SNB dürfte vor Brexit-Votum nicht an Zinsschraube drehen

Heute wird Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Geldpolitik belassen wie sie ist. Das könnte sich jedoch bereits nächste Woche ändern. (Archiv)
Heute wird Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Geldpolitik belassen wie sie ist. Das könnte sich jedoch bereits nächste Woche ändern. (Archiv) © KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Wenn heute die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Zinsentscheid bekannt gibt, wird sie vermutlich auf scharfe Worte anstatt auf Taten setzen. Vor dem Votum der Briten zu einem Austritt aus der EU (Brexit) in einer Woche besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf.

Für die Schweizer Geldpolitik bedeutende Notenbanken wie die EZB Anfang Juni und die amerikanische Fed gestern Mittwoch belassen im Hinblick auf das Brexit-Votum der Briten ihre Geldpolitik, wie sie ist.

Die EZB hatte den Leitzins bei Null belassen und die Negativzinsen bei minus 0,4 Prozent. In der Schweiz liegt der Negativzins derzeit bei 0,75 Prozent. Damit ist die Zinsdifferenz zum wichtigsten Handelspartner gewahrt. Für die SNB besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf.

Doch ganz anders könnte das nur schon in einer Woche aussehen. Derzeit liefern sich in Grossbritannien Befürworter und Gegner eines Austritts aus der EU ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sollten sich die Briten mehrheitlich für einen Austritt entscheiden, dann erwarten Experten übereinstimmend, dass der Franken gegenüber dem britischen Pfund und dem Euro massiv teurer werden wird.

Verunsicherte Investoren werden Milliarden von der britischen Insel abziehen und ihr Geld in den sicheren Hafen des Schweizer Frankens schaffen. Dieses Szenario sorgt für Nervosität auf den Finanzmärkten: Der Franken wertet bereits tendenziell auf. Gegenüber dem Euro ist er so teuer wie zuletzt vergangenen März.

Sollte sich bestätigen, was die Nervosität vorweg nimmt, sollten die Briten die EU verlassen wollen, dann wird die SNB unmittelbar eingreifen müssen: mit massiven Interventionen auf den Devisenmärkte und allenfalls mit einer Verschärfung des Negativzinses, um Anleger davon abzuhalten, ihr Geld in den sicheren Hafen des Frankens zu bringen.

(SDA)


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