SNB-Präsident glaubt noch nicht an Zinswende

"Aus meiner Sicht ist es aber noch zu früh, von einer eigentlichen Trendwende zu sprechen", sagte SNB-Direktor Thomas Jordan zu steigenden Zinsen. (Archivbild)
"Aus meiner Sicht ist es aber noch zu früh, von einer eigentlichen Trendwende zu sprechen", sagte SNB-Direktor Thomas Jordan zu steigenden Zinsen. (Archivbild) © KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
Für den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, ist es trotz leicht anziehender Zinse noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen. Längst nicht alle Faktoren sprächen für steigende Zinsen, sagte Jordan in einem Interview.

Es gebe vielerorts immer noch Strukturprobleme, die Inflation und Wachstum tief hielten, sagte Jordan im Interview mit der «Basler Zeitung», dem «Tages-Anzeiger» und «Bund». «Erst wenn diese mit Reformen überwunden werden und damit zusätzliches Wachstum generiert werden kann, erwarte ich, dass das Zinsniveau anhaltend ansteigt. So weit sind wir aber noch nicht.»

Trotz insbesondere in den USA gestiegener Zinse bleibe die Geldpolitik der Nationalbank (SNB) darauf «ausgerichtet, den Druck auf den Franken zu reduzieren. »Für uns bleibt im Moment der Negativzins ein zentrales Element bei der Umsetzung der Geldpolitik.”

Jordan bekräftigte damit frühere Aussagen, dass sich am Negativzins – derzeit bei minus 0,75 Prozent – vorerst nichts ändert. «Wir haben immer noch eine leicht negative Teuerungsrate in der Schweiz, unsere Produktionskapazitäten sind nach wie vor nicht voll ausgelastet, und der Franken ist immer noch deutlich überbewertet», sagte Jordan. In dieser Konstellation bleibe die expansive Geldpolitik angemessen.

Auf die Folgen der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten angesprochen, sagte Jordan: «Bisher hat vor allem die Unsicherheit zugenommen». Man wisse noch gar nicht, welche Wirtschaftspolitik die USA künftig betreiben werden. «Eine seriöse Beurteilung ist daher im Moment nicht möglich.»

Für die Nationalbank werde es wichtig sein abzuschätzen, welche Handels- und Fiskalpolitik die neue US­Regierung führen werde und ob es zu Änderungen bei der US-Geldpolitik kommen werde. Während des Wahlkampfs hatte Trump wiederholt die Tiefzinspolitik kritisiert.

Nicht offenlegen wollte Jordan, ob die Nationalbank nach der Wahl Trumps am Devisenmarkt intervenierte. Seit dem unerwarteten Wahlsieg legte der Dollar zum Franken zu, der Euro schwächte sich ab. Es sei etwas Normales, dass es zu Kursschwankungen komme, wenn etwas Überraschendes passiert sei, sagte Jordan.

(SDA)


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