Nati will im Prestigeduell nochmal überzeugen

Nationaltrainer Vladimir Petkovic spricht am Montagabend beim Abschlusstraining im Ernst-Happel-Stadion in Wien zur Mannschaft
Nationaltrainer Vladimir Petkovic spricht am Montagabend beim Abschlusstraining im Ernst-Happel-Stadion in Wien zur Mannschaft © KEYSTONE/EPA APA/HERBERT PFARRHOFER
Heute Dienstag (20.45 Uhr) testet die Schweizer Nationalmannschaft ein letztes Mal in diesem Jahr. Gegen Nachbar Österreich will die SFV-Auswahl in der EM-Testserie einen ersten Akzent setzen.

In Wien wollen die Schweizer den zwiespältigen Eindruck ihrer misslungenen Darbietung gegen die Slowakei (2:3) widerlegen. Für sie wird wichtig sein, vor der viermonatigen Nationalmannschaftspause ein positives Ergebnis zu generieren. Sie haben zumindest einen Auftritt im Sinn, der die Zuversicht nicht weiter schmälert, in Frankreich einen Coup zu schaffen.

Nati hat schweren Stand

Unerheblich sind Testspiele im Hinblick auf eine EM-Endrunde keinesfalls, manchmal öffnen sie den Beteiligten sogar unvermittelt die Augen. In Trnava beispielsweise verdeutlichte sich, dass diverse Kandidaten aus der zweiten Reihe ihre Ambitionen zwar selten verheimlichen, im entscheidenden Moment auf dem Terrain dem Druck aber regelmässig nicht standhalten.

Kurzum: Der zweite Anzug sitzt nicht, nur in bestmöglicher Formation ist die Schweiz in der Lage, ihrer Top-11-Klassierung im FIFA-Ranking gerecht zu werden. Die Breite im Kader ist auf gehobenem Niveau wie in den meisten anderen Auswahlen auch knapp. 15 Spieler kommen für den engeren EM-Kreis infrage – mehr nicht.

Viele Spieler gesetzt

Die Abwehr um den Juve-Star Stephan Lichtsteiner stellt sich praktisch von selbst auf, im offensiven Bereich sind die Plätze eigentlich ebenfalls vergeben – an Xherdan Shaqiri, Haris Seferovic und Admir Mehmedi ist nur schwer vorbeizukommen. Einzig im defensiven Mittelfeld ist die Zeit der Experimente nicht zu Ende. Nur zwei von drei in der Zentrale sind in den Planungen von Vladimir Petkovic unbestritten: Granit Xhaka, der zurzeit verletzt fehlt, und Valon Behrami, dessen natürliche Autorität niemand anzweifelt.

Hält Petkovic weiterhin an seiner strategischen Idee fest, die Mannschaft in einem 4-3-3 zu gruppieren, müsste er im Normalfall auf Captain Gökhan Inler setzen – Alternativen haben sich am letzten Freitag keine aufgedrängt. Sollte sich Inlers schwierige Situation in Leicester im Frühling weiter verschlechtern, müsste der Coach entgegen seinen taktischen Plänen auf der Sechserposition ein Zweierticket lösen und eben doch auf die 4-2-3-1-Formation zurückgreifen.

Sommer sorgt sich nicht

Zu klären wird auch sein, ob die Schwankungen innerhalb der letzten beiden Spiele – schon beim Abschluss der EM-Ausscheidung in Estland (1:0) überzeugten die Schweizer nur vereinzelt – mit Konzentrationslücken zusammenhängen, ob die Equipe nur in speziellen Fällen bereit ist, im mentalen Bereich die Grenzen auszuloten.

Yann Sommer, der nach auskurierter Nasenverletzung wieder ins Tor zurückkehrt, will die längeren “Timeouts” nicht überbewerten: “Das passiert manchmal.” Der Kluballtag halle oft nach. Jeder sei wohl in der Slowakei ein bisschen mit sich selber beschäftigt gewesen, mutmasst der Keeper von Borussia Mönchengladbach.

Ernsthafte Sorgen, vor gegen 40’000 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion erneut bedrohlich unter Druck zu geraten, verneint Sommer. Das prestigeträchtige Duell stehe unter anderen Vorzeichen. Gegen die aufstrebenden Österreicher gehe es darum, “Selbstvertrauen zu sammeln, sich gut einzuspielen. Es wird ein guter Test, um zu sehen, wo wir stehen.”

ÖFB-Auswahl bereit

In den Reihen des Gastgebers sind keine Zweifel auszumachen. Das Team hat landesweite eine Welle der Euphorie ausgelöst. Die beste Qualifikations-Kampagne seit bald zwei Dekaden und der Vorstoss auf Platz 10 der Weltrangliste belegen die enormen Fortschritte während des vierjährigen Engagements von Marcel Koller.

Den 55-jährigen Zürcher mit 55 Länderspielen für die Schweiz tragen sie an der Donau inzwischen auf Händen. Er hat eine Einheit geschaffen, die einen Erfolg an den nächsten reihte. Nur England stürmte mit mehr Punkten an die Endrunde. Kollers Team bietet sich im letzten Heimspiel die Chance, erstmals seit 1996 ein Länderspieljahr ungeschlagen zu beenden.

(SI)


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