Käsebranche verdient 2015 mit Exporten weniger Geld als im Vorjahr

Schweizer Käse ist im Ausland weiterhin beliebt, jedoch sanken die Erlöse im vergangenen Jahr wegen des starken Frankens.
Schweizer Käse ist im Ausland weiterhin beliebt, jedoch sanken die Erlöse im vergangenen Jahr wegen des starken Frankens. © KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Die Schweizer Vorzeigekäsemarken Emmentaler, Gruyère und Appenzeller haben im vergangenen Jahr im Ausland einen schweren Stand gehabt. Die Exporte in die EU-Länder schmolzen weg. Grund dafür ist laut der Branche der starke Franken. Sie fordert nun Massnahmen.

Die Bilanz für das Exportjahr 2015 sei durchzogen, teilte die Switzerland Cheese Marketing AG (SCM) am Freitag mit. Zwar wurde 0,3 Prozent mehr Käse ins Ausland geliefert – insgesamt gingen 68’459 Tonnen Schweizer Käse, Schmelzkäse und Fertigfondue an ausländische Kunden. Der kleine Anstieg rührt aber nur daher, dass die Käseausfuhren in Nicht-EU-Länder angezogen haben.

Die Entwicklung im Hauptabsatzmarkt, der Europäischen Union, erfüllt die Käsebranche dagegen mit Sorge. Mengenmässig wurde 1,5 Prozent weniger Käse in die EU exportiert. Insbesondere die Exportschlager Schweizer Emmentaler AOP (-9,5 Prozent), Le Gruyère AOP (-3,4 Prozent) und Appenzeller (-3,2 Prozent) waren vergangenes Jahr weniger beliebt im Ausland als auch schon. Diese drei Sorten machen über zwei Fünftel des gesamten Exportgeschäfts aus.

Als Grund für die negative Entwicklung nennt SCM die “verstärkte Konkurrenzsituation wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses”. Sie habe dafür gesorgt, dass Milchbauern, Käser und Händler 2015 deutlich weniger Geld mit Käseexporten verdient hätten als im Vorjahr – die Einnahmen gingen um 3,8 Prozent auf rund 614 Millionen Franken zurück. Vielen ausländischen Anbietern war Schweizer Käse wohl zu teuer.

“Die Befürchtungen der Schweizer Käsewirtschaft haben sich bewahrheitet”, schreibt SCM. Mit der Aufhebung der Milchkontingentierung und der Weiterführung des Russland-Embargos habe sich die Situation zusätzlich verschärft.

Weil sich dies in absehbarer Zeit nicht ändern wird, schlägt die Käsebranche nun Alarm. “Im stark umkämpften EU-Markt sind koordinierte Absatzförderungsmassnahmen für Schweizer Käse am Verkaufspunkt wichtiger denn je.”

Von einer Krise will die Branche aber nichts wissen. Schweizer Käse geniesse im In- und Ausland weiterhin das Vertrauen der Konsumenten. Diese zeigten sich nach wie vor bereit, den im Vergleich teureren Schweizer Käse zu kaufen.

Hauptabnehmer bleiben Deutschland, Italien und Frankreich. Vier von fünf exportierten Käsen gehen in die Schweizer Nachbarländer.

Immer beliebter wird Schweizer Käse in Übersee: Die Exporte dorthin nahmen um 8,9 Prozent zu. Auch nach Russland wurde viel mehr Käse ausgeliefert, jedoch sind diese Märkte mengenmässig viel kleiner als der EU-Markt.

Auffällig in der letztjährigen Entwicklung sind die starken Exportschwankungen. Waren die Halbjahreszahlen noch klar positiv, nahmen die Ausfuhren gegen Ende des Jahres stark ab. Vor allem das wichtige Weihnachtsgeschäft sei “sehr schlecht” gewesen. Die Exporte im Dezember brachen weg – um 6 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei den Käseimporten. Mit der Aufwertung des Schweizer Frankens wurden Einkäufe von ausländischem Käse nämlich viel günstiger. Deshalb wurden 2015 rund 3 Prozent mehr Käse eingeführt, insgesamt 55’432 Tonnen. Über vier Fünftel der Importe stammen aus Italien, Frankreich und Deutschland.

(SDA)


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