Silvesterchläuse kommen einen Tag früher

Silvesterchläuse feiern den alten Silvester in der Nähe von Urnäsch.
Silvesterchläuse feiern den alten Silvester in der Nähe von Urnäsch. © Tagblatt/Benjamin Manser
Im Appenzellerland muss man einen Tag früher aufstehen, um die berühmten Silvesterchläuse zu sehen. Weil der 31. Dezember auf einen Sonntag fällt, sind die Chläuse bereits am Samstag unterwegs. Am Sonntag verbietet das Brauchtum das Silvesterchlausen.

Um sie zu sehen, reisen Touristen aus der ganzen Welt ins Appenzellerland – die Silvesterchläuse. Es gibt «schöni», «schön-wüeschti» und «wüeschti» Chläuse die vor allem wegen ihres Kopfschmuckes auffallen. Dieses Jahr braucht es nicht so viel Geduld, bis die Chläuse von Haus zu Haus ziehen und mit einem «Zäuerli» das neue Jahr einläuten. Die Silvesterchäuse kommen einen Tag früher. «Die Kirche hat einst ein solches Verbot erlassen», erzählt Walter Frick, Kurator des Appenzeller Brauchtummuseums Urnäsch in der Appenzeller Zeitung.

Wildes Herumtreiben einschränken

Aus welcher Zeit das Verbot stammt ist unklar. Vermutlich aus den Ursprüngen des Silvesterchlauses, welches 1663 das erste Mal in einem schriftlichen Hinweis erwähnt wurde. Für Frick ist es nicht aussergewöhnlich, dass die Silvesterchläuse einen Tag früher kommen. Das Verbot gehöre zum geschichtlichen Hintergrund des Brauches und soll deshalb auch ausgelebt werden. «Die Kirche führte das Verbot ein, um das immer wilder werdende Herumtreiben einzuschränken.»

Ob die Touristen nun den Termin verpassen und statt am Samstag am Sonntag in aller Frühe im Appenzellerland stehen, das stört Walter Frick nicht, der selbst als Silvesterchlaus herum zieht: «Ich chlause, um den Hausbewohnern ein gutes neues Jahr zu wünschen.» Der Tourismus störe ihn nicht. Trotzdem freue er sich über alle Besucher, die den Brauch miterleben wollen.

Auch ein paar Chläuse am Sonntag unterwegs

Das auch die angereisten Asiaten am Sonntag den einen oder anderen Chlaus ausmachen, ist nicht auszuschliessen. Denn trotz des Verbots dürfte es einige Spasschläuse haben. «Ich denke auch dieses Jahr werden einige Schuppel am 31. Dezember unterwegs sein.» Diese würden aber nicht bereits am Morgen früh los, sondern erst am Mittag oder beim Eindunkeln. Sie tragen auch nicht die schöne Kopfbedeckung vom Vorabend, sondern ein originelles Spasschlausen-Groscht. «Das Spasschlausen-Groscht ist weniger aufwendig. Teilweise benutzen die schönen Chläuse dieses auch an Silvester, wenn das Wetter schlecht ist. Denn das schöne Groscht würde schnell kaputtgehen», erzählt Walter Frick.

Hier seht ihr wo und wann die Silvesterchläuse umher ziehen: Silvesterchlausen Appenzellerland

(abl)

 


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