Schweizer Leichtgewichts-Vierer: Nur schwer zu schlagen

Für Mario Gyr, Simon Schürch, Lucas Tramèr und Simon Niepmann (von rechts nach links) startet heute die "Mission Gold"
Für Mario Gyr, Simon Schürch, Lucas Tramèr und Simon Niepmann (von rechts nach links) startet heute die "Mission Gold" © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Der Schweizer Leichtgewichts-Vierer ohne ist Welt- und Europameister. Nun wollen Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr auch Olympiasieger werden. Heute findet der Vorlauf statt.

Sechs Goldmedaillen haben die Schweizer Ruderer bislang an Olympischen Spielen gewonnen. Die letzten beiden holten vor 20 Jahren in Atlanta Xeno Müller im Skiff und die Gebrüder Michael und Markus Gier im Leichtgewichts-Doppelzweier. Die Chancen auf den siebten Streich sind mehr als gut. Der aus Neuseeland stammende Cheftrainer Ian Wright macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass für ihn nur der Olympiasieg zählt.

Das Selbstvertrauen bei den Schweizern ist gross. “Es wäre falsch, wenn wir als amtierender Weltmeister nach Rio kommen und sagen würden: ‘Schauen wir mal'”, erklärte Gyr. “Für das haben wir nicht die letzten zehn Jahre trainiert und auf vieles verzichtet. Wir wissen, was wir können, sind jedoch nicht abgehoben. Wir wissen auch, was unsere Gegner können, insbesondere Dänemark und Neuseeland.” Die Dänen holten drei von fünf Goldmedaillen, seit der Leichtgewichts-Vierer ohne eine olympische Disziplin ist, und standen jedes Mal auf dem Podest. Vom Siegerteam von 2008 ist Morten Jörgensen immer noch dabei.

Die Neuseeländer konnten das Schweizer Paradeboot in den letzten zwei Jahren als einzige Mannschaft in einem A-Final bezwingen – 2015 in Varese und auf dem Rotsee sowie in diesem Jahr erneut in Luzern. Letztere Niederlage war die einzige mit Gyr als Schlagmann. Allerdings hatte dieser zuvor einen Rippenbruch erlitten, weshalb er während zweieinhalb Wochen nicht mit seinen Teamkollegen trainierte. Insofern waren die Voraussetzungen alles andere als optimal. “Wir wissen, was nicht gut war und haben das verbessert”, so Gyr.

Bei Ian Wright, der sein Amt mit harter Hand ausübt, ist das Programm komplett auf den Saisonhöhepunkt ausgerichtet. Eine Niederlage gegen seine Landsleute in Rio de Janeiro würde ihn mehr als ärgern. Dass sein System aufgeht, zeigte sich an der letztjährigen WM auf dem Lac d’Aiguebelette, wo die Schweizer mit einem Vorsprung von 2,27 Sekunden triumphierten. Die Neuseeländer wurden lediglich Vierte.

Auch diesmal ist der Leichtgewichts-Vierer, der aus präventiven Gründen auf den Weltcup-Final Mitte Juni in Poznan verzichtet hat, bestens gerüstet. “Wir hatten sehr gute sieben Trainingswochen, blieben alle verletzungsfrei und gesund”, sagte Gyr und betonte, dass dies bei 30 Stunden Training pro Woche nicht selbstverständlich sei. “Wir machten noch einmal einen Schritt nach vorne, fuhren ähnliche Zeiten, wenn nicht gar noch bessere, wie im vergangenen Jahr, als wir die WM dominierten. Das gibt uns sehr viel Vertrauen und Zuversicht, dass es gut kommt.”

Während vier Wochen wurden die Intensitäten nach oben geschraubt, um nochmals einen Reiz zu setzen. Dabei hätten sie den Puls auf 193, 194 hoch gejagt, so Gyr, der von einem “Raubbau am Körper” sprach. Wright hielt sie bewusst in einem Loch, das Quartett kam jeweils völlig erschöpft ins Training. Seither gilt das Augenmerk der Erholung. Für Gyr sind es die schönsten Tage des Jahres. “Wir haben plötzlich extrem viel Zeit, es werden wieder viele Bücher gelesen. Es ist total lässig, wenn man am Morgen aufsteht und das Gefühl hat, Bäume ausreissen zu können. Es ist aber gut, dass es am Samstag losgeht.”

Die schwierigen Bedingungen mit dem Wind stellen für Gyr kein grosses Problem dar. “Es ist für alle gleich. Das ist das Wichtige. Es entscheidet sich im Kopf, wer die Medaillen gewinnt. Wir machten alles in unserer Macht stehende, damit wir am 11. August (dann findet der Final statt – Red.) unsere Topleistung abliefern. Gelingt uns das, ist es extrem schwierig, uns zu schlagen.”

(SDA)


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