So umgehst du die Internet-Zensur

Die Schweizer Stimmberechtigten haben sich für Sperren ausländischer Casino-Anbietern ausgesprochen.
Die Schweizer Stimmberechtigten haben sich für Sperren ausländischer Casino-Anbietern ausgesprochen. © KEYSTONE/Gaetan Bally
Die Stimmberechtigten haben sich für das Geldspielgesetz ausgesprochen. Damit wird die Schweiz eines der Länder, das Internet-Zensur betreibt. Wir sagen dir, wie du trotzdem auf jede Seite kommst.

Durch das neue Geldspielgesetz werden Internetprovider gesetzlich verpflichtet, verschiedene Seiten im Internet zu sperren. Das gab es in der Schweiz noch nie. Bisher wurden von den Providern zwar schon einige Seiten gesperrt, zum Beispiel mit kinderpornografischen Inhalten. Dies geschieht jedoch auf freiwilliger Basis.

Bereits ab Januar 2019 könnte die eben erst beschlossene Internet-Zensur in Kraft treten. Ab dann würden die Behörden Sperrlisten von Online-Geldspielen führen und diese sperren lassen. Die ausländischen Dienste haben laut dem neuen Geldspielgesetz auch keine Chance auf eine Lizenz, damit die Schweizer Casinos vor Konkurrenz geschützt sind.

Solche Netzsperren zu umgehen, ist nach aktuellem Stand (und nach dem Entwurf des Geldspielgesetzes) nicht illegal – und ziemlich einfach.

Das «Telefonbuch» wechseln

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine Seite im Internet zu sperren. Wenn du eine URL eingibst, wie zum Beispiel «fm1today.ch», wird diese Adresse in eine Zahlenkombination umgewandelt – ein Name ist für uns Menschen halt einfacher zu merken. Damit der Name einer Website der richtigen Kombination zugeordnet werden kann, nutzen die Internetanbieter sogenannte DNS-Server (Domain-Name-System). Die sind vergleichbar mit einem Telefonbuch.

Jetzt kann der Anbieter als Sperre den entsprechenden Eintrag in seinem «Telefonbuch» löschen, die Seite wird nicht mehr gefunden. Als Lösung können wir aber einfach auf das «Telefonbuch» eines anderen Anbieters wechseln. Google löscht die meisten Einträge zum Beispiel nicht. Oder falls man nicht gerade Google nutzen will, gibt es noch OpenDNS.

Dazu muss man ein bisschen technisches Wissen haben und die DNS-Einträge im Router ändern. Eine Anleitung, wie man auf die Routereinstellungen kommt, liefert jeder Internetprovider mit. Beim Router muss man die Einträge für «Lokaler DNS Server» auf 8.8.8.8 (Google) oder 208.67.222.222 (OpenDNS) ändern. Voilà, schon funktionieren die Seiten wieder. Alternativ kann man diese Einstellungen in Windows auch über die Systemsteuerung machen («Adaptereinstellungen ändern»).

Über eine Seitenstrasse zum Ziel

Die zweite Möglichkeit, Seiten zu sperren, geht über die IP-Adresse, wenn also der Anbieter direkt den Zugriff auf eine bestimmte Zahlenkombination/URL sperrt und nicht einfach den Eintrag im «Telefonbuch» löscht. So muss man über einen Umweg auf diese Adresse kommen. Einen solchen bieten VPN-Zugänge. Der Browser Opera hat mit «Opera VPN» bereits einen Seitenweg eingebaut, es gibt aber auch unzählige Alternativen für die Anonymisierung (zum Beispiel Tor).

Mehr Informationen zu den Netzsperren und wie man sie umgehen kann, finden sich auf diesen Seiten:

Steiger Legal (rechtliche Aspekte des Geldspielgesetzes)

PCTipp (Sperren umgehen)

DNSZensur (bereits gesperrte Seiten in der Schweiz)

(rr)


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