Siebtes Babyfenster der Schweiz im Basler Bethesda-Spital

Mütter in einer Notsituation können ab Donnerstag auch im Basler Bethesda-Spital ihr Neugeborenes anonym in die sichere Obhut von Fachleuten geben.
Mütter in einer Notsituation können ab Donnerstag auch im Basler Bethesda-Spital ihr Neugeborenes anonym in die sichere Obhut von Fachleuten geben. © Foto: Martin Heutschi, sda
Verzweifelte Mütter können nun auch in der Region Basel ihr Neugeborenes anonym in die sichere Obhut von Fachleuten geben: Im Basler Bethesda-Spital steht ab Donnerstag ein Babyfenster zur Verfügung.

Mit diesem Angebot solle verhindert werden, dass Babys ausgesetzt oder gar getötet werden, sagte Spitaldirektor Thomas Rudin am Mittwoch vor den Medien. Auch solle den Neugeborenen eine bessere Zukunft ermöglicht werden.

Legt eine Mutter ihr Kind in die neue Babyklappe, wird nach drei Minuten ein Alarm ausgelöst. Fachleute der neuen Geburtsklinik des Bethesda-Spital kümmern sich danach um das Baby.

Mit jenem im Privatspital Bethesda gibt es in der Schweiz inzwischen sieben Babyfenster. In diese wurden bisher 16 Neugeborene gelegt, sagte Dominik Müggler, Präsident der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind (SHMK).

Die Stiftung, die gegen Abtreibungen ist, finanzierte sechs dieser Einrichtungen. Mit dem Bethesda-Spital hat sie schon vor zwölf Jahren das Gespräch aufgenommen.

Das erste Babyfenster ist seit 2001 in Einsiedeln in Betrieb. In dieses wurden bisher elf Neugeborene gelegt, das letzte Mitte September. Babyfenster gibt es mittlerweile auch in Bern, Davos GR, Olten SO, Zollikon ZH und Bellinzona. Ein soll im kommenden Februar im Spital Wallis in Sitten in Betrieb genommen werden.

Eine Babyklappe gibt es im Raum Basel bereits ennet der Grenze im süddeutschen Lörrach. Bis vor kurzem hatte es danach ausgesehen, dass es in der Nordwestschweiz selbst vorderhand keine Babyfenster gibt. Der Baselbieter Landrat sprach sich nämlich im September bei der Behandlung eines SVP-Vorstosses gegen ein solches Angebot aus.

Das Parlament folgte damit der Baselbieter Regierung, die beim Babyfenster unter anderem das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung verletzt sah. Die Exekutive gab der ebenfalls in einem Vorstoss aufs Tapet gebrachten Möglichkeit zur diskreten Geburt als Alternative zum Babyfenster den Vorzug.

In einer Stellungnahme zu den Vorstössen plädierte auch das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) für eine anonyme oder teilanonyme Geburt in einem Spital. Beim Babyfenster sei weder die Geburt unter akzeptablen medizinischen Standards gewährleistet noch die gute Betreuung und Kind vor und nach der Geburt, gab das UKBB zu bedenken.

SHMK-Präsident Müggler räumte am Mittwoch ein, dass die in eine Notlage geratenen Mütter ihre Babys oft unter schwierigen Bedingungen in Hausgeburten zur Welt bringen. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Neugeborenen aus den Babyfenstern zumeist falsch abgenabelt seien. In einem Fall sei das Kind mitsamt der Plazenta ins Fenster gelegt worden.

Bis jetzt seien aber alle Schweizer Babyfenster-Kinder gesund, hielt Müggler fest. Dessen Stiftung will für das ganze Land elf solche Angebote bereitstellen.

Laut dem SHMK-Präsidenten hat sich bisher mehr als die Hälfte jener 16 Mütter gemeldet, die ihr Kind in ein Babyfenster gelegt haben. Zwei von ihnen machten von ihrem Recht Gebrauch, ihr Kind zurückzuverlangen. Die Freigabe zur Adoption erfolgt erst nach mehr als einem Jahr.

Das Bethesda-Spital will es laut seinem Direktor nicht beim Babyfenster bewenden lassen. Schon im kommenden Februar will das unter anderem auf Frauenmedizin spezialisierte Krankenhaus auch die vertrauliche oder diskrete Geburt anbieten. Die nötigen Vorbereitungen sind bereits im Gang.

(SDA)


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