Sharon Dodua Otoo gewinnt Bachmann-Preis – Kelag-Preis für Zwicky

Sie wusste im Vorfeld des Wettlesens nicht, um welch renommierte Auszeichnung sie kämpfen würde: die diesjährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo.
Sie wusste im Vorfeld des Wettlesens nicht, um welch renommierte Auszeichnung sie kämpfen würde: die diesjährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo. © Keystone/APA/GERT EGGENBERGER
Ein Ei, das für das Frühstücksritual einfach nicht hart werden will und ein Eigenleben entwickelt: Der Bachmann-Gewinnertext von Sharon Dodua Otoo war humorvoll wie doppelbödig. Der Zürcher Dieter Zwicky darf sich über den Kelag-Preis freuen.

“Manchmal wache ich auf und denke: Heute bin ich ein Ei. Zugegeben: Das passiert mir nicht oft”, heisst es im Text von Sharon Dodua Otoo. Mit ihrem amüsanten Werk überzeugte die im deutschsprachigen Raum bislang unbekannte Autorin die Juroren des Ingeborg-Bachmann-Preises.

Die gebürtige Britin mit Wurzeln in Ghana erhielt dafür am Sonntag in Klagenfurt den mit 25’000 Euro dotierten Hauptpreis der 40. Tage der deutschsprachigen Literatur. Die Kritiker verorteten den unaufgeregten Text “Herr Gröttrup setzt sich hin” zwischen Parodie und Parabel.

Die Literaturkritikerin Hildegard Keller fand, man könne nur schwer “vergnügter von der Reinkarnation erzählen”. Sie sah eine Persiflage auf Loriots Ei-Nummer mit hintergründigem Charme. Der Beitrag zeige auf, was der Bachmann-Preis auch zum 40. Jubiläum seines Bestehens leisten könne: “Einer neuen Stimme die Bühne zu geben, die es verdient hat”, so Keller.

Kelag-Preisträger Zwicky war in diesem Jahr als einziger Schweizer Autor zum Wettlesen angetreten. Nach seinem Auftritt als Letzter am Samstag war klar, dass der Zürcher mit seinem Text “Los Alamos ist winzig” zu den Favoriten gehören würde, erhielt er doch praktisch einstimmiges Lob von der Jury für Inhalt und Vortragsweise.

Im Text hat die Hauptrolle die Stadt Los Alamos inne, der Protagonist, der soeben den Krebs besiegt hat, höchstens eine Nebenrolle. Juror Juri Steiner, der Zwicky eingeladen hatte, bezeichnete den Autor als einen “Zauberkünstler, einen Imaginisten, der permanent mit der einen Hand ablenke, um mit der anderen einen Trick zu machen”. Es sei die Geschichte davon, wie man sich selber etwas vormacht.

Juror Klaus Kastberger fand Zwickys Text “vergnüglich”, alleine für die Sprache habe er eine Auszeichnung verdient. Der Kelag-Preis ist mit 10’000 Euro dotiert. Für Zwicky war es nicht die erste Teilnahme am Wettlesen; bereits 2007 war er nach Klagenfurt gereist, damals aber ohne Preis nach Hause gekehrt.

Der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels, der als einziger kein Lob für Zwickys Text übrig hatte, wies auf die Vielseitigkeit des Wettbewerbs hin. 14 Teilnehmer aus acht Nationen präsentierten drei Tage lang ihre Werke.

Die vier Preise gingen an vier verschiedene Nationen und stellten vor allem eine neue Generation starker Frauen ins Rampenlicht: Neben der Britin Otoo erhielten noch die Deutsche Julia Wolf und die Österreicherin Stefanie Sargnagel Auszeichnungen. Zwicky blieb der einzige geehrte Mann.

(SDA)


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