So hast du keine Angst vor Spinnen mehr

Von Vanessa Kobelt
Arachnophobie ist die weit verbreitete Angst vor Spinnen.
Arachnophobie ist die weit verbreitete Angst vor Spinnen. © KEYSTONE/AP/DARKO VOJINOVIC
Herzrasen und schweissnasse Hände – das lösen Spinnen in mir aus. Obwohl es hierzulande keine giftigen Spinnen gibt, geht es vielen Menschen so wie mir. Von einem Hypnosetherapeuten erhoffe ich mir Tipps gegen die Spinnenphobie.

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und schon werde ich nervös. Denn: Mit dem Herbst kommen die Spinnen. Immer öfters stelle ich mir die Frage, wann wohl die erste Spinne in meiner Wohnung auftaucht. Was dann passiert: Ich gerate in Panik, verlasse fluchtartig den Raum und könnte mich gleich darauf zum Mond schiessen, weil ich mir denke: Warum kann ich nicht einfach normal reagieren?!

Als Kind hatte ich keine Angst vor Spinnen – ganz im Gegenteil zu meinen grossen Schwestern. Kaum tauchte ein Achtbeiner irgendwo auf, ging das Geschrei los. Immer mehr schwappte diese Angst auf mich über. Meine Mutter versuchte noch die Notbremse zu ziehen und gab allen Zimmermännern (Weberknechte, diese dünnen drahtigen Spinnen) Namen. Sie taufte sie Hansli, Fritzli, Peterli. Und siehe da: Tatsächlich machen mir Zimmermänner heute gar nichts aus! Trotzdem habe ich panische Angst vor allen anderen Spinnenarten, am meisten vor den grossen, schwarzen Winkelspinnen. Was soll ich also tun? Einfach damit leben? Nein, habe ich mir gedacht und Rat bei einem Experten gesucht.

Ivo Rütsche ist Hypnosetherapeut in Rümlang (ZH) und behandelt Menschen mit Angst und Ekel vor Spinnen und anderen Tieren. Bei einem Interview gibt er mir Tipps, die Angst loszuwerden.

Ivo Rütsche, gibt es verschiedene Arten von Spinnenphobien?
Ich würde sagen, es ist bei vielen Menschen sehr ähnlich. Die meisten haben die Angst von klein auf, sie ist einfach unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt solche, die jeden Raum nach einer Spinne absuchen. Andere wiederum haben tagelang ein komisches Gefühl, wenn kürzlich eine Spinne im Raum war.

Sie sagen von klein auf… Braucht es einen Auslöser für die Angst oder ist sie angeboren?
Dazu gibt es verschiedene Theorien. Ich denke, es ist oft ein Erlebnis aus der Kindheit, zum Beispiel, wenn schon die Eltern Mühe mit Spinnen hatten. Eine andere Theorie bezieht sich auf das Aussehen der Spinne. Wobei, meine Erfahrung hat gezeigt, dass viele Menschen zum Beispiel weniger Mühe mit Vogelspinnen als mit Hausspinnen haben. Vogelspinnen sind langsamer und somit besser kontrollierbar, als eine Hausspinne.

Kann man etwas gegen eine Spinnenphobie machen?
Ja, ich behandle viele Menschen mit der Hypnose-Therapie. An Insektenbörsen therapiere ich Betroffene auch kostenlos, das nächste Mal im September in Kloten. Ein grosser Teil kann schon nach einer Sitzung gut mit Spinnen umgehen. Man muss ja nicht mit Spinnen kuscheln können wie mit einem «Büsi». Hauptsache man kann ruhig bleiben und ist fähig, die Spinne zum Beispiel in einem Glas nach draussen zu bringen.

Gibt es Möglichkeiten, sich selbst zu therapieren?
Es gibt verschiedene Varianten. Eine Methode ist die Konfrontation, das heisst, immer wieder versuchen, sich der Spinne zu nähern. Am besten zusammen mit einem Menschen der keine Angst hat. Für viele Menschen ist diese Methode aber sehr schwierig umzusetzen.

Ich hatte schon Patienten, die den Spinnen Namen gegeben haben. Heisst eine Spinne Fritz oder Kathrin, wirkt sie womöglich sympathischer. Eine weitere Möglichkeit ist die Klopftechnik – dazu gibt es im Internet gute Anleitungen. Man stellt sich eine Situation mit einer Spinne vor und klopft bestimmte Punkte ab – zum Beispiel rechts vom Auge.

Wie soll man mit einem Menschen umgehen, der an einer Spinnenphobie leidet?
Man sollte diese Menschen zu nichts drängen, es macht keinen Sinn ihnen einen Gutschein für eine Angsttherapie zu schenken. Solange der Betroffene nicht selbst bereit ist etwas zu ändern, nützt es nichts. Es bringt auch nichts, wenn man ihm sagt: «Mach nöd sones Gschiss, es isch nur e Spinne. » Die Angst ist real und die Person kommt nicht einfach durch Worte aus diesem Zustand raus. Am besten geht man darauf ein, versucht die Spinne zu entfernen und hilft der Person aus der Situation rauszukommen.

Auch der Walter Zoo Gossau bietet ein Spinnen-Angstseminar an. Alle Infos dazu gibt es hier. Wie sich unsere Praktikantin im Angstseminar geschlagen hat, erfährst du hier.

(kov)


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