Weidegans statt Truthahn als Festschmaus

Gras fressen statt Leber stopfen: Schweizer Bauern entdecken die Weidegans. (Archivbild)
Gras fressen statt Leber stopfen: Schweizer Bauern entdecken die Weidegans. (Archivbild) © KEYSTONE/ARNO BALZARINI
Gänsebraten als Weihnachtsschmaus: Über die Festtage dürfte in manchem Schweizer Haushalt eine Gans auf den Teller kommen – und zwar eine aus Schweizer Produktion. Die Zahl der Schweizer Bauern, die Weidegänse halten, hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Gansabhauet, Kinderlieder – mit der Gans sind viele Bräuche verknüpft. Nun soll sie auch als Festschmaus die Schweiz erobern. Seit 2013 gibt es den Verein weidegans.ch, der die Gänsehaltung in der Schweiz fördern will. Zu Beginn machten nur 18 Landwirte mit, die 1110 Weidegänse hielten. Heute sind es bereits 44 Bauern mit fast 2800 Gänsen, wie Dominik Füglistaller vom Verein auf Anfrage der sda sagte.

Für Füglistaller ist die Weidegans ein Nischenprodukt mit Potenzial. Auch die Grossverteiler sind auf den Trend aufgesprungen. Coop verkauft jedes Jahr über die Festtage etwa 400 einheimische Gänse. Die Zahl ist gemäss einem Sprecher leicht gestiegen.

Auch die Migros ist seit diesem Jahr bei der Initiative mit dabei, gibt aber keine Zahlen bekannt. Gans sei weniger gefragt als Truthahn, sagte eine Migros-Sprecherin. Die Verkaufszahlen seien rund zwanzig Mal tiefer. Dank der Schweizer Herkunft könnte die Gans gegenüber dem Truthahn jedoch noch zulegen.

Als Futter bekommt die Weidegans in erster Linie Weidegras. Sie soll so natürlich wie möglich auf das gewünschte Schlachtgewicht kommen.

Die Weidegans hat allerdings ihren Preis. Bei Coop und Migros kostet sie eineinhalb bis zwei Mal so viel wie ein Truthahn. Die Gans wird am Stück verkauft – vier bis sechs Kilogramm sind es jeweils.

Einmal gekauft, stellt sich die Frage: Wie wird daraus ein Festschmaus? “Die Leute fragen sich oft, wie eine Gans zubereitet wird”, sagt Flüglistaller, der bei weidegans.ch für die Finanzierung zuständig ist. Der Verein arbeite daher an einem Kochbuch.

Trotz steigender Nachfrage rechnet Füglistaller aber nicht damit, dass Gänse bald zu einem traditionellen Weihnachtsfestmahl werden wie etwa Fondue Chinoise.

Gänsebraten hat im Norden Europas Tradition. Gegessen wird er hauptsächlich zwischen dem Martinstag am 11. November und Weihnachten. In den deutschsprachigen Regionen ist das Gericht bekannter als in den französischsprachigen.

Anders der Truthahn: Dieser wird laut einem Coop-Sprecher in der Westschweiz häufiger verkauft als in der Deutschschweiz. Als Liebhaber der Foie gras kennen die Westschweizer Gans zwar gut. Schweizer Gänse enden jedoch nicht als Foie gras – das Stopfen ist in der Schweiz seit 1978 verboten.

“Wir müssen zeigen, dass es Alternativen zur Foie gras gibt und dass Gans auch in anderen Formen gegessen werden kann”, sagt Füglistaller. In der Westschweiz sieht er noch Potenzial.

Dem Verein weidegans.ch gehören indes momentan nur drei Westschweizer Bauern an. Das “Mekka der Gans” liegt in Bern und in der Ostschweiz – jenen Regionen, aus denen die Vereinsgründer kommen. Die französische Schweiz sei schlecht vertreten, gibt Füglistaller zu. Im März will sich der Vorstand mit der Strategie und damit auch mit diesem Thema befassen.

(SDA)


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