Science Fiction im Thurgau

Von Dario Brazerol
Das Equipment der Crew steht dem der Profis in Nichts nach.
Das Equipment der Crew steht dem der Profis in Nichts nach. © FM1Today/Dario Brazerol
Im Thurgau finden Dreharbeiten zu einem Science-Fiction-Film statt. Hinter dem Projekt steht kein grosses Filmstudio, sondern eine Gruppe Jugendlicher zwischen 18 und 20 Jahren.

In der alten Werkstatt von Noa Röthlisbergers Grossvater herrscht reges Treiben. Jugendliche mit Headsets wuseln hin und her. Jeder hat hier seine eigene Aufgabe und erledigt diese aus voller Überzeugung: Vor der Werkstatt machen die beiden Hauptdarsteller eine letzte Probe. Der Kameramann installiert seine Kamera auf einer sogenannten «Dolly», einem Transportwagen für Kamerafahrten. Die Requisiteure richten alles so ein, damit die Werkstatt nach einem wissenschaftlichen Labor aussieht. Dass man nicht in Hollywood ist, bemerkt man erst, als es in breitestem Thurgauer Dialekt heisst: «Ton? Bereit! Kamera? Bereit! Und Action!»

Vorbild «Interstellar»

Über 20 junge Erwachsene arbeiten seit dem 7. April am Science-Fiction-Kurzfilm «Stiller Planet». Die treibende Kraft hinter dem Film ist der Drehbuchautor und Leiter des Projekts, der 18-jährige Noa Röthlisberger. Er selbst nennt Christopher Nolans «Interstellar» also grosse Inspiration für den Film. Logisch also, dass Themen wie Wissenschaft, Raumfahrt aber auch die menschliche Psyche zum Thema werden: «Im Film geht es um einen Wissenschaftler, der bei der Welt Raketen Organisation arbeitet. Für ihn ist seine Arbeit sein Leben. Nach einem schweren Unfall muss er aus dem tiefen Loch, in das er gefallen ist, wieder herausfinden.»

«Dieser Take war extrem lit»

Gedreht wird heute auf dem Bauernhof von Noas Grosseltern. Im Stall wird ein Labor eingerichtet, in dem die beiden Hauptprotagonisten Alan und Seraya aufeinander treffen. Die ersten Aufnahmen werden gemacht und sobald es «Action!» heisst, herrscht Totenstille. Der jugendliche Überschwung kommt erst nach dem «Cut!» wieder zum Vorschein. «Dieser Take war extrem lit», schwärmt der Kameramann und auch die Schauspieler sind sichtlich zufrieden. Für den jungen Hauptdarsteller, Leo Thomas, bietet die Rolle des Raketenwissenschaftlers einen besonderen Reiz: «Alan ist eine sehr komplexe Person, die nicht zu schätzen weiss, was sie im Leben hat. Er ist nie nur zufrieden oder nur genervt. Das zu spielen, ist mega interessant.»

30’000 Franken Budget

«Die jungen Leute, die hier mitmachen, bringen eine enorme Leidenschaft mit ans Set. Das ist auch ausschlaggebend für unsere Effizienz», sagt Noa Röthlisberger. Um das ambitionierte Projekt überhaupt auf die Beine zu stellen, reichen Leidenschaft und Effizienz aber nicht aus. Das teure Profi-Equipment kostet. «Wir haben das ganze durch Crowdfunding, private Sponsoren, Kultur- und Jugendförderungen finanziert.» Insgesamt sind somit über 30’000 Franken zusammengekommen. Cast und Crew sehen davon aber nichts. «Es ist ein Non-Profit-Projekt», sagt Hauptdarstellerin Jenny Kitzka. «Wir machen das alle, weil wir es wirklich wollen.»

Keine Anfänger

Die junge Schauspielerin ist keine blutige Anfängerin vor der Kamera: «Ich durfte bereits bei einem Werbespott mitspielen, war schon oft bei Castings. Natürlich klappt es nicht immer, aber ich bleibe dran.» Auch für die Rolle der Seraya in «Stiller Planet» musste sie ein Casting durchlaufen – eine Rolle, die sie fordert: «Mich in Seraya hineinzuversetzen, ist nicht immer einfach, weil sie doch eine Mischung zwischen Gut und Böse in sich trägt. Sie hat ein Geheimnis, welches sie davon zurückhält, so zu sein, wie sie eigentlich ist. Das mit der Mimik und Gestik rüberzubringen, ist eine Herausforderung.» Die entspannte Atmosphäre am Set mache die Arbeit aber einfacher.

Nächster Stop Hollywood?

«Der Mix zwischen Spass und Professionalität funktioniert gut», sagt Noa Röthlisberger. So konnte auch der dichte Zeitplan für die Dreharbeiten bis jetzt eingehalten werden. Die letzte Klappe für «Stiller Planet» fällt bereits am 15. April – die Woche Frühlingsferien muss für die Jugendlichen reichen. Mit dem Film hat man aber noch Grosses vor: «Wir machen eine grosse Premiere hier in Weinfelden. Danach wollen wir den Film auf verschiedene Festivals bringen.» Und dann, nächstes Ziel Hollywood? «Das wäre schön, man darf ja noch träumen.»


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