Seid schlau, trinkt Parmelin-Wein – Ein Trinkspruch wird zum Slogan

"Seid schlau, trinkt Wein von Parmelin!" Vertreter der Waadtländer SVP stiessen mit diesem Tropfen auf die Wahl von Guy Parmelin an.
"Seid schlau, trinkt Wein von Parmelin!" Vertreter der Waadtländer SVP stiessen mit diesem Tropfen auf die Wahl von Guy Parmelin an. © Philippe Reichen, Tages-Anzeiger
Erst angespannt, dann feucht-fröhlich: So wandelte sich im Verlaufe des Morgens die Stimmung der SVP-Sympathisanten, die in einem Berner Restaurant die Bundesratswahlen auf Grossleinwand verfolgten. Sie unterstützten Parmelin – und stiessen kräftig auf ihn an.

Grosse Aufmerksamkeit galt von Anfang einem Tisch in der Mitte des Saals: jenem mit Freunden und Anhängern von Guy Parmelin.

Dort sassen SVP-Lokalpolitiker oder Weinbauern aus den Nachbargemeinden von Bursins im Kanton Waadt. “Wir sind hier, um Guy zu unterstützen”, sagt einer von ihnen. Aus diesem Grund haben sie Wein von Parmelin mitgenommen, mit dem sie bereits anstossen: eine Flasche Rotwein, eine Flasche Weisswein.

Auf der Etikette steht der Spruch: “Du pain, du vin, de Bursins. Mais soyez malin: Buvez du Parmelin”. Auf Deutsch etwa: “Seid schlau, trinkt Wein von Parmelin!” Im Verlauf des Morgens wird dem Wein des Waadtländer Bundesratskandidaten immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Er wird ausgeschenkt, gekostet, die Flaschen werden herumgereicht und wandern von Hand zu Hand.

Im Rest des Saals kommt zu Beginn nur zögerlich Stimmung auf. Die Abschiedsrede von Eveline Widmer-Schlumpf scheint die Anwesenden nicht gross zu interessieren. Die Stühle im 1. Stock des Restaurants sind fast alle besetzt, laut den Veranstaltern haben 100 Leute darin Platz.

Als SVP-Präsident Toni Brunner am Fernsehen seinem bisherigen Bundesrat Ueli Maurer die Note “sehr gut” erteilt, wird im “Empire-Saal” zum ersten Mal freudig geklatscht. Die Einspielung der Ansage des damals frisch gewählten VBS-Chefs, die Schweiz habe “die beste Armee der Welt”, sorgt unter den Parteifans vereinzelt für Heiterkeit.

Als Maurer wiedergewählt wird, erwacht der Saal schliesslich. Wenig später betritt der Bundesrat den Saal. Er schüttelt Hände, nimmt Gratulationen entgegen. Seine Heimbasis, die Hinwiler SVP, ist zahlreich vertreten und jubelt ihm zu. Weiter hinten im Saal, in der Nähe einer riesigen Nidwaldner Flagge, ertönt eine Kuhglocke. “Bravo Ueli!”, ruft ein Anhänger in den Saal.

Dann geht das Warten auf die letzte Runde der Bundesratswahl weiter. Bei der Bekanntgabe des Wahlresultats von Alain Berset herrscht eisernes Schweigen. Ebenso bei der Kritik der GLP am Konzept der Ausschlussklausel. Beim Auftritt von SP-Fraktionschef Roger Nordmann ertönen Buhrufe, nach seiner angriffigen Rede geht ein Raunen durch den Saal.

Die Forderung von Balthasar Glättli nach mehr Frauen in der Regierung wird im Saal, der mehrheitlich mit Männern besetzt ist, mit fast schon höhnischem Gelächter quittiert.

Für Heiterkeit sorgt erst wieder eine Fernsehaufnahme, die Thomas Aeschi zeigt, der mit einem riesigen Aktenstapel im Arm emsig durchs Parlament schreitet. Dann beginnt die entscheidende Wahl, es wird ganz Still im Saal.

Nach dem ersten Wahlgang geht ein grosses “Oh” durch die Reihen. Viele der im Saal anwesenden hatten auf Aeschi gehofft oder mit ihm gerechnet. Als Parmelins Wahl feststeht, gibt es grossen Applaus. Das Waadtländer Grüppchen erhebt sich, an den anderen Tischen, vornehmlich mit Deutschschweizern besetzt, lassen sich die SVP-Anhänger etwas mehr Zeit zum Aufstehen. Die Kuhglocke ertönt wieder.

Doch auch die Deutschschweizer scheinen mit der Wahl des Romands zufrieden. “Ich bin sehr glücklich”, sagt etwa Ernst Gächter, Präsident der SVP von Oberried im St. Galler Rheinthal. Die Konkordanz sei wiederhergestellt, der zweite Sitz endlich zurückerobert. Parmelin sei aufgrund seiner langjährigen politischen Tätigkeit durchaus “der richtige Mann, um anzupacken, was den Bürgern unter den Nägeln brennt”.

Auch die Parteimitglieder aus Nidwalden zeigen sich glücklich. Klar, als Innerschweizer hätten sie einen Sieg Aeschis gerne gesehen. Aber Parmelin sei auch gut, meint einer von ihnen. Dass er ein Romand ist, sei kein Problem.

Später gesellt sich ein Grüppchen fröhlicher Westschweizer in den Saal, es wird eng um den Waadtländer Tisch in der Mitte des Saals. Eigentlich feiert die SVP Waadt in einem anderen Restaurant in der Bundesstadt. Nun wird im Äusseren Stand ausgelassen angestossen. “Der Wein hat offensichtlich Glück gebracht”, kommentiert ein mit Parmelin befreundeter Weinbauer.

(SDA)


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