So soll das Boarding viel schneller gehen

Von Sandro Zulian
Im Zuge eines Tests boardeten 180 Probanden dasselbe Flugzeug drei Mal.
Im Zuge eines Tests boardeten 180 Probanden dasselbe Flugzeug drei Mal. © FM1Today/Sandro Zulian
Die nervigste Zeitspanne der Welt – das unsägliche Boarding eines Flugzeugs – dürfte bald markant angenehmer und schneller verstreichen. Die Sitzplatzverteilung soll revolutioniert werden. Das behauptet zumindest ein Schweizer Start-Up Projekt. Am Flughafen Zürich wurde die neue Boarding-Variante getestet.

«Ich versuche meist, ziemlich knapp am Flughafen einzutreffen», sagt Jean-Luc. «So kann ich dem nervenden Boardingtreiben ein wenig aus dem Weg gehen.» Jean-Luc ist einer der über 180 Probanden, die das neue, innovative «Ddyna Board» ausprobieren. Er ist gespannt auf das System, das alles verändern soll.

Jean-Luc ist flammender Aviatik-Freak.

Jean-Luc ist flammender Aviatik-Freak. (FM1Today/Sandro Zulian)

Wichtig ist nicht wo, sondern wieso

Ähnlich geht es Dani Frick. Er ist Co-Founder des Schweizer Start-Ups «Ddyna». Zusammen mit seinem Partner Daniel Trutmann hat er sich das optimale Boarding-Erlebnis auf die Fahne geschrieben. «Die Sitzplätze werden erst direkt am Eingang des Gates vergeben, nicht schon beim Einchecken», erklärt Frick. «Der Passagier wird während des Einsteigens von uns gewertet. Das System evaluiert, welcher Sitzplatz für den oder die Reisende am Besten ist, damit ein reibungsloses Boarding gelingt.»

Keine schreienden Kleinkinder mehr

Das solle nicht heissen, dass die Passagiere willkürlich irgendwo hingesetzt werden, betont Dani Frick: «Gruppen und Familien sitzen nach wie vor zusammen. Unsere Software berechnet per Algorithmus, wo sich die besten Plätze für welche Personen befinden, sodass es weder Stau noch Verwirrung gibt.» Einsam reisende Businessleute werden eher zueinander gesetzt, Familien ebenso. Heisst: Nie wieder ein Kleinkind, dass dem übermüdeten Geschäftsmann von hinten in den Sitz tritt. Dani Frick ist vor dem Versuch zuversichtlich, aber auch aufgewühlt: «Ich bin ziemlich nervös», gibt er zu. Schliesslich erhoffen sich die Verantwortlichen eine Zeiteinsparung von rund sechs Minuten. Statt 17 soll die durchschnittliche Boardingzeit auf elf Minuten verkürzt werden.

Freiwillige Flugzeugfreaks fürs Boarding

Am Flughafen Zürich, Gate A86 steht ein Airbus A320 der Airberlin. Das Flugzeug der Luftfahrtgesellschaft dient als Versuchskaninchen für das Schweizer Start Up. Genauso wie rund 180 Freiwillige, die sich beim Gate versammelt haben. Wie eben Jean-Luc. Er ist flammender Flugzeugfan und dementsprechend gespannt: «Ich weiss nicht genau, wie sie es machen wollen, bin aber neugierig auf dieses neue System.»

Ähnlich angetan von den Bussen der Lüfte sind auch Barbara Huber und ihre Tochter Nadja. «Wir lassen uns überraschen. Keine Ahnung wie das vonstatten gehen soll.» Für die beiden sind Flugzeuge die pure Leidenschaft. Eigentlich klar, sonst würden sie kaum freiwillig ein Flugzeug drei Mal hintereinander boarden, nur um wieder auszusteigen.

Barbara Huber mit Tochter Nadia.

Barbara Huber mit Tochter Nadia. (FM1Today/Sandro Zulian)

180 Personen steigen ein und aus, ein und aus, ein und aus

Dreimal leert und füllt sich der Bereich beim Terminal A86. Zwischendrin gibt die Crew Anweisungen. «Zieht bitte alle die Jacken wieder an! Wir wollen es so realitätsgetreu wie möglich machen», klingt es aus den Lautsprechern. Beim ersten Versuch kam bereits das neue Boardingsystem zum Zug. Im zweiten Versuch füllte sich das Flugzeug nach dem «Random-Prinzip». Das Prinzip, welches alle Fluggesellschaften bis dato nützen. Die Passagiere werden in den Flieger gelassen und suchen sich ihren Platz mehr oder weniger selbst. Nach dem dritten Test, der wiederum der «Ddyna-Methode» folgt, ist der Versuch beendet. Mit durchzogenem Resultat.

Positive Stimmen und Enttäuschung

«Wir haben eigentlich mit einer Verbesserung von sicher fünf Minuten gerechnet. Ein wenig enttäuscht bin ich schon», sagt Dani Frick. Im Durchschnitt gingen alle drei Durchgänge gleich lang. Ob «Ddyna Board» oder nicht. «Wir müssen den gesamten Test jetzt in Ruhe auswerten und schauen, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. » Ein Lichtblick gibt es jedoch laut Frick: Bei den Rückmeldungen waren praktisch alle Probanden von der Ddyna-Methode angetan. So auch Barbara Huber: «Bereits beim ersten Mal Boarding per ‘Ddynaboard’ habe ich gemerkt, dass viele Passagiere im Flugzeug bereits sassen. Ich musste mich nirgends durchquetschen und sass ziemlich flugs auf meinem Sitz. Das war angenehm!» Für den Otto-Normal-Flieger ist ein angenehmes Boarding wohl wichtiger, als allenfalls ein paar Minütchen Zeitersparnis.

Gemäss der Boarding-Methode des Schweizer Startups «Ddyna» soll das Boarden eines Flugzeuges um bis zu sieben Minuten schneller vonstatten gehen als bisher. In der Regel dauert Boarding zwischen 10 und 20 Minuten. Ein Airbus A320 ist durchschnittlich nach 17 Minuten mit Passagieren gefüllt. Mit Ddyna soll die Zeit auf elf Minuten verringert werden. Und so sieht das ganze in der Theorie aus:


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