«Hernandez und Vanin sollen gehen»

Von Fabienne Engbers
Sylvia Fuhrimann hat an der Generalversammlung des FC St.Gallen Kritik an der Führung geübt.
Sylvia Fuhrimann hat an der Generalversammlung des FC St.Gallen Kritik an der Führung geübt. © FM1Today/Fabienne Engbers
An der GV der FC St.Gallen AG ist nicht ein Verwaltungsrat oder ein Spieler aufgefallen. Nein, es war eine 59-jährige Frau, die sich als langjähriger Fan zu erkennen gab. Ihre Kritik an der Führung des FCSG löste in der Halle tosenden Applaus aus. Wir haben sie besucht.

Sylvia Fuhrimann aus Neukirch-Egnach (TG) ist seit 54 Jahren Fan vom FC St.Gallen. «Als ich noch ein kleines Kind war, hat mich mein Vater zu den Spielen mitgenommen. Als ich zehn war, durfte ich dann auf dem Feld aushelfen. Früher bin ich auch oft an Auswärtsspiele mitgereist, heute mache ich das nur noch selten», sagt die 59-Jährige. Ihr Herz gehört dem FC St.Gallen, das merkt man, sobald sie davon zu erzählen beginnt. Doch Sylvia Fuhrimanns Herz ist momentan schwer, die Lage in der Chefetage macht ihr zu schaffen.

«Der Applaus war befreiend»

Darum hat sie an der Generalversammlung der FC St.Gallen AG, an der alle Verwaltungsräte, wie auch Verwaltungsratspräsident und CEO Stefan Hernandez, teilnahmen, all ihren Mut zusammengenommen und sich vors Mikrofon gestellt. «Meine Stimme war zittrig, ich hätte heulen können», sagt sie einen Tag nach ihrem Auftritt.

Sylvia Fuhrimann kritisierte die Führungsspitze des FC St.Gallen. «Es geht nur noch um Macht, das stört mich. Deshalb habe ich gegen Hernandez und Vanin gestimmt», sagte sie an der GV. Auf ihre Aussage folgte grosser Applaus. «Man hat schon zu Beginn der GV aus anderen Reihen vernommen, dass viele mit dem momentanen Vorgehen der Unternehmensleitung nicht einverstanden sind. Es ist beschämend, was momentan passiert», sagt Sylvia Fuhrimann im Interview mit FM1Today.

Der Auftritt an der GV der FC St.Gallen AG:

Auch wenn es sie all ihren Mut gekostet hat, ihr Handeln hat sich für sie gelohnt. «Der Applaus hat mich darin bestätigt.»

«Drecklete geht wieder los»

In ihren 54 Jahren als Fan hat Sylvia Fuhrimann schon einiges erlebt. Nun bangt sie aber um den FC St.Gallen. «Es tut einfach weh, wenn man sieht, dass die ‹Drecklete› wieder losgeht. Nach Fröhlich und Mistura dachte man, es kehre Ruhe ein. Jetzt fängt das Ganze wieder von vorne an.» Dieter Fröhlich war von 2004 bis 2008 Präsident des FC St.Gallen, Bill Mistura von 2008 bis 2012 Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des FC St.Gallen.

Aktuell stösst bei Sylvia Fuhrimann auf Unverständnis, dass Michael Hüppi und Pascal Kesseli den Verwaltungsrat der FC St.Gallen Event AG verlassen. Beide seien gute Menschen, die sich für die richtigen Dinge eingesetzt hätten. «Dass nun Köpfe rollen, weil jemand Kritik an der Führung geäussert hat, kann ich nicht verstehen.» Deshalb fordert Sylvia Fuhrimann die Absetzung von Stefan Hernandez und Nachwuchs-Chef Feruccio Vanin.

«War noch nie an einer GV»

Schon seit Langem ist Sylvia Fuhrimann Aktionärin der FC St.Gallen AG. An einer Generalversammlung hat sie bislang noch nie teilgenommen. «Dieses Jahr hat es mir den ‹Deckel gelupft›. Ich habe mir selbst gesagt, ‹Frau Fuhrimann, jetzt gehst du an diese GV›.»

Es war ihre erste, sicherlich aber nicht ihre letzte Generalversammlung. «Nächstes Jahr werde ich wieder gehen und hoffe, dass sich bis dahin Einiges getan hat», sagt die 59-Jährige. Sie bangt um ihren Klub. «Wenn man hört, dass die Saison 18/19 finanziell nicht gesichert ist, fragt man sich, was da oben falsch läuft.»

«Stehe weiterhin hinter der Mannschaft»

Auch wenn Sylvia Fuhrimann mit der aktuellen Situation in der Führungsetage nicht zufrieden ist, steht sie nach wie vor hinter der Mannschaft. «Natürlich bin ich ab und zu wütend. Als der FCSG gegen Lausanne spielte, sind meine Kollegin und ich aus Frust in der 60. Minute gegangen. Aber als ich dann zu Hause war, habe ich meinen Cognac getrunken und dann war es wieder vergessen.» Auch nach 54 Jahren schlägt ihr Herz für grün-weiss. «Das ist mein FC St.Gallen, daran hänge ich und der ist in meinem Herzen. Fertig.»


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