendem Design mit Schweizer Kreuz. «Es geht mir auch darum, der Welt zu zeigten, dass wir hier sind, Kämpfer und starke Athleten haben. Schliesslich liebe ich die Schweiz», sagte Oedzemir unlängst gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Seine bisherige Erfolgsstrategie bringt er auf diesen Nenner: «Ich überanstrenge mich im Kampf nicht. Auf überflüssige Bewegungen verzichte ich.»

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen