So tickt der Feuerteufel von Rapperswil

Ein Brand im Oktober in Rapperswil-Jona.
Ein Brand im Oktober in Rapperswil-Jona. © KapoSG
Ende Oktober mehrere Brandanschläge, im November zwei Brände in einer Nacht, in der Nacht auf Mittwoch fünf weitere Feuer – die Meldungen aus Rapperswil-Jona wegen Brandstiftung häufen sich. Trotz Bildmaterial einer Überwachungskamera konnte der Täter noch nicht gefasst werden. Die Kantonspolizei ist ratlos. Für den Täter ist es ein Spiel und der Ruf nach Aufmerksamkeit.   

Seit Oktober hält ein Brandstifter die Feuerwehr von Rapperswil-Jona auf Trab. Im Oktober gab es mehrere Brandanschläge. Beim Brand einer Holzfassade ist ein Schaden von mindestens 70’000 Franken entstanden. Nach Brandstiftungen in der Nacht auf Mittwoch ist bei den Löscharbeiten ein Feuerwehrmann mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital eingeliefert worden. Wie durch ein Wunder hat der “Feuerteufel” bislang noch keinen grösseren, fataleren Schaden angerichtet.

Keine Hinweise

Trotz Aufruf nach Zeugen hat die Kantonspolizei noch keine Hinweise auf die Täterschaft. Man ermittle und die Spurensicherung arbeite mit Hochdruck an dem Fall, sagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St.Gallen. “Zu diesem Zeitpunkt kann ich noch nichts zur Täterschaft sagen”, sagt er. Auch wisse man nicht mit endgültiger Sicherheit, ob die verschiedenen Fälle wirklich miteinander zusammenhängen.

Bei der Brandstiftung eines Gebäudes der Stadtverwaltung im Oktober gab es Videomaterial von einer Überwachungskamera. Auch diese habe nicht zur Identifikation des Täters geführt, erklärt Krüsi. Das hat offenbar einen simplen Grund: Die Aufnahmen zeigen zwar, wie der Mann vorgeht, sind qualitativ aber offenbar zu schlecht, um Rückschlüsse auf den Brandstifter zu ziehen. Deshalb sei eine Veröffentlichung des Videomaterials auch äusserst unwahrscheinlich.

Stadtpräsident Erich Zoller vermutete im Oktober einen Jugendstreich als Auslöser für die Brandserie. Unterdessen äussert sich die Stadt nicht mehr zu diesem Fall und verweist auf die Kantonspolizei. Stadtpräsident Erich Zoller war ferienhalber nicht erreichbar.

Im Video: So berichtete TVO im Oktober über den “Feuerteufel:

Wut? Sexuelle Erregung? Klassischer Pyromane?

Es stellt sich die Frage: Wer macht so etwas und warum? “Es gibt eine Reihe von Motiven”, sagt Thomas Knecht vom Psychiatrischen Zentrum Herisau. Allgemein unterscheide man bei Brandstiftung in zwei Motiv-Gruppen: Die einen, deren Motiv ein äusserlicher Gewinn darstellt, also beispielsweise ein Versicherungsbetrug. “Die anderen sind “intrinsisch” motiviert. Das heisst, dass der Anreiz rein von innen kommt, es ist also ein Brand zur inneren Befriedigung”, erklärt Knecht. Vor allem Letzteres könnte auf den Rapperswiler Feuerteufel zutreffen.

Gründe dafür seien unter anderem das Abreagieren, Wut abzubauen. Selten zünden Täter ein Feuer zur sexuellen Erregung an. Es gibt auch Personen, die eine generelle Faszination für Feuer und deren Folgen empfinden. Oftmals schauen sie in einem Versteck zu, wie die Feuerwehr kommt und den Brand zu löschen versucht. “Das sind dann die klassischen Pyromanen”, sagt Knecht. Die Täter seien in der Regel Jugendliche. Drogeneinfluss sei dabei selten eine Thema. “Wenn Drogen im Spiel sind, dann ist es Alkohol.”

Bei dem Fall in Rapperswil handele es sich klar um intrinsische Brandstiftung. “Es ist eine Art Vandalismus. Der Täter hat offensichtlich eine Affinität für Feuer”, sagt Knecht. Denn es sei keine andere, heftigere Gewalt angewandt wie beispielsweise Sprengstoff worden.

Spiel mit der Polizei

Es gehe garantiert auch um Aufmerksamkeit und darum, die Polizei an der Nase herumzuführen. “Es ist jetzt ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei”.

“Um den Täter möglichst schnell zu fassen, sollte man den Täterkreis einengen”, sagt Knecht. Die Polizei müsse ein scharfes Täterprofil erstellen. Dazu gehört die Befragung des Umfelds des Täters. “Bei der Wahllosigkeit der Objekte des Täters von Rapperswil bringt es nichts, überall Wachposten aufzustellen. Dazu fehlen die Kapazitäten”, sagt Knecht. Viel wichtiger sei es, die Bevölkerung zu sensibilisieren, wie etwa mit Zeugenaufrufen. So werde auch Druck auf den Täter aufgesetzt. Vielleicht lässt er sich dadurch von einem nächsten Brandanschlag abhalten oder begeht einen entscheidenden Fehler.

(red)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen