So viele Schweizer wie noch nie in der NHL?

Verteidiger Roman Josi gehört zu den Leistungsträgern bei den Nashville Predators und erzielte in der vergangenen Saison 14 Tore und 47 Assists
Verteidiger Roman Josi gehört zu den Leistungsträgern bei den Nashville Predators und erzielte in der vergangenen Saison 14 Tore und 47 Assists © KEYSTONE/AP/MARK HUMPHREY
In der Nacht auf Donnerstag beginnt die neue NHL-Saison. Die Schweizer Garde wird angeführt von Roman Josi.

Die Rekordmarke von 15 Schweizern kam in der vergangenen Spielzeit in der besten Liga der Welt zum Zug. Unter ihnen befanden sich auch Raphael Diaz und Jonas Hiller, die mittlerweile in die Schweiz zurückgekehrt sind. Dennoch könnte die Zahl in der neuen Saison steigen, besitzen doch 16 Schweizer Chancen auf Einsätze.

Etabliert sind allerdings nur Roman Josi, Mark Streit, Nino Niederreiter und Luca Sbisa. Josi hat sich gar zu einem der besten Verteidiger der Liga entwickelt. Auch bezüglich Produktivität steigerte sich der 26-jährige Berner von Qualifikation zu Qualifikation. Zuletzt brachte er es auf 14 Tore und 47 Assists. Nur drei Verteidiger erreichten mehr Skorerpunkte. Als Belohnung erhielt er erstmals ein Aufgebot fürs All-Star-Game. Die neue Saison bringt aber eine grosse Veränderung mit sich. Shea Weber, der langjährige Partner von Josi, wurde im Gegenzug für P.K. Subban von den Nashville Predators zu den Montreal Canadiens getradet.

Mark Streit nimmt seine zwölfte Saison in der NHL in Angriff, seine vierte für die Philadelphia Flyers. Mit einem Jahreslohn von 5,25 Millionen Dollar ist er der bestbezahlte Schweizer. Der Berner ist aber nicht mehr der Jüngste; er feiert am 11. Dezember seinen 39. Geburtstag. Zudem läuft der Vertrag aus. In der vergangenen Spielzeit kam er in 68 Partien bloss auf 24 Punkte (6 Tore) – einzig in seiner ersten NHL-Saison waren ihm weniger Punkte pro Spiel gelungen. Der frisch verheiratete Streit wird wohl zu Beginn mit dem 19-jährigen russischen Rookie Iwan Proworow ein Verteidiger-Paar bilden. Eine weitere interessante Rolle erwartet ihn bald auch neben dem Eis, wird er doch erstmals Vater.

Wie bei Streit läuft auch der Kontrakt von Nino Niederreiter Ende Saison aus. Der 24-jährige Churer strebt bei den Minnesota Wild den nächsten Schritt an. Er will konstant zu den Top-6-Stürmern gehören und mehr Eiszeit erhalten. Weil er aber mit dem Team Europa am World Cup in Toronto überraschend den Final erreicht hatte, konnte er sich dem neuen Headcoach Bruce Boudreau bloss in zwei Vorbereitungsspielen präsentieren.

Luca Sbisa ist hinter Streit der Schweizer mit den zweitmeisten Einsätzen in der NHL (403). Zwar halten die Journalisten in Vancouver wenig von ihm. Die Verantwortlichen der Canucks wissen aber, was sie an ihm haben, nämlich einen physisch und schlittschuhläuferisch starken Verteidiger. In der vergangenen Qualifikation bestritt Sbisa wegen Verletzungen nur die Hälfte aller Partien. In diesen überzeugte er allerdings.

Für Sven Bärtschi und Sven Andrighetto geht es darum, sich zu bestätigen. Bärtschi scheint nach schwierigen Zeiten bei den Calgary Flames endlich Fuss gefasst zu haben in der NHL. Er hat sich bei Vancouver in eine gute Position gebracht und will diese verteidigen. Die Canucks dankten es ihm mit einem Zweijahresvertrag über insgesamt 3,8 Millionen Dollar. In der Vorbereitung schoss Bärtschi zwei Tore.

Andrighetto ist erstmals im Besitz eines Einwegvertrages, der ein Jahr dauert und ihm auch in der AHL 650’000 Dollar einbringt. In der vergangenen Saison durfte der 23-jährige Zürcher für die Montreal Canadiens 44 NHL-Spiele bestreiten, wobei er sieben Treffer und zehn Assists realisierte. Darauf will der beste Schweizer Skorer der letzten WM aufbauen. Die Konkurrenz ist durch die Verpflichtungen von Alexander Radulow und Andrew Shaw allerdings nicht kleiner geworden.

Vor einer entscheidenden Saison steht Yannick Weber. Der 28-jährige Verteidiger erlebte bei Vancouver ein sehr schwieriges Jahr mit nur 45 Einsätzen, keinem Tor und einer Minus-17-Bilanz, nachdem er in der Spielzeit zuvor noch brilliert hatte. Nun nimmt er bei den Nashville Predators, wo er mit Josi einen prominenten Fürsprecher hat, einen neuen Anlauf. Nutzt er diese Chance nicht, dürfte es bald vorbei sein mit seiner Zeit in Nordamerika.

Kevin Fiala steht zu Saisonbeginn ebenfalls im Kader der Predators. Der 20-jährige Ostschweizer ist in den eineinhalb Saisons in Übersee reifer geworden. An Talent mangelt es ihm ohnehin nicht, und das unterstrich er im Camp eindrücklich. Doch ist er schon genug weit für eine ganze Saison in der NHL?

Hatte sich Fiala berechtigte Hoffnungen auf den Start in der NHL machen dürfen, ist es eine Überraschung, dass sich auch Denis Malgin (Florida Panthers) fürs Erste in sein Team gespielt hat. Malgin, in der vergangenen Saison noch bei den ZSC Lions tätig, ist erst 19 Jahre alt und vor allem nur 1,75 m gross. Dank seiner exzellenten Technik und Spielübersicht trumpfte er in den Camps der Panthers aber gross auf.

Erst im letzten Moment in die AHL geschickt wurde Christoph Bertschy (Minnesota Wild). Grosse Pech bekundete Timo Meier. Der 20-jährige Herisauer erkrankte am Pfeifferschen Drüsenfieber. Sonst hätte er bei San Jose wohl gute Karten gehabt. Früher oder später dürfte er aber zu Einsätzen bei den Sharks kommen. Das gilt auch Mirco Müller, der in der Organisation derzeit nicht zu den besten sieben Verteidigern gehört. Wie Müller können auch die ebenfalls in die AHL abgeschobenen Reto Berra (Florida), Dean Kukan (Columbus Blue Jackets) und Joel Vermin (Tampa Bay Lightning) mit weiteren Partien in der besten Liga der Welt rechnen, da es bei so vielen Spielen immer wieder Ausfälle und Veränderungen gibt. Schwieriger sieht die Situation bei Tanner Richard (Tampa Bay) aus, der sich in der Hierarchie hinter Vermin befindet.

Von den Teams mit Schweizer Stammkräften ist Nashville am meisten zuzutrauen. Auch Minnesota hegt grosse Ambitionen; für Niederreiter ist die Playoff-Qualifikation «ein Muss». Als Topfavorit gilt Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins mit Superstar Sidney Crosby, der den Auftakt wegen einer Hirnerschütterung allerdings verpasst. 18 der 19 Spieler, die in der letzten Partie der Finalserie gegen die San Jose Sharks eingesetzt wurden, gehören weiter dem Kader an. Die Statistik spricht jedoch gegen die Penguins; die letzte erfolgreiche Titelverteidigung (Detroit Red Wings) liegt 18 Jahre zurück.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen