Akquisitionen und Investitionen belasten Marge bei SGS

Frankie Ng, CEO der SGS, kann sich über starke Halbjahreszahlen freuen, will aber nicht euphorisch werden. (Archiv)
Frankie Ng, CEO der SGS, kann sich über starke Halbjahreszahlen freuen, will aber nicht euphorisch werden. (Archiv) © KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI
Der weltweit grösste Warenprüfkonzern SGS ist auch im ersten Halbjahr stark gewachsen – um 5,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken. Allerdings ist die Genfer Gruppe wegen Investitionen und Übernahmen weniger profitabel – auch zur Überraschung der Analysten.

Konzernchef Frankie Ng gab sich am Montag vor den Medien gelassen. “Wir investieren Schritt für Schritt in die Digitalisierung und die Optimierung unseres Geschäfts.” Grund für den Margenrückgang ist der Umbau der IT-Infrastruktur und der Aufbau am polnischen Standort Katowice, wo die Dienstleistungen für das Europa-Geschäft mit mehreren hundert Angestellten zentralisiert werden.

Diese Investitionen sind laut Ng ein wichtiger Treiber, um die operative Marge bis Ende 2020 wie geplant über das Niveau von 18 Prozent zu bringen. Im ersten Halbjahr 2016 ist die Marge vorerst um 0,8 Punkte auf 14,2 Prozent zurückgegangen, im letzten Jahr hatte sie noch 16,1 Prozent betragen.

Zudem haben sich die jüngsten Übernahmen als wenig profitabel erwiesen. Kumuliert trugen sie nur 1 Million Franken zum operativen Ergebnis beigetragen. Der um Abschreibungen, Restrukturierungs- und Integrationskosten bereinigte operative Gewinn nahm leicht um 0,2 Prozent auf 411 Millionen Franken ab.

Ohne Bereinigung um diese Sonderfaktoren erhöhte sich der Betriebsgewinn (EBIT) um 18 Prozent auf 394 Millionen Franken. Unter dem Strich verdiente der Genfer Konzern nach Minderheiten 258 Millionen Franken, was einem Plus von 21 Prozent entspricht.

Das weltweite Handelsumfeld präsentiere sich nach wie vor als herausfordernd, schreibt SGS in einer Mitteilung. Insbesondere Kunden aus der Energie- und Minenbranche würden Projekte und Aufträge weiterhin verschieben. Zu schaffen machten dem Konzern auch die tiefen Rohstoffpreise.

Bei der wichtigsten Sparte, dem Öl-, Gas- und Chemikaliengeschäft, ging der Umsatz entsprechend um 1,8 Prozent auf 549 Millionen Franken zurück. Ein Minus von 3 Prozent verzeichnete auch das Mineraliengeschäft. Organisch lag das Minus jedoch nur bei 0,3 Prozent.

Hohe Wachstumsraten im einstelligen Bereich verzeichnete SGS dagegen in Geschäftsbereichen wie den Dienstleistungen für Behörden und Institutionen, sowie dem Konsumgüterbereich. Zweistellig wuchs der Konzern bei Umweltstandards und dem Geschäft mit Zertifikaten für Unternehmen.

Insgesamt steigerte SGS den Umsatz im ersten Halbjahr um 5,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken, in Lokalwährungen gar um 7,0 Prozent. Das Umsatzplus geht dabei fast zur Hälfte auf das Konto von Übernahmen. Alleine in den ersten sechs Monaten hat der Konzern zehn Firmen zugekauft, so viele wie im gesamten Jahr zuvor.

An den Zielen vom laufenden Jahr hält der Genfer Konzern fest. Er geht von einem organischen Wachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent aus. Gutes Potenzial bietet aus seiner Sicht etwa der chinesische Markt, der sich in vielen Bereichen erst zu öffnen beginne. Kaum beeinflussen dürfte das Brexit-Votum die Geschäftsentwicklung von SGS. Der Konzern erwirtschaftet in Grossbritannien nur rund 3,5 Prozent des Umsatzes, wie CEO Frankie Ng erklärte.

Vom Halbjahresergebnis enttäuscht zeigte man sich an der Börse. Bis Handelsschluss sank der Aktienkurs um 4,75 Prozent, während der Gesamtmarkt leicht fester notierte. Wenig gut kamen besonders die schwächeren Margen an. Händler sprechen aber auch von Gewinnmitnahmen. Dabei sind die Valoren auch ein Opfer ihres eigenen Erfolges: Am Freitag noch hatten die Papiere in der Hoffnung auf gute Semesterzahlen ein neues Rekordhoch erreicht.

(SDA)


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