So jubelst du vor deinem Nachbarn

Die einen jubeln schon, bei den anderen hat der Schütze noch nicht einmal den Ball. An der Fussball-WM fallen die Verzögerungen vom TV-Signal besonders auf.
Die einen jubeln schon, bei den anderen hat der Schütze noch nicht einmal den Ball. An der Fussball-WM fallen die Verzögerungen vom TV-Signal besonders auf. © istock
Die Fussball-WM ist in vollem Gang. Weil das TV-Signal nicht bei allen gleichzeitig ankommt, erleben die einen Tore früher als andere. Hier erfährst du, wer beim Zuschauen den anderen voraus ist.

Die Leinwand steht, das Bier ist kühl und alle deine Freunde haben sich versammelt. Ein perfekter WM-Abend kann beginnen! Blöd nur, wenn im Garten nebenan jedes Mal schon gejubelt wird, bevor das Goal auf deiner Leinwand passiert. So eine Verzögerung kann schon mal die Stimmung versauen.

Nicht alle Signale sind gleich schnell

Seit in der Schweiz im Jahr 2015 das analoge Fernsehen abgeschafft wurde, schauen alle digital fern. Die Verbreitungsarten sind aber nicht überall gleich schnell, sagt Ralf Beyeler, Telecom-Experte beim Vergleichsdienst Moneyland. «Je nach Empfangsmöglichkeit, müssen die Signale umgerechnet werden. Umso häufiger das geschieht, umso länger geht die Übertragung». Will heissen, die Signale werden ergänzt, beispielsweise mit Teletext oder einem Programmguide. Das braucht Rechenzeit und verursacht eine Verzögerung.

Antenne am schnellsten

Als erstes sieht man das Goal, wenn man via Antenne fernsieht, schreibt die Programmzeitschrift TV Star. Das Signal reist dann in rund fünf Sekunden vom Live-Event zum Zuschauer, jedoch natürlich ohne HD-Qualität. Eine Sekunde später können die Zuschauer mit Satellitenschüssel jubeln. Danach verstreichen weitere fünf Sekunden, bis der Ball auch bei den Kabelkunden im Netz zappelt. Fast zum Schluss kommen die Kunden von Sunrise- und Swisscom TV, sie haben insgesamt 13 Sekunden Verzögerung zum Live-Event.

Grösste Verzögerung im Internet

Am längsten auf das Goal warten müssen jene, die sich das Spiel im Internet anschauen, auf Streamingdiensten wie Zattoo oder Wilmaa. «Im Internet wird eine Art Puffer eingebaut», sagt Ralf Beyeler. «Das Spiel wird aus Sicherheit leicht verzögert, man will nämlich nicht, dass der Kunde einen Ausfall hat.» Es spielt dabei keine Rolle, ob der Stream auf dem Smartphone, einem Notebook oder auf Smart-TV geschaut wird. Je nach Internetverbindung und aktueller Last im Netz, nimmt die Verzögerung sogar noch zu, insgesamt sind es bis zu 30 Sekunden.

Auf die WM hin war Ralf Beyeler in Sachen Streaming-Dienste vor wenigen Wochen aber zuversichtlich. «Ich gehe davon aus, dass die Dienste ihre Kapazität auf die WM hin ausbauen. Ausserdem finden die Spiele meist nicht zu Bürozeiten statt, somit werden sich die meisten Zuschauer die Weltfussballmeisterschaft vermutlich nicht am Computer anschauen.» Und falls doch, sollte man sich wohl am besten in einem schalldichten Raum verschanzen, damit auch jedes Spiel ein Volltreffer wird.

(kov)


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