Sicherheitsdirektor verurteilt Angriff auf Restaurant

Die Traube blieb am Samstag geschlossen.
Die Traube blieb am Samstag geschlossen. © St.Galler Tagblatt Archiv
Nach dem Angriff von Vermummten auf die Wirtin und drei Gäste des Restaurants Traube in Bazenheid vom Samstag verurteilt der St. Galler Sicherheitsdirektor Fredy Fässler die Tat aufs Schärfste.

Richard Clavadetscher/St.Galler Tagblatt

Der St.Galler Sicherheitsdirektor Fredy Fässler zeigt sich nach dem Angriff auf die Wirtin und drei Gäste des Restaurants Traube überzeugt, dass die Polizei künftig besonderes Augenmerk sowohl auf das Restaurant wie das Dorf insgesamt haben werde. In einem Nebengebäude der «Traube» hielt zur Tatzeit  die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) eine Versammlung ab. Ob der Angriff ihr gegolten hat und irrtümlich die Wirtin traf, ist vorerst nicht bekannt.

Auf die Frage, ob denn das Toggenburg nach seinen Kenntnissen inzwischen zu einer bevorzugten Region für Leute mit rechter Gesinnung geworden sei oder im Begriff sei, es zu werden, meint der St. Galler Sicherheitsdirektor, er hoffe es nicht. Allerdings sei inzwischen allgemein bekannt, dass sich Gruppierungen mit der erwähnten Gesinnung eher in ländlichen Gebieten träfen. Das Toggenburg aber sei ja nicht die einzige ländliche Region im Kanton St. Gallen.

Gemeindepräsident nimmt Stellung

In einer ersten Stellungnahme verurteilte auch Roman Habrik, Gemeindepräsident von Kirchberg, wozu Bazenheid gehört, den Angriff  auf die Wirtin der «Traube» in Bazenheid; er distanziere sich «von jeder Art von Gewalt». Dass Bazenheid ein bevorzugter Treffpunkt von Personen mit rechter Gesinnung sei,  verneint das Gemeindeoberhaupt. Ihm seien weitere Treffen dieser Art «nicht bekannt». Und er verweist dabei auf Aussagen der Pnos von gestern, wonach diese ihr Treffen erstmals in die «Traube» verlegt habe. Weiter hat Habrik in seiner Gemeinde bisher auch  keine rechtsextremistischen Tendenzen feststellen können. Das exakte Gegenteil sei der Fall: «In der Schule, in der Kirche sowie in den Vereinen wird mit grossem Engagement aktive und hervorragende Integrationsarbeit geleistet.»

Aufgrund des gestrigen Vorfalls sieht Habrik seine Gemeinde denn auch nicht in der Pflicht, etwelche Massnahmen zu ergreifen: «Zuständig für den Vorfall von gestern sind die Strafverfolgungsbehörden.» Und er vertraut dabei auf die Polizei: Falls notwendig, werde sie die richtigen Vorkehrungen treffen, um Geschehnisse dieser Art künftig zu verhindern. Habrik geht indes davon aus, «dass der Vorfall nicht speziell etwas mit Bazenheid zu tun hat». Seiner Überzeugung nach funktioniert das Zusammenleben in der Gemeinde Kirchberg gut.

Wem galt der Angriff?

Die Polizei hat zurzeit noch keine neuen Erkenntnisse. Man ermittle aber gegenwärtig «in alle Richtungen», so Polizeisprecher Krüsi. Die gewählte Formulierung bedeutet, dass den Ermittlern zurzeit einerseits nicht klar ist, ob die Täter – wie danach schnell geäussert – tatsächlich ein politisches Motiv für ihren Angriff hatten und wem anderseits die Attacke konkret galt: explizit der Wirtin oder den Teilnehmern der Pnos-Versammlung, die die Angreifer irrtümlich in der Gaststube vermuteten. Für den zur Tatzeit anwesenden Ignaz Bearth, stellvertretender Pnos-Sektionschef und Mitbegründer von Pegida Schweiz, ist die Sachlage aber klar: Gestern beschuldigte er Linksautonome der Tat. Bekanntlich ist die «Traube» in Bazenheid vor rund zwei Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil dort dunkelhäutige Asylbewerber nicht bedient ­wurden.

Dieser Artikel erschien am 16.10.2017 im St.Galler Tagblatt


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