«So einen Fall gab es im Rheintal noch nie»

Mitte April erwischte das Grenzwachtkorps III einen Kokainschmuggler, der 92 Fingerlinge in seinem Körper trug. Für das Grenzwachtkorps ein besonderer Fall: Einen Bodypacker mit so viel Drogen im Körper ging ihm noch nie ins Netz.

«Wir im Rheintal hatten noch nie eine solche Menge. Normalerweise schlucken so genannte Bodypacker 600 bis 800 Gramm», sagt Martin Tschirren, Mediensprecher der Grenzwachtregion III. So ein Fingerling habe etwa zehn Gramm. «Der Mann hat 92 Fingerlinge geschluckt, hatte also fast ein Kilo Kokain im Körper. Das ist eine grosse Menge.» Ganz vereinzelt habe es am Flughafen Zürich schon Fälle gegeben, die über ein Kilo in sich trugen. «Aber das sind ganz wenige Ausnahmen.»

Betäubungsmittel so zu transportieren ist äusserst gefährlich. «Wir mussten auch schon Notoperationen machen, denn wenn nur einer dieser Fingerlinge platzt, kann das zum Tod führen», sagt Tschirren.

Klare Merkmale für Bodypacker

Doch wie merkt das Grenzwachtkorps, dass ein Mann Drogen in sich trägt? «Es gibt verschiedene Indizien bei Bodypackern. Zum Beispiel sehr markanter Schweiss. Wir machen auch Drogentests. Bei jemandem, der Drogen in sich trägt, zeigt das klar an», sagt Tschirren. Beim Fall des 22-jährigen Nigerianers kam hinzu, dass er schon ausgeschrieben war wegen einer Einreisesperre. «Die Person wollte 2014 als Flüchtling einreisen, die Voraussetzungen waren jedoch nicht erfüllt.»

1,5 Tage bis alle Fingerlinge draussen waren

Zudem verstrickte sich der junge Mann in falschen Aussagen und war fast etwas zu kooperativ. «Er wollte möglichst schnell aus der Kontrolle raus, das erhärtete den Verdacht weiter.» So wurde der Verdächtige ins Kantonsspital gebracht. Dort wurde er geröntgt und man erkannte die 92 Fingerlinge in seinem Körper. Der 22-jährige Mann wurde an die Kantonspolizei St.Gallen überführt. Dort wurde er in einer Spezialzelle untergebracht, bis er alle Fingerlinge ausgeschieden hatte. «In den Zellen gibt es dafür Spezialtoiletten.» Es dauerte laut Tschirren 1,5 Tage, bis er alles ausgeschieden hatte. «Natürlich alles unter ärztlicher Aufsicht. Abführmittel werden nicht verwendet.»

(red.)


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